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Das Leben der anderen
Pressemitteilung vom 23.03.2006


Der Film „Das Leben der anderen”, des Regisseurs Florian Henckel von Donnersmarck beginnt mit dem Bild eines Mannes in Uniform, der einen Mann in Zivilkleidung verhört. Es ist das Jahr 1985, es ist die DDR, es ist die Stasi-Haftanstalt Hohenschönhausen. In der nächsten Einstellung spielt der Uniformierte das Tonband, das bei der Vernehmung mitlief, einer Gruppe von Studenten vor. Danach schneidet der Film mehrmals zwischen Hörsaal und Verhörzimmer hin und her, so daß beiläufig klar wird, worum es in dieser Geschichte vor allem gehen wird: um Aufzeichnungen, um Töne, um Gehörtes. Einer der Studenten fragt, ob die Verhörmethoden mit den humanistischen Idealen des Sozialismus vereinbar seien. Der Uniformierte macht hinter seinem Namen auf der Seminarliste ein Kreuz. Damit ist auch die Grundstimmung der Geschichte eingeführt: Angst. Die Angst vor dem Überwachungsstaat, vor Gesinnungsterror und Repression.

Die Stasi im Zentrum
Die eigentliche Geschichte beginnt mit einer Theateraufführung. Christa-Maria Sieland (Martina Gedeck) steht auf der Bühne. Der geile der Minister Hempf (Thomas Thieme) sitzt im Publikum. Der Minister will die Schauspielerin in sein Bett holen, deshalb sollen seine Schergen ihrem Freund etwas anhängen. Der Stasi-Agent Wiesler (Ulrich Mühe) wird nun auf den Theaterautor Dreyman angesetzt. Er läßt dessen Wohnung verkabeln und verwanzen, richtet auf dem Dachboden des Mietshauses eine Abhörzentrale ein und beginnt mit dem „operativen Vorgang”. Rasch ist klar, daß Dreyman, anders als viele seiner Freunde, dem Sozialismus die Stange hält. Als Wiesler merkt, worum es in Wahrheit geht, beginnt es in seinem Kopf zu gären. Eines Abends, als die Schauspielerin und Bettgespielin des Ministers vor Dreymans Haus aus dessen Wagen steigt, betätigt Wiesler von seinem Abhörpult aus die Wohnungsklingel und lockt den Theaterautor vor die Tür, so daß Christa-Marias Betrug auffliegt. Von da an spielt Wiesler Schicksal mit Dreyman, und wie alle ungebetenen Spieler zahlt er dafür den Preis.
Seit der Maueröffnung hat es mehrere Versuche gegeben, den Alltag des Überwachungsstaats filmisch zu beschreiben. Aber erst mit „Das Leben der anderen” rückt das Treiben der Staatssicherheit ins Zentrum eines Spielfilms. Damit ist nicht bloß ein Thema entdeckt, damit ist die DDR selbst entdeckt: als Land, in dem Hören und Sehen vergeht. Wo jedes Wort mitgehört, jeder Schritt überwacht wird, gibt es am Ende keine Wirklichkeit mehr, nur noch Matrizen und Protokolle. Dieses Unwirkliche ist den leeren Straßen, den grauen Fassaden und ungesättigten Farben in „Das Leben der anderen” eingeschrieben. Andere Regisseure erreichen diese Geschmackssicherheit in ihrem dritten oder vierten Film, von Donnersmarck hat sie offenbar von zu Hause mitgebracht. Er hat seinen Film wie ein Historiker recherchiert. „Das Leben der anderen” gräbt die DDR aus und begräbt sie zugleich. Denn nach diesem Film wird jedes weitere Stasi-Drama wie ein Nachzügler aussehen, ganz gleich, wie gut es erzählt ist.

Quelle: Frei nach Rezessionen in Feuilletons von Welt und FAZ

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