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Die Zukunft für die Bauern: Sonnenenergie vom Feld
US-Energieministerium: 160 Millionen Dollar für den Bau von drei Bioraffinerien
Pressemitteilung vom 23.03.2006


„Unglaubliche Chancen tun sich für uns auf, wenn wir das großartige Ziel erreichen und unsere Abgängigkeit vom Öl beenden“, sagte George W. Bush, als er Ende Februar das „Nationale Labor für Erneuerbare Energien“ in Colorado besuchte und seinen neusten Plan verkündete, neben der Kernenergie auch regenerative Energien massiv zu erforschen und zu nutzen. Für einen Texaner aus einer Ölfamilien ein durchaus gewöhnungsbedürftiger Gedanke, doch es führe kein Weg daran vorbei. 160 Millionen Dollar hat das amerikanische Energieministerium nun für den Bau von drei Bioraffinerien ausgelobt – ein Indiz, dass Bush mehr im Sinn hat als eine schnelle PR-Aktion.

Mit Rapsöl moderne Pferdestärken in Mähdreschern, Traktoren und Lastwagen füttern
Im eigenen Kraftwerk produziert ein US-Farmer auf 10.000 Hektar u.a. aus vergärendem Mais und der Gülle seines Viehs zunächst methanhaltiges Gas und dann Strom. Bisher kaufte er herkömmlichen Diesel, der in den USA nur 1/3 des deutschen Preises kostet. Nun aber produziert er eine Million Liter Rapsöl und füttert damit die modernen Pferdestärken in seinen Mähdreschern, Traktoren und Lastwagen. Kein Kohlendioxid mehr aus der Verbrennung von konventionellem Dieseltreibstoff, sondern nur Gase, die sich die Pflanzen vorigen Sommer aus der Atmosphäre geholt haben – ein geschlossener Kreislauf.
Präsident Bush hat mit seinem millionenschweren Forschungsprogramm eine Wende in der Energiepolitik eingeleitet. Bundeskanzlerein Merkel hat am 3. April nach Berlin zum Energiegipfel eingeladen und eine „nationale Biorohstoffstrategie“ ausgerufen. Teuer und riskant wird es künftig die Gas- und Ölzufuhr zu sichern. Weltweit hat eine fieberhafte Suche nach alternativen Energiequellen eingesetzt, die im Gegensatz zu Windkraft und Solarstrom speicherbar und ständig verfügbar sind. Die absehbare Verknappung der Erdölreserven spielt eine Rolle, der Klimaschutz, aber vor allem politische Gefahren. Die politischen Kosten der Ölabhängigkeit treten offen zutage, nicht nur beim Umgang mit Iran den Irak und Saudi-Arabien. Der Aufstieg Chinas und Indiens eröffnet völlig neue Fronten im Wettbewerb um die fossilen Rohstoffe, besonders in Afrika. Als der russische Präsident Putin Anfang des Jahres den Ergasstrom gen Westen kurzfristig drosselte, wurde Europa das russische Erpressungspotential schmerzlich bewusst. Der Rohölpreis spiegelt diese Unsicherheit wieder. Er stieg, als der Tropen Sturm „Katrina“ die Ölförderung im Golf von Mexiko unterbrach, auf ein Rekordhoch von knapp siebzig Dollar pro Barrel und liegt noch immer bei sechzig Dollar. Auch wenn Spekulation dabei eine Rolle spielt und Händler Ausschläge nach unten für möglich halten, wetten viele auf einen Anstieg in Richtung hundert Dollar.

Erdöl und Erdgas sind auch nur Pflanzenprodukte
Erdöl und Erdgas sind auch nur Pflanzenprodukte. Wie schon immer produziert dieselbe Sonne energiehaltigen Zucker durch die göttliche Photosynthese. Die technischen Verfahren, aus frischen Pflanzenmaterial flüssige oder gasförmige Energieträger zu machen, etwa Ethanol aus Getreidestärke, Methangas aus Gülle oder Diesel aus Rapsöl, sind seit langem bekannt.

Doch der Einstieg in die Bio-Ökonomie erfordert größte Anstrengungen in Forschung und Technologieentwicklung, vom Acker bis zum Auto. Es bedarf spezieller „Energiepflanzen“.

Der Freiberger Unternehmer Bodo Wolf, „Ökomanager des Jahres 2005“, ist der Pionier des passenden Verfahrens, bei dem aus frischer Biomasse „SunFuel“ entsteht. Autoindustrie und Mineralölwirtschaft investieren am stärksten in diese zweite Generation der Biokraftstoffe. Im sächsischen Freiberg entsteht bereits eine Pilotanlage, und die Bundesregierung läßt durchrechnen, wie es mit 500 000 Tonnen Jahreskapazität aussähe. Um diese Dimensionen zu erreichen, reicht der Raps von heute nicht aus. Maximal 1500 Liter Öl pro Hektar lassen sich mit den besten Rapspflanzen gewinnen. Zugleich stößt die junge Branche an Grenzen. Die geplanten Besteuerung von Biodiesel hält deutsche Landwirte von Investitionen ab. Auf den Äckern hat eine „Flächenkonkurrenz“ um die Biorohstoffe eingesetzt. Die Anbaufläche für Raps ist in Deutschland ausgereizt.

Biomasse aller Art – Stroh ebenso wie Holz aus „Energiewäldern“
Biodiesel aus heimischen Raps ist nicht der Weisheit letzter Schluss“, sagte Birgit Kamm. Die Chemikerin leitet das private Institut „biopos“ am Stadtrand von Berlin. Sie will sie erreichen, dass Bioraffinerien nicht nur Getreidesamen verarbeiten können, sondern Biomasse aller Art – Stroh ebenso wie Holz aus jenen „Energiewäldern“, die schon in stillgelegten Kohleabbaugebieten bei Cottbus wachsen. Zudem sollen aus den Bioraffinerien nicht nur Treibstoffe herauskommen, sondern jene hundert Basischemikalien, aus denen sich fast alles herstellen lässt, wozu jetzt noch Erdöl als Rohstoff gebraucht wird: Plastik, Farben, Textilien, Verpackungen, Dämmmaterial, Medikamente – die Ölprodukte mit größter Wertschöpfung. „Der Ölverbrauch der Menschheit entspricht nur einem Zehntel dessen, was jährlich neu an Pflanzenmaterial entsteht.“ Nur die Technologien fehlen noch und der richtige Ölpreis. „Ab hundert Dollar pro Barrel rechnen sich Bioraffinerien.“

Um die riesigen Dimensionen zu erreichen, reicht der Raps von heute nicht aus. Es müssen Pflanzen zur Verfügung stehen, deren Energiegehalt viel höher ist als bei heute gängigen Sorten. In diese nächste Phase der Energiepflanzennutzung steigen deshalb nun die erfahrensten Botaniker Deutschlands ein. Die Kleinwanzlebener Saatzucht (KWS) sucht in Südamerika nach Maissorten, die besonders hoch wachsen und besonders viel Energie speichern. Das Bundessortenamt hat vor wenigen Wochen die „energieoptimierte“ Maissorte „Athletico“ zugelassen. Durch geschickte Kreuzungen werden Gene gesucht, die den Energiegehalt steigern. Dazu ist nicht die verteufelte Veränderung der Erbsubstanz erforderlich, sondern nur die rechnergestützte gentechnische Auslese. Diese Technik in den Dienst der alternativer Energiegewinnung zu stellen, darauf setzt auch die EU mit ihrem Programm „Plants for the future“.

Von Dietrich Ellies, mit Genehmigung des Autors

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