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Offener Brief: 86jähriges Opfer der SBZ-Bodenreform klagt an
Pressemitteilung vom 31.03.2005


Eine alte Dame klagt Unrecht an. Sie tut es in einem „Offenen Brief“. Es ist die 86 Jahre alte Brigitte von Bila. Das Unrecht begeht der deutsche Staat an den Opfern politischer Verfolgung in der einstigen sowjetischen Besatzungszone (1945–1949). Er begeht es, seit er die deutsche Wiedervereinigung ins Werk gesetzt hat, also seit nunmehr über 15 Jahren. Er begeht es auch an der Familie von Brigitte von Bila.

Die alte Dame ist die Witwe von Otto-Heinrich von Bila. Dieser Rittmeister der Reserve gehörte zu den Widerstandkämpfern der deutschen Wehrmacht, die sich am Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 beteiligten. Da es mißglückte, brachten die Nationalsozialisten die meisten dieser Verschwörer um, nur ganz wenige blieben unentdeckt. Einer davon war Bila.

Aber 1945 wurde auch sein 250 Hektar umfassendes Gut in Gerbitz an der Saale in Sachsen-Anhalt Opfer der kommunistischen Bodenreform. Allerdings sollte die Familie 50 Hektar ihres Eigentums behalten und weiterbewirtschaften dürfen, weil Bila ein im Ort bekannter Gegner der Nationalsozialisten gewesen war. So hatte es die sogenannte Bodenkommission entschieden. Dann jedoch, im Oktober 1945, drohten seiner Frau und den drei Kindern plötzlich doch die Verhaftung und Deportation nach Rügen, und Brigitte von Bila floh mit ihren Kindern in den Westen.

Bis heute hat die Familie – wie alle anderen Hundertausende von Opfern der politischen Verfolgung von damals – ihr Eigentum nicht zurück-bekommen. Jetzt hat die alte Dame, nach wie vor lebhaft und mit wachem Verstand, ihre Empörung über das Unrecht des vermeintlichen Rechtsstaates öffentlich gemacht.

Aktueller Anlaß dafür ist das Buch von Uwe Müller „Super-Gau Deutsche Einheit“. Die Tageszeitung Die Welt hat gerade einige Kapitel daraus im Vorabdruck gebracht.

Frau von Bila ist wie auch andere überzeugt, daß der „Aufbau Ost“ auch deshalb nicht vorangekommen ist, weil der deutsche Staat die von den Kommunisten vertriebenen Familien des Bürgertums daran gehindert hat, ihr Eigentum wieder in Besitz zu nehmen und am wirtschaftlichen Aufbau mitzuwirken.

Sie schreibt im Brief: „Mit der Erfahrung von 86 Lebensjahren und fünf deutschen Staatsformen stelle ich fest: Ohne verstehbare und praktische Urteile, die noch mit dem Recht der Bundesrepublik vor der Wiedervereinigung erkennbar zu tun haben, wird es zu keinem wirtschaftlichen Aufschwung in Mittel- und Ostdeutschland kommen.“

Sie klagt an, daß unschuldige Bürger als „Nazi- und Kriegsverbrecher“ behandelt werden, obwohl sie Gegner des Hitler-Regimes waren; ferner, daß zwar das Urteil in den schlimmen Waldheim-Prozessen gegen ihren Bruder 1993 für nichtig erklärt wurde und Rußland ihn 1995 rehabilitiert hat, aber der deutsche Staat der Familie die Rückgabe ihres Eigentums trotzdem verweigert; daß die Opfer des Eigentumsraubes 15 Jahre lang schikaniert wurden und die Täter unbehelligt geblieben sind; daß Regierung, Verwaltung und Justiz die heimatverdrängten Unternehmer am Wiederaufbau gehindert haben, „wodurch Arbeitgeber mit Arbeitsangeboten fehlen und deshalb die Jugend die neuen Bundesländer verläßt“.

Seit 1992 hat die Familie Bila zusammen mit einer anderen Familie rund 500 Hektar des eigenen Ackerlandes vom Staat gepachtet. Es sind jene Teile, die 1945 bei der „Bodenreform“ nicht aufgesiedelt worden waren und 1990 in den Besitz der Treuhandanstalt übergegangen sind. In den seitdem 13 Pachtjahren, schreibt Frau von Bila, „haben wir 1,5 Millionen Euro an die Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) gezahlt, die besser für Aufbauarbeiten und Arbeitsplätze hätten genutzt werden können. Bedauerlicherweise mußten wir alles erarbeitete Geld in das ‚Schwarze Loch‘ der BVVG stecken.“

Die Tätigkeit der BVVG darf man Hehlerei nennen, hat das Kammergericht in Berlin entschieden. Hehlerei, von Bürgern begangen, ist strafbar. Diese Hehlerei begeht der Staat. Er kommt bisher davon.

Von Klaus Peter Krause

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