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Winterunterschiede in Deutschlands und Österreichs Forsten
Pressemitteilung vom 16.03.2006


Holzeinschlag in Deutschland auch durch steigende Preise derzeit in vollem Gange Presseberichten zufolge hält sich in Deutschland die Aufregung der Forstwirte über den zähen und schneereichen Winter eher in Grenzen. Besondere Schäden durch Schneebruch sind nicht bekannt, denn was herunterbrechen wollte, haben die Herbststürme meist schon hinweggefegt, so mehrere Revierförster. Überhaupt hört man von älteren Forstleuten, die hohe Schneelast des aktuellen Winters sei gar nicht so ungewöhnlich, nur habe es halt eine ganze Reihe von Jahren hintereinander eher schneearme Winter gegeben. Allerdings gibt es Unterschiede in den Regionen. In einigen wenigen Gegenden Bayerns, vor allem im Südosten, und in den Hochlagen Baden-Württembergs kämpfen auch die Deutschen gegen die Schneemassen in den Rückegassen. Dagegen leidet Österreichs Forstwirtschaft unter dem harten Winter mehr. Das Räumen der Forststraßen verursache zusätzliche Kosten. Schneebrüche beschädigen das Holz und führen zu erhöhten Erntekosten.

Pellets ersetzen Öl und Gas in Zentralheizungen
In Deutschland sagt man, der Frost habe auch sein Gutes: Wenn der Boden gefroren ist, fräsen die schweren Erntemaschinen keine Furchen in den weichen Untergrund, also ist der Holzeinschlag, getrieben auch durch steigende Preise, derzeit in vollem Gange. Ganz ohne Auswirkungen auf die deutsche Holzwirtschaft bleibt aber die Kälte auch nicht. Die unerwartete hohe Nachfrage nach Presslingen aus Rest- und Abfallholz, sogenannten Pellets, die als Ersatz für öl- und gasbetriebene Zentralheizungen immer mehr gefragt sind, hat schon zu Lieferengpässen und einem Preisanstieg um etwa 7 Prozent geführt.

170.000 Forstbetriebe in Österreich machen keinen Gewinn
Dagegen arbeiten fast ein Drittel der Forstbetriebe Österreichs ohne Gewinn. Zwar hat sich die Erntelage in der österreichischen Forstwirtschaft im vergangenen Jahr verbessert, jedoch nicht für alle Betriebe. Vor allem im Hochgebirge bleibt die wirtschaftliche Situation angespannt. Fast ein Drittel der rund 170.000 Betriebe macht im Durchschnitt keinen Gewinn. Im Jahr davor war es nur jedes fünfte Unternehmen. Dennoch sieht der Verband „Land & Forst Betriebe Österreichs“ die Zukunftsaussichten positiv: Die Holzreserven seien enorm, der österreichische Rohstoff sei auf der ganzen Welt gefragt. Auch angesichts der stark gestiegenen Rohölpreise sehen Fachleute nach Jahren der niedrigen Preise für Europas Forstwirtschaft wieder Licht am Ende des Tunnels. Holz als der wichtigste nachwachsende Rohstoff gewinnt an Bedeutung.

Gebirgsforstwirtschaft kämpft mit hohen Erntekosten
Im abgelaufenen Jahr haben Österreichs private Forstbetriebe mit mehr als 500 Hektar Waldbesitz einen Gewinn von 5,5 Euro je Festmeter erzielt, das sind 1,5 Euro mehr als 2004. Zurückzuführen sei dies auf ein gutes Kostenmanagement – trotz gestiegener Energiekosten – und höhere Holzpreise. Auch Schäden durch Sturm oder Käferbefall habe es im Vorjahr nicht gegeben. Die Gebirgsforstwirtschaft kämpft dennoch mit vergleichsweise hohen Erntekosten: Während im Flachland 17 Euro je Festmeter anfallen, sind es im Hochgebirge 25 Euro.

Noch deutlicher wird dieser Wettbewerbsnachteil im internationalen Vergleich. In Deutschland liegen die Holzerntekosten durchschnittlich bei 15 Euro je Festmeter, in Skandinavien bei nur 8 bis 12 Euro. Nach wie vor liegen die Holzpreise mit 72 Euro je Festmeter für Sägerundholz und 28 Euro für Industrieholz deutlich unter denen von Ende der neunziger Jahre, als noch 87 Euro für Sägerundholz und 43 Euro für Industrieholz erzielt wurden, sagte Verbandspräsident Montecuccoli.

Österreichs Forstwirte durch steigende Preise motiviert
Angesichts der steigenden Preise – auch zu Jahresbeginn legte der Holzpreis in Richtung 75 Euro zu – seien die Forstwirte wieder motiviert. Dies trage wiederum zur Holzversorgung der österreichischen Holz- und Energiewirtschaft bei, deren große Rohstoffnachfrage Österreichs Forstwirtschaft fördert. In den vergangenen Jahren lag die Holzversorgung der Sägeindustrie aus dem Ausland bei etwas mehr als 40 Prozent und bei der Papierindustrie bei rund 16 Prozent. Noch im Jahr 2004 wurden aus Deutschland mit etwa 3,6 Millionen Festmeter und aus der Tschechischen Republik mit rund 1,8 Millionen Rekordmengen an Nadelsägerundholz importiert. Die hohen Rohstoffmengen aus diesen Ländern haben entscheidend dazu beigetragen, daß die heimische Sägeindustrie ihre Produktion auf heute 11 Millionen Festmeter steigern konnte. Der Gesamtimport von Sägerundholz hat sich von 3 Millionen Festmeter im Jahr 1990 auf fast 6 Millionen Festmeter im Vorjahr verdoppelt. Aufgrund der neuen Holzverarbeitungskapazitäten in Deutschland und der Tschechischen Republik war jedoch bereits 2005 ein Rückgang der Rundholzimporte von rund einem Zehntel aus diesen beiden Ländern spürbar. Dieser Trend werde sich fortsetzen, sagte Montecuccoli. Um die Produktionssteigerung der Holzindustrie zu unterstützen, haben die österreichischen Forstbetriebe den Einschlag weiter erhöht. Für dieses Jahr wird eine Steigerung von 17 Millionen auf 18 Millionen Festmeter erwartet.

Vier Fünftel der Waldfläche Österreichs in Privathand
Einen Rekord erreichte die Holzbranche 2005 im Export von Nadelschnittholz ins Ausland. Damit ist Österreich das fünftgrößte Nadelschnittholzexportland der Welt. Hauptabnehmer bleibt Italien mit einem Exportanteil von über 60 Prozent. Steigerungen waren vor allem nach Amerika möglich. In Österreich hat der Wald traditionell eine große Bedeutung. Fast die Hälfte der Bundesfläche ist davon bedeckt. Vier Fünftel der Waldfläche befinden sich in der Hand von Privaten. Rund 150.000 Menschen leben von der Wertschöpfungskette Forst-Holz-Papier. Die Branche erlöst jährlich 10 Milliarden Euro. Im Jahr 2004 war die Forst- und Holzwirtschaft neben dem Fremdenverkehr der wichtigste Aktivposten in der Leistungsbilanz Österreichs.

Quelle: Verband „Land & Forst Betriebe Österreichs“

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