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Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt
Pressemitteilung vom 20.03.2003


In den Bauernregeln ging es schon immer ums Wetter. Es gab sie schon vor Kachelmann und es wird sie auch nach ihm geben - bei allem Respekt. Unsere Vorfahren hatten mehr Respekt vor der Natur, vor ihrem Schöpfergott und sie hatten gesunden Menschenverstand und konnten noch beobachten und machten sich Reime darauf, dazu die Lebenserfahrung der Altvorderen.

Auch waren die früheren Bauern den Kapriolen des Wetters weit mehr unterworfen als die heutigen. Das stimmt nicht? Das stimmt schon! Hochwasser, Missernten, nasse Sommer und Hagelschläge – das alles gab es nicht weniger als heute. Was es aber garantiert nicht gab sind die EU-Flächenprämien, die Preisausgleichszahlungen, keine Hagel- und Tierseuchenversicherung und keinen Minister, der nun alles und jedes besonders den Großen in einer Mehrgefahrenversicherung absichern will.

Herausgekommen sind über die Jahre allerlei Weisheiten wie das altbekannte „Morgenrot, schlecht Wetter droht“ oder „Abendrot, gut Wetter bot“. Auch „Frösche quaken, bringt Regen“. Der Laubfrosch auf der Leiter zählt aber eher zu den unsicheren Methoden der Wettervorhersage.

Die Lostage
Die sichersten Regeln sind immer noch die von den Lostagen. Das sind biblische Tage. So einer ist der „Siebenschläfer“ am 27. Juni. „Wie der Siebenschläfer klettert, so es sieben Wochen wettert“. Der Spruch geht nach einer christlichen Legende. Sieben junge Männer im Jahr 251 n. Chr. flüchteten während der Christenverfolgung in einer Höhle und wurden eingemauert. Dort fielen sie in einen tiefen Schlaf. Nach fast zweihundert Jahren wurde die Höhle zufällig entdeckt und geöffnet. Da erwachten die sieben, erzählten von ihrem Schicksal und starben noch zur selben Stunde.

Nimmt man nun den Wetterverlauf um den 27. Juni herum zum Ausgangspunkt für die Bauernregel, dann stimmt die Vorhersage in 61 Prozent der Fälle – wie der Meteorologe Horst Malberg in seinem Buch „Bauernregeln: aus meteorologischer Sicht“ hervorhebt. Der wissenschaftliche Grund hierfür liege in folgender Besonderheit:

Wenn sich Ende Juni eine Hochdruckbrücke von den Azoren über Mitteleuropa bis zum Ural bildet, dann werden heranziehende Tiefdruckgebiete abgewehrt und die Wahrscheinlichkeit für gutes Wetter in den kommenden Wochen ist hoch. Fehlt die Brücke der Hochdruckgebiete, bestimmt ein Wall von Tiefdruckgebieten das Wetter in den folgenden Wochen.

Eines ist bei allen Regeln mit Lostagen wichtig: Nicht der Tag ist entscheidend für die Wetterlage, sondern die Lage einige Tage vor und nach dem Lostag oder sogar das Wetter eines ganzen Monats, zum Beispiel: „Je feuchter der Februar, desto nasser das ganze Jahr.“ Ist der Februar aber zu warm, so heißt es heute noch im Erzgebirge:

„Februar in Hemdsärmeln, Juni in Handschuhen“ aber:

„Februar muss vor Kälte knacken, wenn die Ernte gut soll sacken“.


Der Februar 2003 war ein besonders trockener und frostiger Monat, mit Eistagen, wie es sie in der Erinnerung der Alten noch nicht gab. „Da werden wir dieses Jahr wohl drei hitzige Heumonate haben und im Mittelmeer kühle Nässe“, so Altbauer Schluckebier.
Mit rund 60 Prozent Wahrscheinlichkeit folgt nämlich einem überdurchschnittlich feuchten Februar auch ein niederschlagreiches Jahr. Umgekehrt gilt für einen trockenen Februar, dass es in sechs von zehn Fällen ein ganz trockenes Jahr geben wird.

Warum die Bauern sich dennoch einen ganz bestimmten Tag für ihre Vorhersage herauspickten, ist leicht erklärt, so Markus Breidenich. „Ein Kalender, wie wir ihn heute kennen, war den einfachen Menschen im Mittelalter unbekannt. Einzige Anhaltspunkte waren die kirchlichen Feiertage, also die Namenstage der Heiligen. Die meisten Wetterregeln wurden an solchen Daten festgemacht, unter anderem auch die Eisheiligen oder der Martinstag, der häufig für Vorhersagen zum Winter herangezogen wurde.
So einfach die Festlegung auf diese Daten gewesen sein mag, verflixt war die Sache für die Bauern im Mittelalter trotzdem. Seit 46 v. Chr. galt der von Julius Caesar in Auftrag gegebene Julianische Kalender mit exakt 365,25 Tagen im Jahr und einem Schaltjahr alle vier Jahre. Tatsächlich benötigt die Erde für einen kompletten Lauf um die Sonne allerdings nur 365,2422 Tage, was einen Unterschied von elf Minuten im Jahr ergibt. Bis ins späte Mittelalter hinein addierte sich diese Differenz auf gut zehn Tage. Am vierten Oktober 1582 kam dann die Kalenderreform von Papst Gregor XIII. Kurzerhand folgte mit dem „Gregorianischen Kalender“ auf den 4. Oktober gleich der 15. Oktober, und die Differenz war eingeholt. Die Verwirrung unter den Zeitgenossen war groß:

„O Papst, was hast du angericht
mit deinem heillosen Gedicht,
dass du verkehret hast die Zeit
und irr gemacht uns arme Leut.“


Was waren die alten Lostage damals noch wert, wenn mit einem Schlag alles um zehn Tage verschoben war? Heutzutage müsste man also wissen, ob die Bauernregel vor oder nach dem Jahr 1582 entstanden ist.
Einigermaßen tröstlich ist die Erkenntnis, dass zehn Tage Differenz zu verkraften sind, wenn man eben nicht den Stichtag allein betrachtet, sondern das Wetter in einem größeren Zeitraum um diesen Tag herum. Dann erweisen sich viele Regeln auch heute noch als brauchbar.

Der Hundertjährige Kalender
Ganz im Gegensatz zu einem anderen Werk: Im „Hundertjährigen Kalender“ steckt vielleicht jede Menge mühevoller Kleinarbeit, aber nicht wirklich Sinn. Ein Zisterzienser-Abt aus Langheim namens Mauritius Knauer sammelte zwischen 1652 und 1658 Wetterbeobachtungen und trug sie in seinem „Immerwährenden Hauskalender“ zusammen. Der Theologe und Naturwissenschaftler war auf der Suche nach Gesetzmäßigkeiten im Wetterablauf und meinte zu erkennen, dass sich bestimmte Wettervorgänge alle sieben Jahre wiederholten. Auf diesem Zyklus baute der Mönch – gestützt auf die zur damaligen Zeit bekannten sieben Planeten (Sonne und Mond fälschlicherweise mitgezählt) – seinen Kalender auf. Jedem Jahr innerhalb des Zyklus ordnete er – beginnend am 21. März – einem bestimmten Planeten zu. Dass die Übergabe eines Jahres ausgerechnet zu Frühlingsbeginn erfolgte, begründete Knauer damit, dass Gott die Welt „nach übereinstimmender Meinung der Theologen und Philosophen“ im Frühjahr erschaffen habe.
Jahrzehnte nach Knauers Tod kam ein Erfurter Stadt-Physikus auf die Idee, den Kalender von sieben einfach auf Hunderte von Jahren hochzurechnen, indem er den Siebenjahresrythmus fortschrieb. Ein obskures Vorhaben, das noch dadurch ins Absurde geführt wurde, dass man im Laufe der Zeit Monate verwechselte und Teile des Textes vertauschte. Aus dem lokal geprägten, auf sieben Jahre angelegten Werk eines Bamberger Abtes war auf dieser Weise ein großangelegter Kalender geworden, der das Wetter in ganz Deutschland und darüber hinaus vorherzusagen beanspruchte. Ohne jede meteorologische Grundlage.
Vor die Wahl gestellt, dem Hundertjährigen Kalender oder den Bauernregeln zu folgen, tut man also gut daran, letztere zu Rate zu ziehen. An Auswahl mangelt es jedenfalls nicht. Rund 5000 Bauernregeln gibt es insgesamt. Etwa 500 haben etwas mit dem Wetter zu tun. Und die anderen? Sie sind entweder gutgemeinte Lebensweisheiten oder heiter bis wolkige Scherze“.

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