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28 frühere LPG-Bauern Klagen gegen die Sorabia Agrar AG
Pressemitteilung vom 08.03.2002


Nach einem Bericht der Sächsischen Zeitung vom 28.02.2002 (Autorin Marita Vacquè) ist die Stimmung in den sorbischen Dörfern nahe Bautzen sehr angespannt. 28 Landwirte haben noch vor dem 31.12.2001 die drohende Verjährung durch Klage gegen die Sorabia Agrar AG Rosenthal unterbrochen und verlangen Entschädigung für die Anteile, die sie einst in die LPG eingebracht haben. Die Sorabia ist einer der größten Arbeitgeber der Region. Jetzt droht die Liquidation wegen fehlerhafter Umwandlung.

„Das ist ökonomisches Harakiri, bei dem nur die Rechtsanwälte gewinnen. Der juristische Akt wird gelingen, der Patient jedoch sterben“, schätzt Sorabia-Vorstand Benedict Rehde ein. Zu dem käme noch, stellt er klar, dass im Falle der Liquidation die DDR-Altschulden der LPG mit Zinsen aufleben und dies bei der Sorabia Agrar AG dazu führen kann, dass alle Mitglieder der LPG völlig leer ausgehen und die bereits ausgezahlten 2,1 Millionen DM zurückgefordert werden müssten. „Im Übrigen hat die Sorabia 1991/92 nur das gemacht, was ihr von Anwälten und Notaren empfohlen wurde. Sie kamen aus den gleichen Bundesländern wie der Anwalt, der jetzt die Kläger vertritt! Und das sind 28 von 662 Landwirten“, erklärte Rehde und betont, dass ein angeblich festgestellter Gründungsfehler jetzt dazu führen könnte, dass nicht nur sein Unternehmen, sondern auch die gesamte ostdeutsche Landwirtschaft kaputt gemacht werde. Da von diesem Urteil des Bundesgerichtshofes auch andere LPG-Nachfolgeeinrichtungen in Ostdeutschland betroffen sind, spricht Rehde von einem flächendeckenden Crash. Die Rosenthaler AG wie auch andere Betroffene hätten erst nach Jahren vom so genannten Gründungsfehler erfahren. Der besage, so Rehde, dass die LPG als Zwangszusammenschluss gilt, deshalb ein allgemeines Umwandlungsrecht nicht anwendbar war und die LPG rückwirkend zum 1.1.1992 in die gesetzliche Liquidation gehen musste. Und dieses Urteil soll der Sorabia Agrar AG als seit zwölf Jahren bestehendes und funktionierendes Unternehmen nun das Genick brechen. „Wir haben mit den Landwirten gesprochen. Einige haben ihre Klage zurückgezogen, andere nicht“, bedauert er. Wenn nicht nur im Fall Sorabia Klagen anstehen, sondern in der gesamten ostdeutschen Landwirtschaft, wäre dann eine Gesamtklage nicht sinnvoller? „Eine Sammelklage war unser Wunsch und Gesetzesvorschlag 1996, um es den betroffenen Bauern leichter zu machen“, erklärte der Bautzner Rechtsanwalt Dr. Winfried Schachten, der die 28 Kläger gegen die Sorabia vertritt. Darum hätten er und der Verband der privaten Landwirte sich seinerzeit bemüht. „Doch der Landesbauernverband Sachsen und die sächsische Landesregierung mit Landwirtschaftsminister Jähnichen haben das verhindert, weil es schwerer für den Einzelnen ist, das durchzusetzen, und viele deswegen davon Abstand nehmen. Doch ich will, dass die Leute zu ihrem Vermögen kommen. Recht und Gesetz stehen auf ihrer Seite.

Die Sorabia wirtschaftet seit Jahren zinslos mit dem fremden Vermögen“, stellt er fest. „Wir fordern nur, was uns gehört.“ Das ist die Meinung der klagenden Landwirte. Die SZ sprach mit einigen. Namentlich genannt werden will keiner. Der eine rechnet mit einer kleinen, der andere mit einer großen Abfindungssumme. Mancher tritt dieserart das Erbe der Eltern oder eines Elternteils an, die in der LPG waren, andere betrifft es selbst. Fazit einerseits: Wir müssen auch sehen, wo wir bleiben. In Ralbitz sind demnächst Abwasserbeiträge zu zahlen, woher sollen wir es denn nehmen? Andererseits wissen sie auch: Die in der Sorabia arbeiten, sehen sich angegriffen. Das Miteinander in den Dörfern bleibt auf der Strecke. Und: Wir sind froh, wenn wir die Klagen durchgestanden haben. 108 Arbeitskräfte sollen bei der Sorabia Agrar AG Rosenthal auf dem Spiel stehen. Doch die äußern sich öffentlich nicht.

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