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Bäuerliche Landwirtschaft statt Agrarindustrie
Winterversammlung des Verbandes der privaten Landwirte und Grundeigentümer
Von Hellmut Mauersberger, Leipziger Volkszeitung

Pressemitteilung vom 08.03.2001


Mockrehna. Im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal des Gasthauses „Weintraube“ in Mockrehna trafen sich die Mitglieder des Regionalverbandes Nordsachsen des Verbandes der privaten Landwirte und Grundeigentümer Sachsen (VDL) zu ihrer Winterversammlung 2001. Die zur Zeit durch BSE-Krise und drohender Maul- und Klauenseuche schwer gebeutelten Landwirte aus den Landkreisen Delitzsch und Torgau-Oschatz diskutierten unter anderem die neue Weichenstellung in der Landwirtschaft. Und sie konnten dazu neben den VDL-Präsidenten Dieter Tanneberger als Dozenten auch den Rechtsanwalt Dr. Dr. Winfried Schachten und den Diplom-Landwirt Roland Einsiedel begrüßen, der aus Sicht der Sächsischen Interessengemeinschaft Ökologischer Landbau zum Thema „Ökologischer Landbau – heute gefragter denn je“ sprach.
Rund 2000 Mitglieder hat der VDL (bei rund 5500 Einzellandwirten im Freistaat). Und Dieter Tanneberger unterstrich, dass die Landwirte ohne eigene Schuld in die tiefste Krise gestürzt worden seien. Nachdem der Berufsstand von der Kohl-Regierung – der man ja politisch eigentlich weitaus näher gestanden habe als der rot-grünen Koalition - bitter enttäuscht worden sei, gelten die Schröder-Künast-Regierung nun sogar als „Hoffnungsträger“. Denn eine Neuordnung der Agrarpolitik sei unbedingt notwendig, gegen Agrarindustrie und Massentierhaltung. Nicht die industriemäßige landwirtschaftliche Produktion dürfe das Bild bestimmen, sondern die privatwirtschaftliche, ja, ökologische. Mit Blick auf BSE und Maul und Klauenseuche forderte Dieter Tanneberger jedenfalls auch Entschädigung und Hilfe seitens des Staates für die Betroffenen. Zur „Zwangskollektivierung als tausendfache Tragödie“ und ihren Folgen bis heute sprach Rechtsanwalt Winfried Schachten mit den Teilnehmern der VDL-Winterversammlung. Die LPG-Umwandlung vor zehn Jahren sei verfehlt gewesen und fehlgeschlagen. Zwar habe die Bundesregierung schon 1960 offiziell markig erklärt, der Zwangskollektivierung auf dem Territorium der damaligen DDR niemals zuzustimmen, doch habe nach der Wende kaum einer der Betroffenen sein Eigentum wiederbekommen. Winfried Schachten mahnte mehr Solidarität und gemeinsames Vorgehen der VDL-Mitglieder an, um zu seinem Recht zu kommen.
Die Bilanz der VDL-Arbeit in den zehn Jahren nach der Wende sei gut, unterstrich VDL-Präsident Dieter Tanneberger. Zwar seien nicht alle „Träume“ in Erfüllung gegangen aber man habe für die Interessen der privaten Landwirte und Grundeigentümer vieles erreicht. Man werde auch weiterhin engagiert die Zukunft gestalten. Der ungleiche Wettbewerb zwischen den Betriebsformen, die LPG-Altschulden, die nicht erlassen werden dürfen, das zu überprüfende Milchbörsenmodell, der ökologische Landbau und viele andere Themen stehen aktuell auf der Tagesordnung für den Verband der privaten Landwirte und Grundeigentümer.

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