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Born widerspricht Sonnleitner
Fatale Flächenkonkurrenz: Bauernverband verwirrt Energiewirte
Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e.V.
Pressemitteilung vom 01.03.2007


(München) - In der Financial Times Deutschland vom 22.2.2007 wurde unter der Überschrift: "Bioenergie verheizt Lebensmittel - Bauernverband verlangt niedrigere Förderung für Strom aus nachwachsenden Rohstoffen" der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes Dr. Born mit den Worten zitiert:

"Wenn Biomasse und Energie mehr bringen als die Lebensmittelproduktion, dann ist das für die Landwirtschaft nicht gut. Deshalb sollten wir aus der dauerhaften Subventionierung der Stromerzeugung aus Biomasse aussteigen."

Da im Artikel ebenfalls die Rede von einer Forderung zur Umstellung des EEG auf eine Anschubfinanzierung für Anlagen die Rede war, enthielt der Artikel eine Menge Sprengstoff für die dem Bauernverband ebenfalls angeschlossenen Energiewirte, zielt dies doch direkt auf deren Existenzgrundlage.

Noch auf der Grünen Woche 2007 im Januar 2007 hatte Bauernverbandspräsident Sonnleitner die Parole "Kornkraft statt Kernkraft" ausgegeben und damit den bei Bioenergie oftmals zaudernden Bauernlobbyisten deutlich den Weg in Richtung Zukunft gewiesen, um so verwunderlicher der Ausritt des Generalsekretärs in die andere Richtung.

Zankapfel Pachtprämien:
Für den wirtschaftlichen Betrieb in der Landwirtschaft ist der so genannte Grenzpachtpreis entscheidend. Das ist der Preis zu dem sich eine landwirtschaftliche Fläche anmieten lässt, um auf ihr für eine weitere Nutzung Pflanzen anzubauen. Diese Pachtverträge laufen zumeist über 3-5 Jahre und werden fast ausschließlich ortsnah unter lokalen Partnern abgeschlossen.

Biogasanlagen können derzeit Pachtpreise bis zu 1.000 Euro pro Hektar zahlen, um auf der Fläche Silomais für die Nutzung in Biogasanlagen anzubauen. Diese nachwachsenden Rohstoffe werden im EEG mit einem Zuschlag von 6 Cent behandelt und besitzen damit eine maximale EEG Vergütung. Tiermastbetriebe können auf Grund der niedrigen Fleischpreise jedoch nur Grenzpachtpreise zwischen 300 und 400 Euro pro Hektar aufbringen und geraten so bei der Flächenvergabe ins Hintertreffen.

Diese Entwicklung setzt sich derzeit wegen der 3-5 jährigen Vertragslaufzeiten langsam in Gang und wird sich in den nächsten Jahren noch deutlich beschleunigen. Dies birgt einerseits erhebliche Spannungen für den ländlichen Raum, andererseits bleiben mit steigenden Pachtpreisen aber auch größere Anteile an der landwirtschaftlichen Wertschöpfung in der Region.

Bioenergie + Ökolandbau drängen voran - wird die konventionelle Landwirtschaft marginalisiert?
Derzeit steigt die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln und die deutschen Bauern haben diesen Trend derart verschlafen, dass nur ein Import aus dem Ausland die heutige Nachfrage stillen kann. Angesichts der Grünen Woche wurde dieses Manko speziell dem Deutschen Bauernverband vorgehalten, der ja bekanntlich in der Vergangenheit nicht zu den Förderern der Biobranche zählte. Nun ist eine Ausweitung der Ökolandbaufläche von 830.000 auf 1.000.000 Hektar geplant.

Neben der ökologischen Erzeugung von Lebensmitteln drängt jedoch auch die Bioenergiebranche auf ihren Anteil der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche in Deutschland. Hierbei ist jedoch zu bedenken, dass nachwachsende Rohstoffe für Biogasanlagen auch auf den so genannten Stillegungsflächen angebaut werden dürfen und somit nicht in direkter Konkurrenz zu den aktiven landwirtschaftlichen Flächen stehen.

Der nervöse Vorstoß des Generalsekretärs ist in sofern bei der heutigen Lage nicht nachvollziehbar. Deutschland ist derzeit noch weit davon entfernt, alle Stillegungsflächen für Bioenergie zu nutzen.

Wohlstand im Ländlichen Raum kann doch kein Problem für den Bauernverband sein oder?
Bedenkt man den stellenweise verzweifelten Kampf des Bauernverbandes der letzten Jahrzehnte mit Agrarsubventionen und Regionalbeihilfen dem ländlichen Raum Deutschlands eine halbwegs tragfähige Perspektive zu verschaffen, mutet es doch schon sehr eigenartig an, wenn nun Kritik an ein Gesetz (dem EEG) aufflammt, das zwar gar nicht für den Zweck geschaffen wurde, aber mit einem Nebeneffekt (steigende Pachten und Erzeugerpreise) für eine finanzielle Besserstellung des ländlichen Raumes sorgt.

In der Europäischen Union werden knapp 75 Prozent des Haushaltes für den Agrarbereich (Subventionen) und die Förderung des ländlichen Raumes (Entwicklungszuschüsse) ausgegeben. Über 80 Mrd. Euro pro Jahr mit einem stellenweise minimalen Nutzen. Nun ist die Chance Bioenergie da und die gesamten Erzeugerpreise steigen, so dass Bauern endlich einen auskömmlichen Deckungsbeitrag für Ihre Produkte erhalten. Hiermit sind die Bauern in der Lage, ein hochwertiges und begehrtes Endprodukt zu erstellen und so vom abhängigen Rohstofflieferanten zum gutbezahlten Erzeuger zu werden.

Eine radikale Wende und Befreiung, deren finanziellen Nutzen schon viele Bauern erkannt haben und zu Energiewirten wurden. Andere Landwirte, die Dr. Franz Alt auf der Grünen Woche 2000 noch für seinen Spruch „Landwirte werden die Ölscheichs des 21sten Jahrhunderts sein“ belächelt hatten, zögern zwar noch immer, trotzdem kann jeder immer noch auf den Zug der Zeit setzen.

Spekulanten verschlafen Bioboom
Fest steht auf jedem Falle: Durch das EEG fließt endlich Geld in den ländlichen Raum und verbleibt hier mit qualifizierten Arbeitsplätzen. Die Flächen sind ebenfalls noch weitestgehend in Bauernhand. Hier haben erstmals die Landwirte gegenüber Immobilienfonds und Großinvestoren die Nase vorn. Diese Spekulanten haben bisher den Bioboom verschlafen und sich noch nicht der Ackerschollen bemächtigt. Eigentlich beruhigend, doch müssen nun alle auch bei steigenden Preisen die Nerven behalten.

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