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Kontrolle des staatlichen Alkohol- und Wodkamonopols
Der russische Staat ist weiter bemüht, die wichtigsten Geldbringer im Land unter Kontrolle zu bringen. Neben Plänen zur Gründung einer Superölgesellschaft trägt sich die Regierung in Moskau mit der Idee eines neuen Alkoholmonopols. Dieses soll zwar nur den Umsatz von reinem Alkohol betreffen, nach Expertenmeinung wären aber auch höhere Wodka-Preise die Folge.
Von Dietrich Ellies
Pressemitteilung vom 02.03.2006


Seit dem 1. Januar gilt nun das von Präsident Wladimir Putin befürwortete Gesetz "Über die staatliche Regulierung der Herstellung und des Umsatzes von Ethylalkohol, Alkohol und alkoholhaltiger Produktion". Es sieht eine größere Kontrolle des Wodkamarktes vor und bereitet die Einführung des staatlichen Alkohol- und Wodkamonopols vor. So sollen neue, fälschungssichere Steuermarken auf die Flaschen geklebt werden. Daten aus den Destillen und aus allen Geschäften, von Kiosken bis zu Supermärkten, sollen in einem Zentralcomputer des Inlandsgeheimdienstes FSB zusammenlaufen. Der Staat kann so die Branche besser kontrollieren und gepantschten Alkohol, an dem Jahr für Jahr 55.000 Menschen sterben, vom Markt drängen. Eine Stadt mit 55.000 Einwohnern verliert Rußland statistisch jedes Jahr durch den Konsum gepanschten und schwarz gebrannten Alkohols. Hinzu kommt noch die dreifach größere Anzahl an "normalen" Alkohol-Toten, besonders die Frost-Toten im Winterhalbjahr.

Die Wodkasteuern machen 3,5 Prozent der Staatseinnahmen aus
Nun soll der Kampf gegen die Trunksucht mit ähnlicher Konsequenz geführt werden wie in Europa und in den USA mit drastischen Rauchverboten in Büros, Kneipen und Restaurants.
Erst Ende Februar lieferte das Finanzministerium die ersten Steuermarken aus. Ohne sie darf keine Flasche abgefüllt werden. Duma-Sprecher Boris Gryslow sprach von "Sabotage". Das Computersystem, das bereits Anfang Juli landesweit den Wodkamarkt kontrollieren soll, hat es bislang nicht über die Blaupause hinaus geschafft. Kein Experte rechnet ernsthaft damit, daß es in einem Flächenstaat wie Rußland funktionieren wird. Die Verluste für die Volkswirtschaft sind durch das hausgemachte Chaos enorm. 13,7 Mio. Euro kostet den Fiskus jeder Tag ohne Wodka. Der Staat kassiert von jeder Halbliterflasche Steuern in Höhe von 30 Rubel (88 Cent). Die Wodkasteuern machen 3,5 Prozent der Staatseinnahmen aus.

Die amerikanische Alkoholprohibition ist ebenfalls gescheitert
Von 1919 bis 1933 waren die Herstellung und der Verkauf alkoholischer Getränke in den USA verboten. Anstatt den Alkoholmißbrauch auszurotten, führte das "edle Experiment", wie es seine Befürworter nannten, zu chaotischen Zuständen mit einem von Kriminellen beherrschten Schwarzmarkt. Die Prohibition hinderte niemanden am Trinken. Sie ersetzte lediglich gutes Bier und guten Wein durch schlechten Schnaps. Es kam zu Erblindungen und tödlichen Vergiftungen durch methanolhaltigen Industriealkohol und Fuselakohol aus Schwarzbrennereien ohne Qualitätskontrollen. Während der Prohibition gab es keinen Verbraucherschutz.
Nachdem im ersten Prohibitionsjahr legale Kneipen den Verkauf eingestellt hatten, wurde illegaler Handel bald so profitabel, dass in den nächsten Jahren immer mehr illegale Kneipen aus dem Boden schossen, oft in Stadtteilen, in denen es vorher keine Kneipen gegeben hatte.
Ihre Belieferung wurde vorwiegend von gewalttätigen Gangsterbanden kontrolliert.

Nach der Aufhebung der Prohibition fiel die amerikanische Mordrate 12 Jahre lang
Der bekannteste dieser Gangster war Al Capone. Erst mit der Alkoholprohibition wurde die sizilianische Mafia zur beherrschenden Macht in der amerikanischen Unterwelt. Bestechung und Einschüchterung von Politikern, Polizisten und gerichtlichen Zeugen wurde zur Routine. Banden lieferten sich am helllichten Tage Schiessereien um Absatzmärkte. Es war vor allem die eskalierende Gewalt die immer mehr Bürger gegen das Prohibitionsgesetz aufbrachte. 1931 studierte eine staatliche Kommission das gesamte Problem und kam zu einem vernichtenden Ergebnis. Nachdem sich trotzdem nur wenige Politiker für eine Abschaffung des Verbotes einsetzten, organisierte eine Gruppe von Rechtsanwälten eine Kampagne zur Aufhebung des Verfassungszusatzes mit dem Alkohol verboten worden war. Im Dezember 1933 wurde die Aufhebung Gesetz und Alkohol wieder legal. Nach der Aufhebung des Gesetzes, das zum Alkoholschwarzmarkt geführt hatte, fiel die amerikanische Mordrate Jahr für Jahr, 12 Jahre lang in der Folge.

Jelzins Wodka und der „Mineralwassersekretär“ Gorbatschow
Alexander Korschakow" war elf Jahre Chefleibwächter Jelzins. Er enthüllte in einem Buch, daß sein Boß sich regelmäßig im Kreml betrinke und er ihm sogar Wodka habe verdünnen müssen, damit Jelzin nicht stürbe. Viele Russen liebten daher ihren Boris und haßten dessen Vorgänger, den wegen seiner Anti-Alkohol-Kampagne als "Mineralwassersekretär" betitelten Michail Gorbatschow. Der hatte seinerzeit unter dem Hohn zu leiden: "Bald nimmt er sich auch noch der Salzgurken (bei Russen zum Essen, zum Wodka besonders beliebt) an", spottete der "Kommersant".

Wodka wird in Rußland tatsächlich oft als Hauptspeise behandelt
Rußlands Eßkultur ist eigentlich eine Trinkkultur. So wie die Italiener keinen Tag ohne Nudeln aushalten, Franzosen die Frösche lieben und Deutsche Sauerkraut und Saumagen, ist das einzige Gericht, das dem weitverbreiteten Klischee über die Russen und deren nationaler Küche entspricht, der Wodka. Er wird in Rußland tatsächlich oft als Hauptspeise behandelt. Aus den alten Chroniken des elften Jahrhunderts geht bereits hervor, daß der Bau vieler Städte in Rußland mit einer Schnapsbrennerei begann, um für die richtige Stimmung bei den Ansiedlern zu sorgen. Der selbstgebrannte Schnaps hieß zu jener Zeit noch nicht Wodka, sondern Brotwein, Kochwein oder einfach nur Wein. Doch dieser Wein hatte schon damals einen großen Einfluß auf die Bevölkerung und die Entwicklung der russischen nationalen Küche. Zu Zeiten der Tatarenherrschaft kamen sehr viele Tataren und Mongolen nach Rußland. Sie aßen Pferdefleisch, gegrillte Hamster und tranken Tee. Dank dieser einfachen, aber kalorienreichen Ernährung konnten die Horden des
Dschingis Khan im dreizehnten Jahrhundert in kürzester Zeit große Territorien unter ihre Kontrolle bringen.

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