• Kontakt
    Fon 0 37360 63 44
    Fax 0 37360 63 66
  • Anschrift:
    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
    Dresdner Straße 46
    09526 Dittmansdorf
zurück

Schuldenfalle schnappt öfter zu
Mehr als drei Millionen Haushalte können ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen
Pressemitteilung vom 02.03.2006


Die Zahl der hochverschuldeten Menschen in Deutschland hat Rekordniveau erreicht. Derzeit ist dem Schuldenreport 2006 zufolge jeder zwölfte Haushalt in Deutschland nicht fähig, seine Verpflichtungen zu bezahlen. Demnach hat sich die Zahl der überschuldeten Haushalte in den vergangenen 13 Jahren auf 3,1 Millionen mehr als verdoppelt. Zudem seien mehr als eine halbe Millionen Haushalte akut von der Überschuldung bedroht, klagten Wohlfahrts- und Verbraucherverbände vorige Woche in Berlin. Gravierende Unterschiede tun sich zwischen Ost und West auf.

Während im Osten elf Prozent der Haushalte als zahlungsunfähig gelten, sind es im Westen sieben Prozent. Seit dem letzten Report 1999 ist die Überschuldung in den alten Bundesländern aber fast doppelt so schnell wie in den neuen gestiegen. Dabei liegt die Schuldenhöhe im Westen zwischen 10 000 und 50 0000 Euro, im Osten zwischen 2500 und 10 000 Euro. Grund sei, daß die Westdeutschen davon ausgegangen waren, ihren Job nicht zu verlieren und so hohe Zahlungsverpflichtungen eingegangen sind. Während in den alten Ländern besonders viele 40- bis 49-Jährige, Familien und Erwerbstätige überschuldet sind, trifft dies im Osten vor allem auf Singles und Alleinerziehende zwischen 30 und 39 Jahren zu.

Verantwortlich für die Überschuldung seien Arbeitslosigkeit, Trennung vom Partner, gescheiterte Selbständigkeit und aggressive Werbung für Kredite. Banken würden mit "unseriösen" Kreditzinsen werben, kritisierte Müller. Außerdem gerieten gerade junge Menschen zunehmend in die "Kostenfalle Handy". "Das Risiko der Überschuldung ist mehr denn je zum Risiko für breite Bevölkerungsschichten geworden", warnten Caritas, Diakonie, Verbraucherzentrale und das Deutsche Rote Kreuz. Es gelinge nur einem Bruchteil der Haushalte, die Schuldenlast abzubauen: Nicht einmal jeder zehnte habe bisher einen Antrag auf Privatinsolvenz gestellt, sagte Edda Müller, Chefin der Verbraucherzentrale Bundesverband. Nur ein Viertel hätte Zugang zur dazu vorgeschriebenen Schuldenberatung.

Müller bemängelte, das seit sieben Jahren geltende Insolvenzverfahren zur Befreiung von Restschulden sei gerade für die "Ärmsten der Armen" zu bürokratisch. "Die Entschuldung hat leider nicht so funktioniert, wie sich das der Gesetzgeber vorgestellt hat." Da überdies lange Wartelisten für die obligatorische Schuldnerberatung bestünden, landeten viele bei unseriösen Beratern und rutschten finanziell noch weiter ab. Für ganz Mittellose müsse die Entschuldung schneller möglich werden als erst nach sechs Jahren, forderte Müller. Die Verbände forderten, eine "Task Force" aus Politik, Wirtschaft, Verbänden und Wissenschaft einzurichten. "Frau Merkel sollte das zur Chefsache machen", sagte Müller. Um Überschuldete nicht vom Leben auszuschließen, müßten sie ein Recht auf ein Girokonto - allerdings ohne Überzugsrahmen - erhalten. Junge Menschen sollten in der Schule lernen, richtig mit Geld umzugehen.

"Überschuldung ist bekämpfbar", sagte Mario Junglas vom Deutschen Caritasverband. Dazu dürfte den rund 1100 Schuldenberatungsstellen in Deutschland aber nicht der Geldhahn zugedreht werden. Einige Länder wie Hessen hätten sich daraus zurückgezogen. Doch jeder Euro für die Beratung spare zwei Euro an späteren Sozialausgaben. Quelle: dpa/AFP

zurück