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Bauern-Kinder sind gesünder
Pressemitteilung vom 02.03.2006


Durch Impfung mit „Stallstaub-Extrakt“ bekommen sie seltener Allergien. Offenbar schützt sie der frühe Kontakt mit Nutztieren. In DDR-Kinderhorten aufgezogene Kinder leiden selten an Allergien.

Eine neue Untersuchung stützt die schon seit einiger Zeit diskutierte These, dass eine übertriebene Sauberkeitserziehung die Entwicklung von Allergien fördert. Bereits die Erkenntnis, dass die in DDR-Kinderhorten aufgezogenen Kinder selten an Allergien litten, gab vielen Grundlagenforschern zu denken - ebenso die Tatsache, dass Allergien in den Ländern der dritten Welt eher selten beobachtet werden.

Jetzt macht eine im renommierten Fachblatt The Lancet publizierte Studie klar, dass Kinder, die schon in den ersten Lebensjahren regelmäßig von ihren Eltern in einen Kuh- oder Schweinestall mitgenommen werden, selten an Asthma, Heuschnupfen und Atopien erkranken. Offenbar wirkt es sich auch positiv aus, wenn diese Kinder frische Kuhmilch zu trinken bekommen. Diese Bauern-Kinder sind weit weniger für Allergien anfällig als Kinder, die erst später oder gar nicht mit den Tieren in Berührung kommen.

Hinweise darauf, dass ein frühes Training des sich entwickelnden Immunsystems für die spätere Gesundheit wichtig sind, hat es wie bereits gesagt schon früher gegeben. Nun hat eine große in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführte Untersuchung diesen Verdacht bestätigt. Die Arbeitsgruppe um Dr. Josef Riedler, Kinder-Hospital Salzburg, hat in der Studie 3.500 Kinder aus ländlichen Gebieten untersucht, Kinder von Landwirten und von Eltern, die andere Berufe hatten.

Die Eltern wurden gefragt, ob ihre Kinder überhaupt Kontakt zu Stalltieren hatten, in welchem Alter erstmals und wie lange. Dann wurde geprüft, ob die mittlerweile sechs bis dreizehn Jahre alten Kinder in der Zwischenzeit Asthma, Heuschnupfen oder Neurodermitis hatten. An Asthma war nur ein Prozent der Kinder erkrankt, die bereits im ersten Lebensjahr in den Stall mitgenommen wurden. Bei der Kontrollgruppe waren es hingegen zwölf Prozent. Ähnlich eindeutig waren die Ergebnisse beim Heuschnupfen mit drei im Vergleich zu 13 Prozent und bei Neurodermitis mit 12 Prozent im Vergleich zu 29 Prozent. Einen Erfolg versprechenden Ansatz, Allergien zu verhindern, haben auch Münchner Forscher gefunden. Sie entwickeln eine Impfung gegen Allergien. Auch wenn in Deutschland noch der Winter regiert: Im Rhein-Main-Gebiet und in Thüringen fliegen schon die Pollen von Hasel und Erle. Die Heuschnupfensaison hat bereits begonnen.

„Ein Viertel der Deutschen leidet unter allergischem Asthma, unter Heuschnupfen, Neurodermitis oder anderen Allergien“, so Johannes Ring, Chef der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, TU München. Dabei nehmen Allergien noch zu. Die Ursachen für die steigende Zahl der Pollenallergiker liegen vor allem im Klimawandel und der fortschreitenden Schadstoffbelastung der Luft. Luftschadstoffe interagieren mit Pollen und verändern sie derart, dass sie die dreifache Menge an Allergenen freisetzen. Zusätzlich bilden sie dadurch auch entzündungsfördernde Stoffe, die so genannten pollenassoziierten Lipidmediatoren (PALMS). Sie feuern den Entzündungsprozess, der für Allergien typisch ist, erst richtig an.

Impfung mit „Stallstaub-Extrakt“
Eine neue Vorbeugemöglichkeit entwickelte die deutsche Wissenschaftlerin Erika von Mutius von der Haunerschen Kinderklinik der LMU München. Sie orientiert sich an einer Bevölkerungsgruppe, die bis heute die facettenreiche Krankheit Allergie kaum zu kennen scheint: Bauernkinder, die sich bereits als Baby viel in Stall und Scheune aufhalten. Erika von Mutius führte eine Studie durch, in der zwei Gruppen von Kindern aus dem ländlichen Bereich untersucht wurden, wobei die erste sich viel im Stall aufhielt und die andere gar nicht. Es zeigte sich, dass für die „Stall-Kinder“ das Asthma- und Heuschnupfenrisiko nur ein bis fünf Prozent betrug, das für die anderen jedoch bis zu 15 Prozent hoch war. Es muss also etwas in der Luft dieser Gebäude sein, das vor Allergien schützen kann. Asthma-Expertin Erika von Mutius: „Basierend auf dieser Erkenntnis haben wir Staub aus Ställen und Scheunen gesammelt, daraus Extrakte gewonnen und damit im Labor die Luft von Mäusen angereichert.“ Diese Versuchsreihe führten Wissenschaftler der Ruhr-Uni Bochum und des Forschungszentrums Borstel durch. Das Ergebnis: Die mit Kochsalzauszug vernebelten Stallextrakte verhinderten die Entstehung von allergischem Asthma. Die Forscher wollen im nächsten Schritt die speziell wirksamen Substanzen im Stallextrakt, der sich unter anderem aus Bakteriengiften und Pilzen zusammensetzt, identifizieren und daraus einen Impfstoff für Kinder herstellen. Neben der Entwicklung von hypoallergenen Pflanzen (Holland) und Tieren (USA) wäre das ein besonders sinnvoller Ansatz zur Prävention von Allergien. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass – je nach finanzieller Situation – die „Anti-Allergie-Impfung“ schon in zwei Jahren Realität werden könnte.

Quelle: http://www.allergietherapie.de/ Kinder-Hospital Salzburg

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