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    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
    Dresdner Straße 46
    09526 Dittmansdorf
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Vor 45 Jahre Höhepunkt der SED-Zwangskollektivierung
„Sozialistischer Frühling“ zerstörte bäuerliche Betriebe
Pressemitteilung vom 03.03.2005


Dieter Tanneberger, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Landwirte (VDL) und des Verbandes der privaten Landwirte und Grundeigentümer Sachsen hat dieser Tage an die Zwangskollektivierung der freien Bauern in der DDR vor 45 Jahren erinnert.
Er erinnerte an die Erklärung des Deutschen Bundestages vom April 1960, dass es der Westen „niemals hinnehmen werde, was in diesen Wochen den freien Bauern in der SBZ angetan wird.“ Davon sei 1990 dann keine Rede mehr gewesen. Die ostdeutschen Privatbauern fühlten bis in die heutigen Tage Bitterkeit über die mangelhafte Aufarbeitung der Zwangskollektivierung.

Unter der heuchlerischen Parole vom „Sozialistischen Frühling“ zerschlug im April des Jahres 1960 die SED mit Unterstützung der Blockparteien CDU, DBD, NDPD und LDPD, sowie von FDJ- und VdgB-Funktionären, Bürgermeistern, Abschnittsbevollmächtigten der Volkspolizei (ABV), Stasi-Kommandos und SED-Trupps aus „Volkseigenen Betrieben“ in terroristischer Weise die selbständigen Privatbauernhöfe in Ostdeutschland. Unter der Losung „Vom Ich zum Wir“ kollektivierte die „Partei der Arbeiterklasse“ und ihre Handlanger nach stalinistischem Beispiel den in Jahrhunderten gewachsenen freien Bauernstand von Rügen bis ins Erzgebirge, von der Oder/Neiße bis zum Thüringer Wald. „Getreu dem Kampfauftrag der 2. Parteikonferenz der SED 1952“, nur kurzzeitig gestoppt durch den 17. Juni 1953, die Arbeiterunruhen in Polen und den Ungarnaufstand 1956, rollten im Frühjahr 1960 sogenannte „Arbeiterkommandos“ in die Dörfer Ostdeutschlands. Vorausgegangen war dem ein System der Diskriminierung und des wirtschaftlichen Drucks auf die sogenannte „Großbauernschaft“. Das waren Betriebe über 20 Hektar, deren Familien mit unerfüllbaren Ablieferungspflichten überzogen wurden, zu „Selbstversorgern“ deklariert, keine Fleisch- und Zuckermarken erhielten, mit Hausschlacht- und Butterei-Verboten belegt und durch Spitzel und Zuträger (jedes Dorf hatte seinen eigenen „Bauernschreck“) überwacht, angezeigt und wegen „Wirtschaftssabotage“ vielfach verhaftet, verurteilt und eingesperrt wurden. Viele Bauern flüchteten im Frühjahr 1960 mit ihren Familien über Nacht von Haus und Hof über das noch offene Berlin in den freien Westen. Andere, die die Heimat nicht verlassen wollten oder wegen ihrer greisen Eltern oder der Kleinkinder nicht konnten, bekamen Zwangspächter auf den Hof, wurden innerhalb von Stunden oft 50 km weit weg auf Viehwagen verladen und „des Kreises verwiesen“. Von vielen Selbsttötungen aus Verzweiflung wurde berichtet. Die verlassenen Höfe wurden enteignet und in „Örtliche Landwirtschaftsbetriebe“ verstaatlicht.

Die Agrarproduktion in den seit 1952 so entstandenen LPGen der Typen I, II und III sank trotz großzügiger staatlicher Beihilfen in Form von Düngemitteln und Saatgut und den Aufbau von Maschinenausleihstationen (MAS, später MTS) dramatisch. Klassenfeinde, Agenten und Spione wurden dafür verantwortlich gemacht und Schauprozesse inszeniert. Erinnert sei an das Kartoffelkäfer-Syndrom. Der Klassenfeind aus dem Westen habe Kartoffelkäfer über die DDR abgeworfen. Ganze Schulklassen mußten in den Sommermonaten auf LPG-Feldern nach den Schädlingen und ihren Larven suchen. Ernst Wollweber und Kurt Viehweg, die den Irrtum der Landwirtschaftspolitik des Zentralkomitees der SED erkannt hatten, wurden als parteifeindliche Gruppe „entlarvt“, aus der SED ausgestoßen und verhaftet. Dagegen blühten Ende der 50iger Jahre die Höfe der noch privaten Klein- und Mittelbauern wirtschaftlich auf. Dies erschien den SED-Gewaltigen als Bedrohung; als „Hort des Klassenfeindes“, getreu der These Lenins: „Die kleine private Warenproduktion schafft jeden Tag Kapitalismus.

Die verqueckten und verdistelten LPG-Felder wurden dagegen zum abschreckenden Beispiel. Der nach dem Statut „freiwillige“ LPG-Beitritt wurde nun mit drastischen Maßnahmen der SED und des DDR-Staates noch bis in die 70iger Jahre hinein erzwungen.

Runter mit Pferden und Maschine!
Nach einem Tatsachenbericht der Familie M.-K. über die Zwangskollektivierung im Jahr 1968 im Kreis Hohenstein-Ernstthal

Es ereignete sich am Montag, den 25.März 1968. Werner fährt früh 7.00 Uhr mit seinem Traktor auf das Feld, um es für Hafer saatfertig zu machen. Mit Beckmann Pauls Pferden und unserer Sämaschine wird dann gesät. Als wir einen Teil der Flächen bestellt haben, passiert es. Die LPG kommt mit ihrer Technik und will auf unseren Flächen säen. Sie gehen auf uns los: Uhlmann Erhard (stellvertretender Vorsitzender der LPG „Philipp Müller), Sickert Erhard (Parteisekretär), Dumdei, der Abschnittsbevollmächtigte Volkspolizist (ABV); Leipziger vom Landwirtschaftsrat sowie dessen Chauffeur Eberhard Schmid und Polizeihelfer Reinhold.

Dann fahren wir euch eben übern Haufen
Zwei Mann stellen sich vor unsere Pferde, zwei Mann vor die Räder der Sämaschine, zwei Mann an die Lenkung. Kurze Zeit darauf befährt ein Traktor der LPG „Philipp Müller“ mit Sämaschine unser Feld. Der Fahrer war Oeser; Heinz und Köhler saßen auf der Sämaschine. Sie hatten „Staats-Befehl“ auf unserem Feld zu säen. Sie wagten sich auf unser in Arbeit befindliches Saatfeld, wobei die große LPG selbst noch keinen Hektar Saat im Boden hatte. Als der LPG-Traktor am Pferdegespann ist, rufen die 6 Männer uns zu: „Runter mit Pferden und Maschine!“ Wir sagen: „Wir gehen nicht!“ „Dann fahren wir euch eben übern Haufen! Ich bin Polizeihelfer, runter mit euch!“ , ruft einer. Sie hätten Befehl vom Major der VP: „Das Feld muß sofort geräumt werden!“
So mußte unser Gespann vom Feld. Nun sind wir, Werner, Helga und Bernd (damals 6 Jahre alt) zwischen Traktor und Sämaschine der LPG „Philipp Müller“ getreten, damit sie nicht weiter auf unserem Feld säen konnten. Wir riefen: „Wenn ihr unser Gespann nicht säen laßt, dann lassen wir eure Maschine auch nicht säen auf unserem Grund und Boden.“ Nun haute der Parteisekretär ab, kam aber nach kurzer Zeit mit Polizei und LPG-Verstärkung wieder. Nun ging es erst richtig los: „Verlassen Sie jetzt freiwillig dieses Feld!“ Werner rief: „Nein, ich verlasse dieses Feld nicht!. „Ich verlasse das Feld nicht!“. „Na gut“, sagte der Polizist Dumdei, „Sie verlassen das Feld nicht freiwillig, dann müssen wir Sie abführen und verhaften. Machen Sie doch nicht so ein Aufsehen in der Stadt.“.
"Freiwillig bekommt ihr mich nicht von meinem Grund und Boden herunter“, sagte Werner. Nun fuhren sie wieder weg nach Hohenstein-Ernstthal, außer der LPG-Vertreter. Der blieb bei den Pferden stehen. Wir warteten und warteten.

„Wie in Polen!“
Es war bereits 16 Uhr, da kamen sie wieder an: Von der Betriebsparteiorganisation (BPO) Uhlmann und der Parteisekretär, sowie Garbe vom Landwirtschaftsrat, dazu Träber Reinhold. Von der Kriminalpolizei Berger und dessen Fahrer Eberhard Schmid. Nun ging es wieder los. Die Kriminalpolizei hat uns als „dumme Bauern“ hingestellt. Die anderen sagten, wir leisteten passiven Widerstand. Der Leipziger sagte, wir benähmen uns wie in Polen.

„Raus mit der Frau!“
Wir hatten unseren 6-Jährigen Sohn Bernd mit bei uns und standen zwischen den LPG-Maschinen. Sie riefen: „Tun Sie das Kind raus! Wenn der Traktor losfährt, dann wird das Kind eben überfahren!“. „Er soll nur los fahren. Was wollen wir noch hier, wenn man uns das Feld wegnimmt, dann haben wir ja alles verloren. Dann brauchen wir auch nicht mehr zu leben.“ Bis dann Träber anfing und rief: „Raus mit der Frau!“ Er packte mich wie ein Unmensch und zerrte mich raus. Ich kam mir vor wie „Nackt unter Wölfen“. Ich rief: „Was fällt Ihnen ein, sich an einer Frau zu vergreifen.“ Er solle sich schämen. Er hat mich so gezerrt, daß ich mich am nächsten Tag in ärztliche Behandlung begeben mußte. Der Arzt, Dr. Richter von der Poliklinik Hohenstein-Ernstthal, stellte eine starke Zerrung fest. Ich kann den Arm heute noch nicht richtig hoch heben und habe oft starke Schmerzen in der Schulter. Nun wurde wieder Ruhe. Sie hatten es nur mit mir versucht.

Sie kamen auf uns wie Wölfe und zerrten Werner vom Feld
Dann kam noch Leipziger und der Chauffeur und dann ging es wieder los. „Wollen Sie freiwillig gehen?“ „Nein, wir gehen nicht freiwillig“, sagte Werner. „Dann müssen wir Sie eben mit Gewalt vertreiben!“ Die Menge versammelte sich zur Beratung. Dann kamen sie auf uns zu und riefen: „Gehen sie jetzt!“ Wir sagten wiederum Nein. Sie riefen: „Los gehts!“ und kamen auf uns wie Wölfe und zerrten Werner vom Feld. Werner schrie: „Ich gehe nicht von meinem Feld!“ Ich mußte sehen, wie ich mit meinem Sohn Bernd unter dem Getümmel der Männern heraus kam. Sie nahmen keine Rücksicht, weder auf Frau noch Kind. Am liebsten hätten sie uns ertrampelt. Dann riefen Sie: „Halt! Polizei!“, zerrten uns in ihr Auto und nahmen uns mit nach Hohenstein-Ernstthal und sagten: „Nun, sehen Sie nicht ein, daß das richtig war, wie wir mit Ihnen gehandelt haben?“.

So ist es uns, Werner, Helga und Bernd am 25.03.1968 ergangen.

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