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    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
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LPG-Nachfolger fühlen sich von Fischler bedroht
FAZ-Bericht aus Leipzig löst Kritik bei privaten Landwirten aus
Pressemitteilung vom 01.03.2001


Die geplante Vorgabe der Europäischen Union, je Bauernhof die Ausgleichszahlungen auf 90 männliche Rinder zu beschränken, um die Fleischproduktion insgesamt zu senken, sind in Ostdeutschland auf unterschiedliche Reaktionen gestoßen:

1. Heftige Kritik bei den Landesagrarministern, die die ungesunde Ostagrarstruktur nach Ansicht von Dieter Tanneberger, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Landwirte (VDL), politisch zu verantworten haben.
2. Unruhe bei den 3000 LPG-Nachfolgegesellschaften und 300 Großpächtern aus dem Westen, die ihre bisherigen Ausgleichszahlungen in Gefahr sehen.
3. Hoffnungsvolle Erwartung bei den Verbänden der privaten Landwirte und der großen Mehrzahl der bäuerlichen Familienbetriebe.

Agrar-Multis in Nöten
Nach Angaben aus Agrar-Ministerien der neuen Länder fallen fast zwei Drittel aller sogenannten Prämientiere im Osten künftig aus den Ausgleichszahlungen heraus. Auch würden faktisch alle „ökologisch“ arbeitenden Großbetriebe in den neuen Ländern in Frage gestellt. Davon besonders betroffen wäre Mecklenburg-Vorpommern. Hier gelten die mit Tausenden von Hektar ausgestatteten LPG-Nachfolger als die neuen ost-elbischen Junker, vormals rote DDR-Barone mit „ökologischen Anbau- und Tierhaltungsweisen“. In Sachsen-Anhalt wären das beispielsweise 13.000 männliche Rinder, in Sachsen 15.000 und in Mecklenburg-Vorpommern 25.000 betroffen, denen die öffentliche Hand keine Ausgleichszahlungen mehr gewähren müsste.

Das gräfliche Alibi
„Viele Tiere bedeutet noch lange keine Massentierhaltung“, sagt der mecklenburgische Landwirt Heinrich Graf Bassewitz. Musste sich Korrespondent Finsterbusch der renommierten Frankfurter Allgemeinen Zeitung ausgerechnet einen Grafen als Entlastungszeugen gegen Agrarfabriken, Massentierhaltung und industrieller Landwirtschaft aussuchen? (FAZ vom 19.2.2001). Sind die Gülleställe der Osterhubers (23.000 Bullen in „Ferdinandshof“), der Rodo Schneiders (20.000 Mastrinder in Hohenwangelin), die weidefreien 4.000er Milchviehanlagen in Dedelow, die 6.000 Kühe der Berliner Stadtgüter, die 4000 Kühe der niederländischen Familie Koopman etwa tiergerecht, ökologisch und förderfähig?
Der Graf Bassewitz hat im mecklenburgischen Dalwitz seit Anfang der neunziger Jahre einen Hof mit nunmehr 1100 Rindern und 900 Hektar Grünland aufgebaut. Muss er sich dann heute noch um Enteignungen durch die Bodenreform scheren? Mit 900 Hektar und 1100 Rinder fließt doch jährlich eine glatte Million Steuergelder in des Grafens Kasse. Da lässt sich doch gut wirtschaften und Solidarität üben mit jenen, die die „Grafens und Junkers“ 45/49 enteignet haben. Wiedereinrichter.....?

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