• Anschrift:
    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
    Dresdner Straße 46
    09526 Dittmansdorf
zurück

Aus dem Kanzleramtspapier
Pressemitteilung vom 01.03.2001


Segment 1 „gewerbliche Landwirtschaft“

Die gewerbliche Landwirtschaft ist tendenziell durch intensive Produktionsweisen (hohe Intensität, enge Fruchtfolgen, geringe Flächenbindung) gekennzeichnet. Sie kann weiter existieren. Es bleibt allen Betriebsinhabern freigestellt, wie sie sich im Rahmen der bestehenden Gesetze nach den Kriterien der betriebswirtschaftlichen Optimierung weiter entwickeln wollen. Anders jedoch als bisher wird die Bevorteilung dieser Betriebe bei der staatlichen Förderung, der Beratung und der Forschung ab-gebaut.(!) Auch eine „gewerbliche Landwirtschaft“ hat sich an gesetzliche Bestim-mungen zu halten. Hierzu gehören u.a. die pflanzenschutzrechtlichen Regelungen, die Tierschutz- und Fütterungsauflagen, die „Regeln der guten fachlichen Praxis“. Die Einhaltung von gesetzlichen Auflagen ist aber noch keine gesellschaftlich zu honorie-rende Leistung. Die Bundesregierung wird die Überführung möglichst vieler „gewerb-licher“ Landwirtschaftsbetriebe in das Segment 2 „multifunktionale Landwirtschaft“ und 3 „ökologischen Landbau“ unterstützen. Dieses könnte dadurch geschehen, dass der Abbau der bestehenden Regelungen zeitlich gestreckt, eine „Umstellungs-beratung“ angeboten und bei möglicherweise notwendig werdenden Anpassungsin-vestitionen geholfen wird. Man gibt damit zu verstehen, dass man nicht möchte, dass diese Betriebe, deren Entwicklung die Agrarpolitik bislang prioritär verfolgte, nun zu Verlierern einer überholten Denkweise der Agrarpolitik und –beratung werden. Die Betriebe sollen sich einer veränderten Situation anpassen können, dies ist eine wich-tige Botschaft des Konzepts.“

Segment 2: „multifunktionale Landwirtschaft“

„Die Landwirte des Segments 2 schließen – de facto oder dem Gedanken nach – einen Vertrag mit der Gesellschaft über ein abgestuftes Paket von Leistungen ab, die sie für die Gesellschaft erbringen und die von dieser honoriert werden. Während es bisher betriebswirtschaftlich meist lohnend war, die „Multifunktionalität“ zugunsten einer einseitigen betrieblichen Entwicklung einzuschränken, tritt nun eine Umkehrung ein: Neben der klassischen Agrarproduktion wird nun die Erhaltung und Entwicklung einer vielfältigen Landwirtschaft und die Produktion von Qualität zum Förderprinzip erklärt. In einer multifunktionalen Landwirtschaft zu wirtschaften wird so zum (be-trieblichen) Standortvorteil. Betriebe, die zumindest ein Paket mit Minimalkriterien umsetzen, gehören zum Segment 2 „multifunktionale Landwirtschaft“. Die, die es nicht tun, zum Segment 1 „gewerbliche Landwirtschaft“. Zu den noch genauer zu entwickelnden Minimalkriterien müsste beispielsweise gehören:
Die Tierhaltung ist an die Fläche gebunden, es sind maximal 2 GVE pro ha erlaubt. Landwirtschaftselemente und –strukturen wie Hecken, Raine, Feldholzinseln, Bach-läufe, Trockenmauern etc. machen einen bestimmten Mindestanteil (beispielsweise 5%) an der bewirtschafteten Nutzfläche aus. Es wird eine Mindestfruchtfolge vorgeschrieben: Keine der angebauten Früchte darf mehr als 25-30% (zu diskutieren) an der Anbaufläche ausmachen. Die Landschaft wird offen gehalten, es findet eine Mindestbewirtschaftung statt. Die Schlaggröße wird begrenzt. Alle Betriebe, die die definierten Minimalkriterien der multifunktionalen Landwirtschaft einhalten, erhalten für alle Flächen eine Flächenprämie, und zwar un-abhängig von der angebauten Kultur. Wir nennen sie die „Basisprämie Multifunktionalität“. Ein beachtlicher Teil der Betriebe wird die Kriterien erfüllen, ein anderer, we-sentlich kleinerer Teil wird sich umstellen müssen. Dies ist gewollt, und dabei soll geholfen werden. Ergänzend zu dieser Basisprämie werden den Landwirten weitere Angebote unterbreitet, die sie freiwillig nutzen können. Diese bestehen im Prinzip im Ausbau der bestehenden Agrarumweltprogramme der Bundesländer und haben zum Ziel, die Vielfalt in der Landschaft und die Qualitätsproduktion weiter zu fördern und strategisch möglichst viele Betriebe in Richtung Segment 3 „ökologischen Landbau“ zu entwickeln. Es wird darauf ankommen, die jeweiligen Prämien genau zu berech-nen und zu entwickeln, um tatsächliche Anreize zu schaffen und eine Entwicklung in Richtung „Segment 3“ zu vollziehen. Der Vorteil einer solchen Umorientierung liegt u.a. darin, dass ein großer Teil der heutigen Betriebe in dieses Segment 2 fallen würde. Vor allem die bäuerlichen Mischbetriebe, die heute vom „Strukturwandel“ besonders bedroht sind, würden maßgeblich profitieren. Sie stehen derzeit vor der Frage, wohin sie sich entwickeln sollen. Sie erhalten erstmals ein Zukunftsangebot der Politik, sich in Richtung einer qualitativen Entwicklung zu orientieren und erfahren so gleichzeitig eine Wertschätzung ihrer bisherigen Arbeit durch die Gesellschaft. Es ist wichtig und politisch klug, sich intensiv gerade diesen Betrieben zu widmen, ihnen Hoffnung zu geben, deutlich zu machen, dass sie gebraucht werden, um ein neues Agrarmodell verwirklichen zu können.

Segment 3 „Ökonomischer Landbau“

„Für Betriebe in diesem Segment 3 gelten hinsichtlich der Anbauregeln die entspre-chenden EU-Verordnungen für den ökologischen Landbau. Sie verkörpern am be-sten das Prinzip der Multifunktionalität auf den Betrieben. Ihre Produktion wird im Rahmen der Agrarumweltprogramme wie bisher unterstützt. Selbstverständlich gel-ten für die Betriebe alle sonstigen Grundregeln und Förderungen wie für die Betriebe aus dem Segment „multifunktionale Landwirtschaft“.“

zurück