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Karl zu Schwarzenberg
Der Fürst
Von Klaus Peter Krause
Pressemitteilung vom 22.02.2007


Eine pikante, von der deutschen Presse leider kaum beachtete Personalie hat die frisch gebildete Regierung der Tschechischen Republik des konservativen Premiers Mirek Topolànek zu bieten. 88 Jahre nach dem Ende der Doppelmonarchie und der politischen Vorherrschaft deutschstämmigen Adels in den ehemals habsburgischen Ländern ist ein Vertreter dieses Standes - in der tschechischen Öffentlichkeit nicht unumstritten - wieder in ein bedeutendes Staatsamt bestellt worden: Karl Johannes Fürst zu Schwarzenberg ist seit Januar neuer Außenminister in Prag.

Er sei Europäer und trotzdem auch Patriot, „ein äußerst qualifizierter Mann“ und ein Gentleman. Diese kurze Charakterisierung stammt von seinem Freund Václav Havel, dem Dissidenten, Dichter und ersten Staatspräsidenten der Tschechoslowakei in der nachkommunistischen Zeit. Dahinter verbirgt sich ein Mann aus fränkischem, böhmischem und österreichischem Hochadel. Seit 1979 ist er Chef des Hauses, das einst bekanntlich auch den berühmten habsburgischen Staatskanzler stellte. Der Name Karl Johannes Fürst zu Schwarzenberg ist die stark eingekürzte Form; der Titulierungen gibt es noch einige mehr.

Schwarzenberg, der seit der Vertreibung seiner Familie 1948 durch die Kommunisten aus Böhmen auch in Österreich aufwuchs und dort 41 Jahre lebte, ist weder Österreicher noch Bundesdeutscher, sondern seit seiner Geburt 1937 in Prag Tscheche und, weil durch ein jahrhundertealtes Privileg der Familie mit dem Zürcher Bürgerrecht ausgestattet, auch Schweizer. Die neugebildete Mitte-Rechts-Regierung, eine Koalition der wirtschaftsliberalen ODS, der Christdemokraten und der Grünen, hat ihn bestellt. Nominiert hatten ihn die Grünen. Widerstand gegen ihn kam vom Staatspräsidenten Václav Klaus. Doch dessen Versuch, den Havel-Freund aus inniger Gegnerschaft zu Havel zu verhindern, ist gescheitert. Die Schwarzenberg kennen und schätzen, halten ihn für die Idealbesetzung; er besitze Weltformat und habe beste internationale Kontakte.

Als Václav Havel 1990 Präsident der Tschechoslowakei geworden war, kehrte Schwarzenberg in die Heimat zurück. Havel machte ihn zum Leiter seines Beraterstabes. In der Kommunistenzeit hatte Schwarzenberg Ostblock-Dissidenten engagiert und couragiert Beistand geleistet, vor allem als Präsident der Internationalen Helsinki-Föderation für Menschenrechte. 1986 richtete er auf seinem Stammsitz im fränkischen Steigerwald ein Zentrum für tschechische Untergrund-Literatur ein.

Als Tschechei und Slowakei 1992 ihre Föderation auflösten, legten Havel und Schwarzenberg ihre Ämter nieder. Der Fürst konzentrierte sich auf seine Vermögensverwaltung, erst 2004 kehrte er in die Prager Politik zurück. Als unabhängiger Kandidat ließ er sich in den tschechischen Senat, die zweite Kammer, wählen und war dort zuletzt Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses. Er ist ein Mann mit scharfem Verstand, klug und geschickt, respektabel und angesehen, mit dem man in Europa wohl noch rechnen muß.

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