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Nasenspray gegen Vogelgrippe mit lebenslangem Schutz
Belgische Wissenschafter entwickeln Impfstoff gegen alle Arten von Grippe
Pressemitteilung vom 24.02.2006


Gent - Eine Nasenspray-Impfung mit einer völlig neuartigen Wirkungsweise könnte Millionen von Menschen vor einer tödlichen Grippe bewahren. Dies berichtet der Wissenschaftler Xavier Saelens von der Abteilung Molekulare Virologie der Universität Gent. In etwa fünf Jahren soll der Impfstoff soweit entwickelt und erprobt sein, daß die Produktion beginnen kann. Die EU unterstützt das Vorhaben mit 1,2 Millionen Euro.

Rund 500 Millionen Menschen weltweit erkranken jährlich an Grippe, geschätzte 400 000 sterben daran. Da sich das Virus ständig ändert, muß jedes Jahr ein neuer, genau angepaßter Impfstoff entwickelt werden. Im EU-Projekt "Universal Vaccine" (universeller Impfstoff) beschreiten Wissenschaftler nun einen anderen Weg, um der Grippe Herr zu werden.

Die Form eines Grippevirus gleicht einer stacheligen Kastanie. Aus seiner Oberfläche ragen zwei Arten von Proteinen, die sozusagen die Stacheln bilden: Das Hämagglutinin (H) und die Neuraminidase (N). Beide verändern sich immer wieder durch Mutationen. Heutzutage kennt man 16 verschiedene Typen von H und neun Typen von N. Nach der jeweiligen Kombination dieser Typen sind auch die Grippeviren benannt: So steht beispielsweise H1N1 für die Spanische Grippe der Epidemie 1918, die Hongkong-Grippe 1968 wurde vom Typ H3N2 ausgelöst, und der inzwischen weitverbreitete und auf Rügen nachgewiesene Typ H5N1 ist für die aktuelle Vogelgrippe verantwortlich.

Bisherige Impfstoffe simulieren gegenüber dem Immunsystem immer diese H- und N-Proteine - das Immunsystem bildet dann Antikörper dagegen und ist so auch gegen die Grippe gefeit. Bei jeder Mutation von H oder N muß man allerdings die Impfstoffe der Veränderung angleichen. Wünschenswert wäre natürlich ein Impfstoff, der unabhängig von solchen ständigen Veränderungen wirkt.

Saelens und sein Team greifen jedoch einer ganz anderen Stelle an: am sogenannten M2e-Protein. Auch dieses befindet sich an der Oberfläche des Virus, aber der nach außen ragende Teil ist kleiner und versteckter als bei H und N. M2e ist bei allen Grippeviren gleich und viel stabiler gegenüber Mutationen. Die Forscher verbanden nun dieses Protein mit inaktivierten Hepatitis-B-Viren und regten damit das Immunsystem von Mäusen an. "In unseren Versuchen konnten wir bereits nachweisen, daß unser Impfstoff eine Grippe-Infektion verhindert", so Saelens.

Zunächst hielt diese Immunisierung durch Injektionen nur wenige Tage an; danach starben die Tiere. Erst als die Genter Forscher den Impfstoff mit dem Wirkstoff CTA1-DD der schwedischen Pharmafirma Arexis kombinierten, hielt die Wirkung an. Das Produkt wurde extra für die Anwendung von Impfstoffen als Nasenspray entwickelt. Es ist ungiftig und reichert sich nicht in Nervenzellen an.

Ein Nasenspray als Grippe-Impfung hat gegenüber der bisher üblichen Spritze mehrere Vorteile: Es läßt sich einfacher verabreichen, ist bequemer für den Patienten und birgt keine Infektionsgefahr durch unsaubere Nadeln. Vor allem aber nutzt es denselben Weg wie die Grippeviren und wirkt deshalb dort am stärksten, wo es unmittelbar gebraucht wird, nämlich in den Atmungsorganen.

"Der neue Impfstoff bietet lebenslangen Schutz gegen alle Arten von Grippe - auch gegen die Vogelgrippe. Er muß nun noch eine Reihe von Tests durchlaufen und geht dann in die klinische Erprobung", erklärt Saelens. Der zuständige EU-Forschungsdirektor Christian Patermann setzt große Hoffnung in den Impfstoff: "Auf lange Sicht könnte das Projekt helfen, Grippe-Infektionen beim Menschen zu verringern oder die Krankheit gar ganz auszurotten."

Quelle: EU-Projekt "Universal Vaccine" Brüssel

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