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Klimawandel
Die Schaben kommen
Pressemitteilung vom 15.02.2007


Mäusen, Ratten, Ameisen, Läusen und Schaben tut der milde Winter gut. Experten erwarten deutlich mehr Schädlinge. Möglich sei sogar, dass sich die Verbreitungsgrenze einiger Insektenarten mehr als 1000 Kilometer nach Norden verschiebt.

Hamburg - Bleibt der Winter weiterhin so mild, müssen Landwirte und Gärtner im Frühjahr und Sommer mit deutlich mehr Schädlingen rechnen. „Allgemein haben wir nach milden Wintern mehr Schädlinge als nach harten“, sagt der Chef des Deutschen Schädlingsbekämpfer-Verbandes, Rainer Gsell. Vor allem Mäuse, Ratten, Ameisen und Schaben hätten gute Nahrungsbedingungen und könnten sich wegen der vergleichsweise hohen Winter-Temperaturen leichter vermehren.

Die wenigen kalten Januar-Tage hätten den Schädlingen so gut wie nichts nichts anhaben können, betont Gsell: „Leider ist das Problem nach einem kurzen Kälteeinbruch noch lange nicht erledigt - schließlich reden wir hier vom Klimawandel.“ Auch der Deutsche Bauernverband und die Garten- und Gemüsebauern befürchten Auswirkungen auf die Schädlings-Populationen, die Landwirte und Kleingärtner treffen könnte. Eine genaue Prognose für den kommenden Sommer ist nach den Worten von Schädlingsbekämpfer Gsell noch nicht möglich, da im Februar oder März noch längere Frostperioden kommen könnten.

Die Gemüsebauern in Deutschland schauen vor allem auf Pilze, aber auch auf andere Schädlinge, die wegen der milden Temperaturen möglicherweise nicht ausreichend abgetötet werden. Beispielsweise sei mit mehr Schnecken zu rechnen, sagt Gemüsebau-Experte Jochen Winkhoff. Bleibe der Winter ungewöhnlich mild, könne es einige Überraschungen geben.

Für den Gartenbau rechnen Fachleute vor allem mit einer Vielzahl von Läusen und anderen tierischen Schädlingen: „Das Problem ist, dass bestimmte Eier erst bei strengem Frost abgetötet werden“, sagt der Präsident des Zentralverbandes Gartenbau, Heinz Herker. In der Vergangenheit hätten die Gärtner nach milden Wintern schon oft negative Erfahrungen machen müssen.

Wissenschaftler halten es für möglich, dass sich die Verbreitungsgrenze mancher Insekten bei einer Erwärmung um einige Grad um über 1000 Kilometer nach Norden verschieben könnte. In Deutschland könnte in diesem Fall eine zusätzliche Generation pro Jahr heranwachsen, die Pflanzen schädigen könnte. Gärtner und Landwirte könnten zudem mit aggressiverem Unkraut zu tun haben, da sich Veränderungen der CO2-Konzentration auf das Wachstum unerwünschter Pflanzen auswirken könnten.

Quelle: AP vom 31.01.2007


Warmer Winter bringt Zecken
Frühling statt Winter. Tropenexperten warnen: Sogar Infektionen wie die Malaria könnten auftreten.

Berlin - Die Temperaturen in Deutschland sind für die Jahreszeit ungewöhnlich mild. Dies könnte für die Bundesbürger unangenehme Folgen haben: Nach Ansicht von Medizinern erhöht das derzeitige warme Wetter die Gefahr einer Zeckenplage im kommenden Frühjahr. Sorgen bereitet zudem das Bakterium Vibrio vulnificus, das sich im derzeit zu warmen Ostseewasser vermehrt und schwere Infektionen auslösen kann.

Der Medizin-Professor Werner Solbach von der Uni-Klinik Lübeck warnte davor, dass sich auch der Zeitraum verlängere, in dem Zeckenbisse drohten. Solbach äußerte sich außerdem besorgt über ein Bakterium namens Vibrio vulnificus, das sich im Ostseewasser ausbreitet.

Laut "Bild am Sonntag" erkrankten im vergangenen Sommer drei Badegäste in Mecklenburg-Vorpommern an einer Infektion durch das Bakterium und bekamen Wundentzündungen an den Beinen. Reisemediziner nennen das Salzwasserbakterium auch "Fluch der Karibik", da es am Golf von Mexiko und auf den karibischen Inseln jedes Jahr bei Hunderten von Menschen schwere Infektionen bis hin zu lebensgefährlichen Blutvergiftungen auslöse. In gemäßigten Zonen kommt das Bakterium normalerweise nur in geringer Zahl im Wasser vor. Im Sommer 2006 habe sich die Ostsee jedoch so stark erwärmt, dass sich das Bakterium extrem vermehren konnte, sagte der Infektiologe Dieter Hassler.

Nach Einschätzung des Direktors des Münchner Tropeninstituts, Thomas Löscher, könnten sogar Infektionen wie die Malaria in Deutschland heimisch werden, wie das Blatt ihn zitierte. So wurden Anopheles-Mücken, die die Krankheit übertragen, bereits in Bayern und Nordrhein-Westfalen gefunden.

Zudem seien in den vergangenen Jahren mehrere Menschen an der Orientbeule (Leishmaniose) erkrankt, obwohl sie Deutschland nie verlassen hätten.

Die milden Temperaturen führen auch zu einem Wandel in den deutschen Flüssen, wo sich mehr und mehr eingeschleppte Tier- und Pflanzenarten ansiedeln und laut Experten große ökologische und wirtschaftliche Schäden verursachen. "Allein 30 fremde Tier- und Pflanzenarten haben sich im Rhein angesiedelt", sagte der Diplom-Biologe Stefan Nehring aus Koblenz. Nach seinen Untersuchungen finden sich 46 fremde Arten an der Nordseeküste, 27 an der Ostseeküste und sogar 76 in den Flüssen. Sie gelangen über abgepumptes Ballastwasser von Schiffen in die hiesigen Gewässer. Untersuchungen des Umweltbundesamtes ergaben demnach, dass in deutschen Häfen jedes Jahr rund 2,2 Millionen Tonnen Ballastwasser aus außereuropäischen Regionen abgelassen werden. Zu den gefährlichsten Exoten gehört die chinesische Wollhandkrabbe. Sie ist bis zu acht Zentimeter groß, gräbt Gänge in Deiche und andere Befestigungsanlagen und ist damit für Erosionsschäden an den Ufern verantwortlich. Und die Zebramuschel verstopft Zuflussrohre von Wasserkraftwerken. Quelle: afp/dpa

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