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Thüringer Landwirte fordern höhere Milchpreise
Ostdeutsche Milchquoten werden zukünftig in Brandenburg gehandelt
Pressemitteilung vom 09.02.2007


Die Thüringer Landwirte fordern höhere Milchpreise. Auf dem 11. Milchtag in Erfurt verlangte die Vereinigung der Milcherzeuger konkret Preise von 30 Cent pro Kilogramm. Rückendeckung gab es von Landwirtschaftsminister Volker Sklenar. Dieser bezeichnete die Preisentwicklung als "Schweinerei". Die Bauern müssten immer tiefer in die Tasche greifen, die Preise blieben aber konstant. Derzeit liegt der Milchpreis bei etwa 27 Cent pro Kilogramm. Thomas Beck, Vorsitzender der Landesvereinigung Thüringer Milch kritisierte auch die landwirtschaftlichen Betriebe. Derzeit bekämen die Mitarbeiter einen Stundenlohn von gerade fünf bis acht Euro, so Beck. Das sei nicht mehr sozial, das sei unmoralisch.

Vision von den leeren Milchautos
Neue Organisation der Kuhhalter erwägt Lieferboykott – Organisationsgrad im Odenwald noch gering ODENWALDKREIS. Sie erzeugen aus den Rückständen der Viehhaltung Strom oder gewinnen aus dem Boden Brenn- und Treibstoffe – angesichts des Trends zum Einsatz erneuerbarer Energien gelten die Landwirte vielen als Gewinner der Zeit. Die Bauern selbst zählen sich derweil vielfach weiter zu den Verlierern. Denn die Mehrzahl von ihnen kümmert sich unverändert um die Ernährung der Bevölkerung und erkennt im Bild der Öffentlichkeit immer weniger die eigene Wirklichkeit. Die klassischen Milchbauern reagieren vor diesem Hintergrund zunehmend sauer.

„Wenn wir ein einigermaßen angemessenes Einkommen erzielen wollen, dann brauchen wir einen Preis von 40 Cent pro Liter. Und das sind unsere Arbeit und unser Produkt auch Wert“, erklärt Gerd Arras, der im Reichelsheimer Ortsteil Gumpen einen Familienbetrieb führt und rund 60 Milchkühe hält. Weil die herkömmlichen Organisations-Strukturen der Landwirtschaft nicht verhindern konnten, dass für die Milch im vorigen Sommer nur noch 25 Cent gezahlt wurden, hat er sich dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) angeschlossen, der sich im Gegensatz zum vielen Seiten verpflichteten Bauernverband allein den Interessen der Kuhhöfe verhaftet sieht – und für einen neuen Kurs der Härte gegenüber den Abnehmern steht. Wenn die den Bauern in der nächsten Preisrunde keine klare Verbesserung zugestehen, sollen schon im Herbst dieses Jahres die Milchautos leer zu den Molkereien zurück fahren.

„Wir werden unsere Milch dann eine Weile lang einfach wegschütten“, bestätigt Arras, der trotz aller ethischen Bedenken zum Mitmachen bei einem Lieferboykott entschlossen ist.

Schließlich widerspreche es ja auch jedem Ideal, wenn eine reiche Gesellschaft für ein so wichtiges Gut wie ihre Ernährung nichts mehr übrig habe. Also halten der Gumpener Landwirt und seine Mitstreiter den Zeitpunkt für gekommen, den tatsächlichen Wert der Milch deutlich zu machen. „Wenn wir Bauern drei, vier Tage lang nicht liefern, dann werden sich die Regale in den Supermärkten schon sichtbar leeren“, ist sich Arras sicher – und rechnet fest damit, dass die Vertreter der Handelskonzerne bald auf die Landwirte zugehen. „Die kommt ein Verkaufsstopp doch viel teurer zu stehen als uns eine Lieferpause.“

Für die Verbraucher werde sich die Lage also gar nicht erst zuspitzen, prognostiziert Arras. Die Bevölkerung nämlich wollen die Milchviehhalter nach eigenen Angaben auf keinen Fall treffen – auch nicht mit dem Ziel ihres Streiks. Angezapft werden sollten die Gewinnspannen der großen Handelsketten und nicht die Geldbeutel der kleinen Leute. „Die Kunden werden eine Anhebung des Milchgelds kaum spüren, weil die Ladenpreise höchstens um Cent-Bruchteile steigen“, meint der Kenner, der mit einem gerechten Erzeugerpreis die Interessen der Verbraucher vertreten sieht.

Ihnen sei langfristig allein mit einer unabhängigen Versorgung gedient, wie sie nur die regionale Erzeugung garantiere, von der zudem der Erhalt der Kulturlandschaft abhänge. Für den Odenwald sieht Arras diese bäuerliche Struktur bei Beibehaltung oder gar Verschärfung des Drucks auf den Milchpreis gefährdet. Zur Begründung verweist er darauf, dass Topografie und Bodenbeschaffenheit im Mittelgebirge praktisch allein die traditionelle Grünlandwirtschaft zuließen, die überwältigende Mehrzahl der Betriebe also von der Viehhaltung lebe. Dies belegt der Landwirt mit Zahlen, wonach von den 350 Milcherzeugungsbetrieben in Südhessen allein die Landwirtschaft des Odenwaldkreises rund 190 stellt. Zum Vergleich: Die Kreise Darmstadt-Dieburg, und Offenbach bringen es zusammen auf 45, der Kreis Bergstraße hat 115.

Auf den Bauernhöfen des Odenwaldkreises geben hochgerechnet fast 5000 Kühe jährlich nahezu 33 Millionen Liter Milch (Südhessen: 9000/65 Millionen), von deren Verkauf für die Weiterverarbeitung die Besitzer weitgehend leben müssen. „Weil hier Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis stehen, haben in den vergangenen Jahren Dutzende von Hofinhabern aufgegeben – und weitere stehen vor diesem Schritt“, weist Arras auf den schleichenden Rückzug hin. Als Reaktion seiner Kollegen auf die Rentabilitätsprobleme, an denen auch der Anstieg des Milchpreises auf 31 Cent nichts ändere, wünscht sich der Gumpener Aktivist allerdings nicht Resignation, sondern Mut zum Handeln. „Leider braucht unsere Bewegung gerade hier, wo die Landwirtschaft so stark von der Milch abhängt, noch Zulauf“, bekennt Arras. Der Organisationsgrad des bundesweit 20 000 Mitglieder zählenden BDM erreicht im Odenwald gerade zehn und in Hessen 15 Prozent. Hier, so Arras, liege das Potenzial, um die bundesweite Beteiligungsquote von derzeit 40 auf jene 60 Prozent anzuheben, die für wirksame Aktionen gebraucht würden.

Die Zustimmung für die Option eines Lieferboykotts will sich der Bund Deutscher Milchviehhalter bei einer Versammlung am Samstag (27.) in Berlin einholen. Sie ist als Symposium für Erzeuger aus ganz Europa angesetzt.

Quelle: MDR vom 12.02.2007

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