• Anschrift:
    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
    Dresdner Straße 46
    09526 Dittmansdorf
zurück

DeutschlandRadio / Funkhaus Köln – Deutschlandfunk. Sendung: „Umwelt und Landwirtschaft“, Sendedatum: 27. Januar 2003, 11.35 - 12.00 Uhr / Autor: Markus Rimmels
Thema: Agrarstrukturen Ost
Pressemitteilung vom 13.02.2003


Sprecher: Den Bauern im Saal steht die Erregung ins Gesicht geschrieben. Was da auf dem ostdeutschen Land vor sich gehe, sei die größte Landverschiebung, so hört man. Andere sprechen von „parasozialistischen Kolchos-Strukturen“. Gemeint ist die aus DDR-Zeiten überkommene Landverteilung im Osten. Für die Teilnehmer der Tagung, meist Landwirte mit kleinen und mittleren Familienbetrieben, liegt darin eine große Ungerechtigkeit – eine Ungerechtigkeit, die von der Vergangenheit herrührt. Daherbeginnt die Veranstaltung auch mit einem Referat zur DDR-Agrar-Geschichte. Uwe Bastian vom Bürgerbüro e. V. zur Aufarbeitung von Folgeschäden der SED-Diktatur spannt den Bogen von der Bodenreform nach 1945 bis zur Wendezeit. Er zeigt, wie die alte selbständige Landbevölkerung proletarisiert und zu Lohnarbeiten gemacht wurde. Und er prangert vor allem, wie er sagt, die Konservierung der DDR-Verhältnisse nah der Wende an. Die riesigen Agrareinheiten seien erhalten geblieben – und das mit der Unterstützung der Politik. Pro Forma habe man sich, so Uwe Bastian, zwar für die Neu- und Wiedereinrichtung kleiner Betriebe ausgesprochen, aber..

O-Ton:
„…In Wirklichkeit wurde propagandistisch dargestellt, wie bankrott die LPGen eigentlich sind, und die Öffentlichkeit kümmerte sich kaum um Vorgänge, die dort auf dem Lande vor über zehn Jahren eigentlich passierten. Das heißt also, die Flächen und das Vermögen der ehemaligen LPG-Mitglieder blieb zu großen Teilen bei den ehemaligen Funktionären der Vorstände, die es nun in Genossenschaften, später auch in GmbHs, GmbH & Co KGs und Agrar-Aktiengesellschaften umwandelten.“

Sprecher: In einem Untersuchungsgebiet Ostvorpommern, sagt Bastian, befänden sich 90 Prozent des Agrarlandes im Privatbesitz ehemaliger SED-Agrarfuktionäre. Er nennt sie „SED-Latifundis“.

„Die Kommunisten haben die Menschen in der DDR viel tiefer beeinflusst als die Nationalsozialisten.“

(Arnulf Baring am 16.11.02 in der „Welt“)

zurück