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Honecker und Teufel
Ein misslungener Vergleich / Von Alfred Behr


15.02.2001
Was hat der Rinderwahnsinn BSE mit Erich Honecker zu tun? Gar nichts, richtig. Und den-noch ist es dem Fraktionsvorsitzenden der Grünen im baden-württembergischen Landtag, Dieter Salomon, gelungen, den verstorbenen Staatsratsvorsitzenden der verblichenen DDR mit der Rinderseuche BSE in Verbindung zu bringen. Wie das? Als sich der baden-württembergische Landtag mit dem Antrag der SPD und der Grünen be-fasste, Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) möge seine Landwirtschaftsministerin Gerdi Staiblin (CDU) wegen Vertuschung und Verbrauchertäuschung entlassen, ging es zwar eini-germaßen heftig zu, aber zuletzt ohne besondere Aufregung. Für die sorgte der Abgeordnete Salomon zur allgemeinen Verwunderung, als er Teufel, der seine Ministerin in Schutz nahm, vorhielt: „Sie erinnern mich an Erich Honecker in der Spät-phase.“ Auch Honecker sei stets gegen Veränderungen gewesen. Als Honecker gefragt wor-den sei, warum er denn angesichts von Perestrojka und Glasnost in seinem Staat nichts ände-re, habe er mit der Gegenfrage geantwortet: „Würden Sie, wenn Ihr Nachbar seine Wohnung neu tapeziert, sich verpflichtet fühlen, Ihre Wohnung ebenfalls neu zu tapezieren?“ In der allgemeinen Erregung im Landtag über den Vergleich des braven Demokraten Honek-ker ging völlig unter, dass der Sozialwissenschaftler Salomon den Falschen zitiert hatte. Der „Tapeten“-Spruch stammt nicht von Honecker, sondern vom SED-Politbüromitglied Kurt Hager. Der Betonkopf Hager stammte übrigens aus dem württembergischen Bietigheim, war also ein Schwabe. Mehr als das hat aber er mit Teufel nicht gemeinsam.

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