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Fischler will 90-Bullen-Obergrenze / Künast dagegen
VDL-Präsident Tanneberger erinnert Frau Künast an ihre Versprechungen


15.02.2001

Brüssel. Agrarkommissar Franz Fischler will die maximal förderfähige Zahl von Tieren pro Hektar auf 1,8 GV senken. Ein ostdeutscher Wiedereinrichter könnte demnach auf 100 Hektar bis zu 180 Milchkühe oder andere Tierarten nach dem bekannten GV-Schlüssel halten, ohne mit Kürzungen der Flächenprämien oder anderer Ausgleichszahlungen rechnen zu müssen. Betroffen wären flächenarme Höfe in Bayern und Baden-Württemberg und EU-Staaten wie Dänemark oder die Niederlande, die viele Tiere auf relativ kleiner Fläche halten. Zugleich will Fischler die 90-Bullen-Obergrenze gegen deutschen Widerstand wieder einführen. Große Mastbullenherden wären davon betroffen, vor allem in Ostdeutschland. Die 90-Tiere-Grenze war 1999 auf Druck der LPG-Lobby vom damaligen Bundesminister Karl-Heinz Funke abge-schafft worden. Sie galt damals nur im Westen und sollte auf Drängen der EU auch in den neuen Ländern eingeführt werden. Die Kuh(nast) ist umzingelt VDL-Präsident Dieter Tanneberger sagte: Offenbar ist die neue Bundeslandwirtschaftsmini-sterin Renate Künast, die in ihrer Antrittsrede im Bundestag noch ausrief: „Die Kuh ist um-zingelt!“, nun selbst von LPG-Lobbyisten und Großagrariern aus dem Westen umzingelt. Denn sie wandte sich bei der Vorstellung des Agrarberichts 2000 gegen die Fischler Vor-schläge. Kein Wort mehr von der Abkehr von Agrarfabriken, Massentierhaltung und industri-eller Landwirtschaft. Weiterhin frisches Steuergeld an den Augsburger Getreidehändler Osterhuber für 23.000 Bullen in „Ferdinandshof“ in Vorpommern, auch die Bullenprämien für 20.000 Mastrinder im mecklenburgischen Hohenwangelin an die Familie Rodo Schneider, den früheren Geschäftsführer des Fleischkonzerns Moksel. Die 4.000er Milchviehanlage im vorpommerschen Dedelow, die privatisierten Berliner Stadtgüter mit riesigen Anlagen für 6.000 Kühe, die 4000 Kühe der niederländischen Familie Koopman mit drei Anlagen in Mecklenburg und Sachsen-Anhalt – alles Künast oder Was? Alles ohne Anti(bio)tika – natürlich! Auch im Schweinesektor haben westdeutsche Agrarindustrielle ostdeutsche Agrar-Industrie-Anlagen übernommen. So der Pommes-Fabrikant Stöver die 12.000 Mastplätze in Blumen-berg bei Magdeburg, der Holsteiner von Peepke 10.000 Mastplätze im mecklenburgischen Zachun, der Fleischkonzern Löblein 3.600 Zuchtsauen und 18.000 Mastplätze im thüringi-schen Thiemendorf/Schöngleina, Paul Schockemöhle im mecklenburgischen Neustadt-Gleve zusätzlich zu seinen 5.000er Färsen-Anlagen noch weitere 20.000 Schweinemastplätze. Gute Nachrichten auch nach Losten bei Wismar. Hier halten sechs Südoldenburger Agrarunter-nehmer insgesamt 62.000 Schweine. Natürlich alles ohne Antibiotika!

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