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Agrargenossenschaften – von Neid-Verwandtschaften, Polit-Schwägern und Schwipsvettern
Pressemitteilung vom 09.02.2006


Die Agrargenossenschaften bilden eine Unternehmensgruppe in der deutschen Landwirtschaft, deren Wirkungsfeld jedoch auf Ostdeutschland begrenzt ist. (Eine Ausnahme bilden lediglich drei Agrargenossenschaften in Zeetze, Darchau, Krusendorf und Umgebung, die aus DDR-LPGs hervorgingen und 1990 im Zuge einer neuen territorialen Gliederung dem Bundesland Niedersachsen „zugeschlagen“ wurden.) Agrargenossenschaften entstanden auf der Grundlage des Einigungsvertrages und gem. §27 des Landwirtschaftsanpassungsgesetzes (LwAnpG) im Ergebnis eines Formwechsels aus LPG oder Gärtnerischer Produktionsgenossenschaft (GPG).

In den letzten Jahren mehrten sich unzufriedene Stimmen. Kritisch beurteilt wurde vor allem ( so Prof. Dr. Rolf Steding, Universität Potsdam):

· das Prinzip des Egalitarismus im Sinne einer absoluten Gleichstellung der Genossen (mit Kopfstimmrecht),

· die schwache Möglichkeit zur Beschaffung von Kapital für die Genossenschaft sowie

· die weitgehende Unzulässigkeit einer Beteiligung ausscheidender Mitglieder am Substanzwert einer Agrargenossenschaft.

Der Aspekt des Verlierens des Substanzwertes, der durch das Ausscheiden aus der Genossenschaft eintritt, erregt besonders die Gemüter der Gründergeneration von 1990. Wer nämlich z.B. wegen Alters durch Kündigung ausscheiden will, erhält lediglich das geringe Geschäftsguthaben und sonst nichts, obwohl das Mitglied zur Wertsteigerung des Unternehmens beigetragen hat und nun nicht davon profitiert. Jene Familie aber (z.B. die des inzwischen gealterten LPG-Chefs), die mit ihresgleichen den Generationswechsel gestaltet und die die Fäden mit mindestens 3 Gründern (bisher 7) in den Händen hält, wird „am Ende alle beerben“, so, als sei es schon immer Vermögensstamm der Familie gewesen.

Eine staatlich organisierte Bereicherung der Altgenossen wird vorbereitet
Die Agrargenossenschaften verkörpern eine Abart der eG, bei der die Arbeitnehmer zugleich auch die Unternehmensträger sind. Zur eG-Mitgliedschaft tritt zusätzlich ein Arbeitsrechtsverhältnis, was z.B. bei einer westdeutschen Winzergenossenschaft ausgeschlossen ist. Eine Besonderheit der bisherigen eG besteht aber darin, daß es in ihr eine „dominante Personenbezogenheit“ gibt und dem Kapital nur eine dienende Rolle zukommt. Es besteht eine Präferenz der Person vor dem Kapital.

Das war auch der Hauptsinn des Begründers des Genossenschaftsgesetzes, Herrmann Schulze-Delitzsch, der die Genossenschaft aus der OHG und der AG kombinierte, dabei aber der Person die prägende Rolle zuwies.

Das soll sich nun durch die Einführung der leicht zu erreichenden 3-Mann-Minität ändern. Eine staatlich organisierte Bereicherung wird da gerade vorbereitet. Ein gesetzgeberischer Akt dieser Art, der einzigartig ist. Der Gesetzgeber will sein fehlerhafte Konstrukt von 1990/91 klammheimlich verbessern und hat damit auch dem massiven Drängen der LPG-Lobby nachgegeben.

Neid-Verwandtschaften, Polit-Schwäger und Schwipsvettern
Der jetzt einsetzende Generationswechsel im Managements vieler Agrar-eG ist darauf gerichtet, die Interessen von jüngeren Führungskräften (Neid-Verwandtschaften, Polit-Schwäger und Schwipsvettern) in der unternehmerischen Entwicklung der Agrargenossenschaften durchzusetzen. Dabei konkurriert das bald ausscheidende mit dem bald übernehmenden Leitungspersonal. Streitereien um die Nachfolge sind vorprogrammiert. Die ausscheidenden Agrarchefs wollen Zugriff auf das von ihnen maßgeblich miterwirtschaftete Kapital der eG nehmen, während deren potentiellen Nachfolger nach ihrem persönlich Zugriff zum erwirtschafteten Ergebnis trachten. Nach dem Genossenschaftsgesetz erhält ein ausscheidendes Mitglied nach §73 Abs.2 nur eine Abfindung zum Buchwert. Der viel größere Vermögenswert verbleibt bei der Genossenschaft und kommt den anderen, auch jüngeren Leitungsmitgliedern zugute, was aber die bekannten Neiddrüsen erregen wird. Mit dem 3-Mann-Mimikri des neuen Gesetzes wird es dann wohl das Beste sein, die Genossenschaft zu teilen oder zu dritteln. Dann hätte jeder „seins“ und die drohende Obergrenze bei den Direktzahlungen aus Brüssel könnte auch umgangen werden.

Autor: Dieter Tanneberger

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