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Erster BSE-Fall in Sachsen bei LPG-Nachfolger

08.02.2001

Der erste BSE-Fall in Sachsen: Die Bundesforschungsanstalt für Viruserkrankungen Tübingen bestätigte vorige Woche einen positiven Test einer 1995 geborenen Kuh aus der Milchviehanlage Saalhausen in Freital-Wurgwitz bei Dresden. Das Rind war Ende vergangener Woche im Schlachthof Oschatz getötet worden. Bereits nach dem ersten positiven Schnelltest wurde der Tierbestand gesperrt und nun auch der Schlachthof in Oschatz. Unklar war noch, ob die gesamte Kuhherde geschlachtet werden muss und was mit den übrigen Rindern geschieht. In der Milchviehanlage stehen 196 Tiere, weitere 650 Jungrinder sind in einem anderen Stall untergebracht. Der Krisenstab der sächsischen Landesregierung tagt. Dort wird entschieden, wie viele Tiere des Betriebes aus dem Weißeritzkreis geschlachtet werden. Der Landrat des Kreises, Bernd Greif (CDU), sprach sich gegen eine „unüberschaubare Massentötung“ aus, denn dann drohe der Genossenschaft das Aus. Der Vorsitzende der Genossenschaft nannte den BSE-Fall in seinem Betrieb eine Katastrophe. Es wird davon ausgegangen, dass durch Tiermehl verunreinigtes Kraftfutter die Ursache für die BSE-Infektion sein kann. Am Rande einer Sondertagung der Agrarminister der Länder in Potsdam sagte Sachsens Landwirtschaftsminister Steffen Flath, dass der erste BSE-Fall im Freistaat „für Sachsen ein schwerer Schlag“ sei. Das Land sei bereit, den „mit dem Rücken zur Wand stehenden Bauern“ finanziell zu helfen. Darin sei sich Flath in Potsdam mit seinen Kollegen aus den anderen Bundesländern „bis auf Nuancen“ einig. Auf der Sondertagung wurde jedoch der Vorschlag der Bundesregierung abgelehnt, knapp eine Milliarde Mark der geschätzten BSE-Folgekosten von insgesamt zwei Milliarden zu tragen. Dies war den meisten Bundesländern nicht genug. Flath dagegen hatte sich im Vorfeld der Tagung für eine Finanzierung wie bei „der Dürrehilfe im vergangenen Jahr“ ausgesprochen. Bund und Land hatten damals je die Hälfte der Kosten getragen. Inzwischen wurden Forderungen laut, nach dem bayrischen Vorbild auch in Sachsen ein Verbraucherministerium zu schaffen. Gleichzeitig wurden Versäumnisse der Bundesregierung gerügt, die es bisher versäumt habe, einheitliche Rechtsgrundlagen zu schaffen. Dann „könnten wir morgen schon handeln“ sagte der Amtstierarzt des vom ersten BSE-Fall in Sachsen betroffenen Kreises, Peter Finke. Es ist die 28. nachgewiesene BSE-Erkrankung eines Rindes in Deutschland. Inzwischen gehen die Vereinten Nationen davon aus, dass rund 100 Länder von der Rinderseuche betroffen sind. Große Mengen Tiermehl sollen aus England nach Osteuropa und Asien ausgeführt worden sein.

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