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Wenn das Wildschwein stinkt
Pressemitteilung vom 02.02.2006


Nach dem jüngsten Skandal bei einem bayerischen Wildfleischproduzenten will das Verbraucherschutzministerium nun mehr Druck auf die Länder ausüben, den von Minister Horst Seehofer (CSU) vorgelegten Zehn-Punkte-Plan zügig umzusetzen. Auslöser des jüngsten Skandals ist der größte deutsche Wildhändler, die Passauer Firma Berger. Schon vor 3 Wochen waren in zwei ihrer Betriebsstätten "ekelerregende hygienische Zustände" festgestellt worden, wie die Behörden mitteilten. Zahlreiche Tiefkühl- und Frischfleischprodukte waren verdorben. Ermittler entdecken beim bayerischen Wildfleischproduzenten Unappetitliches: Türen des Betriebes waren mit Blut beschmiert, und tierische Abfälle verdreckten den Boden. In einer Probe wurden Salmonellen entdeckt.. Warum Tierärzte, die täglich kontrollierten, die Mängel nicht früher meldeten, ist unklar. Zwölf Tiefkühlprodukte und sechs Frischfleischproben stuften die Behörden bereits als "nicht geeignet für den menschlichen Verzehr ein".

Antilopenfleisch nach Deutschland eingeführt und zu Wildfleisch umdeklariert
Wildhändler Berger ist bei den deutschen Wildzüchtern kein Unbekannter. Er sei schon vor Jahren durch zweifelhafte Geschäftspraktiken aufgefallen. Hirsche oder Rehe, die in Deutschland gezüchtet wurden, seien viel zu billig verkauft worden, nämlich zu 60 Prozent unter dem Marktpreis. "In jeder Gaststätte gibt es Rehrücken und Hirschgulasch. Wo soll denn das viele Fleisch herkommen?" Ein Fahnder: Er selbst habe schon betrügerische Wildhändler überführt, die Tonnen von Antilopenfleisch nach Deutschland eingeführt und zu deutschem Wildfleisch umdeklariert hätten. Auch aus China würden Mengen an Schweinefleisch, Geflügel und Wild illegal eingeführt. "Mit einem modernen Kopierer machen Sie doch so perfekte Papiere, daß sogar ein Gutachter das kaum mehr feststellen könnte." Der Verbraucher könne sich nicht darauf verlassen, das im Hirschbraten Hirsch stecke. Um der Betrügereien Herr zu werden, sollten aus Sicht des Fahnders "V-Leute in die Szene eingeschleust werden". Zudem müßten die Behörden versuchen, Informanten aus der Branche zu bekommen.

System der amtlichen Fleischbeschau wird hinterfragt
Bayern will mit Spezialtrupps gegen Betrüger vorgehen. Bayerns Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf (CSU) hat nun eine bundesweite Rückrufaktion eingeleitet. Inzwischen wurde bekannt, daß die Firma Ware an 140 Betriebe in Deutschland, Österreich, Italien und Frankreich geliefert hat. Den beiden betroffenen Betriebsstätten der Firma wurde die Zulassung entzogen. Zudem hinterfragt er das System der amtlichen Fleischbeschau. In den meisten Ländern werden niedergelassene Tierärzte damit beauftragt. So auch im Passauer Fall. Warum die beiden Veterinäre, die dort regelmäßig prüften, nichts meldeten, ist unklar. Beide wurden suspendiert.

Der Fleischbeschauer bekommt ein Stück Schlögel, daß ihm die Augen übergehen
Der österreichische Schriftsteller Alois Brandstetter beschreibt 1974, wie in einem niederbayerischen Ort die amtliche Fleischbeschau vor sich geht:
Der Tierarzt als Fleischbeschauer und sein Freund, der Fleischhauer, gehen im Schlachthaus miteinander die lange Reihe der geschlachteten Kälber und Schweine entlang. Der Fleischhauer dreht seinem Freund die hängenden Schweine- und Kalbshälften ein wenig zurecht, damit der Herr Doktor mit dem Stempel bequem sein "Unbedenklich" aufdrücken kann. Sie unterhalten sich über das Kartenspielen am letzten Samstag. Trau, schau, dem Apotheker, sagt der Tierarzt und klatscht einem Kalb "Unbedenklich" aufs Hinterteil.

Bei der Fleischbeschau im Schlachthaus blinde Kuh spielen
Warum die Behörde und die Gendarmerie den Fleischbeschauern und den Fleischhauern nicht genauer auf die Finger sehen? Wenn es eine Schwierigkeit oder eine Anzeige gibt, wird immer derjenige Gendarm mit der Sache befaßt, der mit dem Fleischhauer oder dem Tierarzt am nächsten bekannt und befreundet ist. So absolvieren der Tierarzt und der Fleischhauer heute die Fleischbeschau längst mit geschlossenen Augen. Wenn man beide bei der Fleischbeschau sieht, muß man meinen, sie spielten im Schlachthaus Blindekuh. Die Tierärzte finden durch die Fleischbank alles "unbedenklich". Wenn einem Tierarzt einmal ein Stück gar nicht gefällt, stempelt er aus Gefälligkeit doch sein "Unbedenklich" darauf. "Mein Geist ist willig", sagt der Fleischbeschauer zum Fleischhauer, "aber dein Fleisch ist schwach." Ist alles vorbei, bekommt der Fleischbeschauer ein Stück Schlögel, daß ihm die Augen übergehen, er kann sich am Fleisch nicht satt sehen. So spielte sich, nach Brandstetter, hierzulande eine Fleischbeschau ab.

Quelle: Eigenbericht

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