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    Bundesverband
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Discount-Märkte legen 2002 entgegen dem Branchentrend bei Umsatz und Gewinn zu
Pressemitteilung vom 30.01.2003


Der Vorstoß der grünen Landwirtschaftsministerin Renate Künast für einen Eingriff in das Wettbewerbsrecht zu Lasten der Machtstellung der Discounter war richtig. Doch nun hat Schröder sie zurückgepfiffen. Wer zur Grünen Woche als Nichtlandwirt durch die Messehallen am Berliner Funkturm schlenderte, mochte sich angesichts der Diskussion um Schleuderpreise für Lebensmittel und den Preiskrieg im Handel verwundert die Augen reiben: Was soll hier nicht in Ordnung sein? Die Hallen auf der Grünen Woche waren voll, wie seit 1991 nicht. 500.000 Besucher futterten wie eh und je, die Bio-Halle hat sich als fester Bestandteil der Agrarschau etabliert und die gleichzeitig laufende Fruchthandels-Fachmesse Fruit Logistica verzeichnet sogar eine Rekordbeteiligung. Doch der Eindruck täuscht. Der Vorstoß der grünen Landwirtschaftsministerin Renate Künast für einen Eingriff in das Wettbewerbsrecht zu Lasten der Machtstellung der Discounter war richtig im Sinne der Bauern. Nun hat Schröder sie zurückgepfiffen. Dabei ließen sich weitere Gründe aufführen: Das Preisniveau für Nahrungsmittel in Deutschland ist niedriger als in fast allen anderen Industrieländern. Klasse statt Masse, lautet also das Motto von Künast. Aber weshalb haben die Discount-Märkte 2002 wohl entgegen dem Branchentrend bei Umsatz und Gewinn zulegen können? Weil die Kunden wahrscheinlich der Meinung waren, dass die Qualität trotz der niedrigeren Preise stimmt. Deutschland ist nun mal nicht Frankreich, wo lieber an anderen Dingen gespart wird als an der Fleischtheke. Eine Neufassung der Wettbewerbsgesetze wird es also nicht geben. Künast wird daher nichts anderes übrig bleiben, als auch weiterhin bei den Verbrauchern für ihre Ziele die Werbetrommel zu rühren. Erst wenn die Vision ihrer Agrarwende in den Köpfen der Menschen angekommen ist, werden sich sichtbare Erfolge einstellen. Die allgemeine Konjunkturflaute hat aber auch vor der Lebensmittelbranche nicht halt gemacht. Bundesweit gingen 2002 in Deutschlands Ernährungswirtschaft 18.000 Arbeitsplätze verloren, allein in Sachsen sank die Zahl der Beschäftigten um mehr als 700. Den Bauern geht es nicht besser. Der Deutsche Bauernverband meldet ein zweistelliges Minus bei den Einkommen und eine extreme Zurückhaltung bei Investitionen in die Landwirtschaft. Hinzu kommt, das Jahr für Jahr Höfe geschlossen werden müssen. Der Berufsstand gilt nicht gerade als attraktiv, denn die Arbeit ist hart, der Lohn nicht umwerfend, und auch die Freizeit fällt dürftig aus. Fast Dreiviertel der Fläche Deutschlands wird von den Bauern bewirtschaftet. Doch was wird passieren, wenn immer weniger Landwirte dies zu immer höheren Kosten und sinkenden Preisen tun müssen? Die deutsche Landwirtschaft wird sich im Laufe der Jahre wahrscheinlich stark verändern. Wenn die EU-Ausgleichszahlungen weiter sinken, werden eben noch mehr Kühe auf der Weide fehlen und Flächen brach fallen. Dann Adieu alte deutsche Kulturlandschaft.

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