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Sternenstaub
Rinderwahnsinn – Fiktion und trauriger Ernst
Von Hartmut Petersohn


01.02.2001

Schriftsteller haben phantastische Vorhersagen gewagt – und über Generationen hinweg waren Leser fasziniert, wie präzise sie eintrafen. Jules Verne und Stanislaw Lem fallen den meisten wahrscheinlich zuerst ein. Sie erfanden in Ihren Büchern Maschinen und Geräte, die uns heute längst vertraut sind. Aber die Literaten warnten auch vor Gefahren – sie sind uns inzwischen nicht weniger geläufig. Dass sich der dänische Autor Peter Hoeg so schnell in die Reihe der Vorhersage-Autoren einreiht, war nicht zu vermuten. Hoeg erzählte vor einigen Jahren in seinem Buch „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ die Geschichte einer jungen Inuit-Frau, die mutig einem unheimlichen Phänomen nach geht. Im ewigen Eis ihrer Heimat ist ein todbringender Keim eingeschlossen – vor Urzeiten vom Himmel auf Grönland gefallen. Diesen Weg könnte auch der Erreger des Rinderwahnsinns genommen haben. Das jedenfalls vermuten britische Wissenschaftler der Universität Wales. Professor Chandra Wickramsainghe weiß, dass „Mikrobakterien regelmäßig in den Wintermonaten“ auf die Erde fallen. Daraus schließt er, der „bakterielle Sternenstaub fällt auf Weiden und Felder, und Rinder fressen ihn mit Gras“. Wickramsainghe soll bisher nicht durch exzentrische Äußerungen aufgefallen sein, heißt es. Nur macht die skurrile Vermutung des Briten auf das ganze Ausmaß des augenblicklichen Dilemmas aufmerksam: So lange weder Ursprung noch exakt die Übertragungswege dieser furchtbaren Krankheit nicht einmal annäherungsweise wissenschaftlich beschrieben werden können, finden selbst die abenteuerlichsten Hypothesen Gehör.

Die Forderung nach Tests am lebenden Rind ist nicht sehr seriös – es gibt sie nicht.

Inzwischen sind selbst die Tests in Verruf geraten. Sie galten bisher als Strohhalm, ließen sie doch immerhin Handlungsspielraum, auch wenn der sich auf die Tötung der Tiere einer Herde beschränkte. Der Leipziger Virologe Hermann Müller hat das Dilemma bereits in der vergangenen Woche vor sächsischen Bauern benannt (siehe Interview mit der Freien Presse). Man könne keine hundertprozentige Tests erwarten, dazu sei der Erreger zu kompliziert und zu ungewöhnlich. Wenn nun der sächsische Landwirtschaftsminister Steffen Flath eine Ausdehnung der BSE-Tests „möglichst am lebenden Rind“ fordert, so zeigt das nur die Hilflosigkeit der Politiker. Denn solche Tests gibt es nicht – leider, und damit ist eine solche Forderung nicht sehr seriös. Sie hat ein bisschen die Qualität des Sternenstaubes, der auf die Wiesen fällt. Ernst zu nehmen ist dagegen das Verlangen der Sachsen nach einem BSE-Bekämpfungsgesetz, das wenigstens die Chance offen lässt, mit der von Wissenschaftlern angemahnten Rigorosität gegen diese schreckliche Krankheit vorzugehen.

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