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„Auch Großbetriebe mit dem Messer des DBV im Rücken!“
Pressemitteilung vom 29.01.2009


Der VDL hat sich vehement gegen den Beschluss der Mitgliederversammlung des Deutschen Bauernverbandes im letzten Jahr gegen die Absicht gewandt, die Milchquote abzuschaffen, weil der Wegfall der Milchquote zu ruinösen Preisverlusten am Milchmarkt führen würde.

Die Quote zügelt die weitere Erhöhung der Milchmengenproduktion. Denn nach Angebot und Nachfrage folgen bei mehr Milch auf dem Markt Preisverluste.

Das dem so ist wird nun auch den westdeutschen Agrarmedien bewusst. Ganz interessant ist ein Artikel in top agrar Münster, der in großer Klarheit die Situation am Milchmarkt analysiert. Die „top agrar“ schreibt (veröffentlicht im Internet unter www.topagrar.com in der Rubrik „topnews“ vom 29.01.2009):

O-Ton top-Agrar
„Hat die Molkerei Müller im sächsischen Leppersdorf letztes Jahr immerhin noch gut 30 Cent für den Liter Milch bezahlt, gab es im Januar nur noch 25 Cent. Und demnächst will die Molkerei gar nur noch 19 Cent je Liter zahlen. „Das ist eine Katastrophe“, sagt Timo Wessels, 29-jähriger Geschäftsführer des Agrarbetriebs Damsdorf Wessels GbR im Kreis Potsdam wütend. Denn schließlich habe sich an den Kosten – Futter, Energie, Treibstoff – wenig verändert.

Wie der Tagesspiegel weiter schreibt, muss Wessels nach seinen Angaben rund 33 Cent pro Liter Milch aufwenden. Die Situation werde immer schwieriger. 330 Milchkühe würden bei ihm im Stall stehen. Auch seine insgesamt in der GbR beschäftigten 30 Mitarbeiter erwarteten ihr Gehalt. Wütend ist Wessels laut der Zeitung vor allem auf die Politiker und auf den Deutschen Bauernverband. „Erst erhöhen sie die Milchquote und dann schreien sie nach Hilfspaketen“, regt er sich auf.

In Brandenburg würden immerhin rund 17 000 Jobs an der Milchbranche hängen. Landesagrarminister Dietmar Woidke (SPD) fordere deshalb von EU ein „schnelles Eingreifen“. So könnten nicht ausgegebene Mittel aus dem EU-Agrarhaushalt genutzt werden, um umgehend einen Hilfsfonds für die Milchbauern aufzulegen. Die Voraussetzungen dafür müssten zuvor allerdings auf einer Sonderagrarministerkonferenz geklärt werden, habe am Dienstag das Agrarministerium geantwortet.

Bei den Vertretern der märkischen Bauern würden laut dem Tagesspiegel die Meinungen zum Thema Hilfsfonds allerdings weit auseinander gehen. Während der Landesbauernverband die Initiative begrüße, halte man beim konkurrierenden Bauernbund Brandenburg nichts davon. „Wir wollen das Geld nicht“, wird Geschäftsführer Reinhard Jung zitiert: „Wir befürchten, dass davon nur einige spezielle Betriebe profitieren würden. Jung bemängelt, dass ein Hilfsfonds an dem eigentlichen Problem – dem Überangebot an Milch auf dem Markt – nichts ändern würde.“

Tanneberger für Bestand der Milchquote
VDL-Präsident Dieter Tanneberger sieht sich durch diese Berichte bestätigt, „dass die Quotenfreigabe die eigentliche Ursache für den Milchpreisverfall ist. Der Weg über einen Milchfonds, bei dem nicht klar geregelt ist, wer und wieviel der einzelne Milchbauer an Zuwendungen aus den Modulationsgeldern erhält, ist der falsche Weg. Wir brauchen eine Umsteuerung der Milchquotenpolitik in Brüssel. Die Milchquote muss erhalten bleiben, da die Mengenbegrenzung für die Preisentwicklung entscheidend ist. Daraus folgt: Milchquote erhalten, Milchpreis stabilisieren“, so Tanneberger.

„Man kann auch einen Vergleich zur aktuellen Finanzkrise ziehen. Der globalisierte Finanzmarkt ist zusammengebrochen. Genauso wird ein globalisierter Nahrungsmittelmarkt zusammenbrechen, weil er die Not der dritten Welt auf europäische und auf deutsche Verhältnisse projiziert. Die schrankenlose Spekulation auf den Weltagrarmärkten, insbesondere auf dem Markt der Milch- und Milcherzeugnisse wird ähnlich der zusammengebrochenen Finanzmärkte in einer Katastrophe enden. Der DBV und sein jetziger Präsident Sonnleitner muss dafür in die politische Haftung genommen werden.“

Bauernstimmen
Top Agrar lässt betroffene Milchbauern zu Wort kommen, deren Inhalten nichts hinzuzufügen ist:

Danke DBV: Der DBV hat mit aller Macht für den Milchpreisverfall gekämpft siehe Bamberger Beschluss und Ablehnung der Forderungen des Milchgipfels. Durch diese Verbandspolitik werden jetzt alle Milchbauern und sogar die großen Zukunftsbetriebe ruiniert. Wer jetzt noch Mitglied ist, finanziert damit seinen eigenen Totengräber.

Messer im Rücken: Jetzt steckt den Großbetrieben auch schon das Messer des DBV im Rücken! Wacht endlich auf!!!!

Fischer-Boel macht Hoffnung
Zu Beginn der Woche trafen sich die EU-Agrarminister das erste Mal unter dem Vorsatz Tschechiens. Dabei ging es auch um zusätzliche Hilfen für den darbenden Milchmarkt.

Wie der neue Agrarratspräsident Petr Gandalovic darlegte, sind die Hauptziele unter seinem Vorsitz, das gemeinsame "Grünbuch Qualität" für Nahrungsmittel, die Ausarbeitung der Health Check-Beschlüsse vom letzten November und der Abbau der Ungleichgewichte bei den Beihilfen für Bauern in Ost und West.

Nachdem sie auf der Grünen Woche bereits Exporterstattungen für den Milchsektor ab März angekündigt hatte, stellte EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer-Boel für den gebeutelten Milchmarkt im Rahmen der sogenannten "neuen Herausforderungen" weitere Mittel noch vor der Sommerpause in Aussicht. Diese sollen aus dem 1,5 Milliarden Euro-Topf an nicht verwendeten Geldern kommen, die die Kommission für den Agrarbereich im Zuge der Finanzkrise vorgesehen hat. Um die Gelder freizumachen, müssen jedoch den Vorschlägen zunächst noch die Finanzminister und danach das Europaparlament zustimmen.

Mit dem Geld will Frau Fischer-Boel vor allem kleineren Landwirten in benachteiligten Gebieten unter die Arme greifen. Nachdem sie den Health Check im letzten Jahr zum Abschluss gebracht hatte, zeigt sich die Kommissarin im letzten Jahr ihrer Amtszeit von einer milden Seite, wie sich auch auf der Grünen Woche in Berlin zeigte.

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