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Biotechnologie
Medizin vom Acker: Forscher produzieren Antikörper aus Pflanzensamen
Pressemitteilung vom 25.01.2007


Ein internationales Forscherteam will mit Hilfe von gentechnisch veränderten Pflanzen die Produktion zehn- bis hundertmal billiger machen.

Washington/Heidelberg - Mit Pflanzensamen hat ein internationales Team von Biotechnologen große Mengen von Antikörpern zur Behandlung von Krankheiten produziert. Wie die Forscher um Bart van Droogenbroeck von der Universität im belgischen Gent in den "Proceedings der US-Akademie der Wissenschaften" (PNAS) berichtet, bestehen die Samen der von ihnen gentechnisch veränderten Exemplare der Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana) zu rund zehn Prozent aus solchen Molekülen. Dabei sei ein Vorteil von Pflanzensamen, dass sich in ihnen im Gegensatz zu Blättern wesentlich höhere Konzentrationen von Antikörpern anreichern lassen, so die Forscher. Zudem seien diese gentechnisch hergestellten Proteine sehr stabil. Antikörper werden vom Immunsystem produziert und erkennen aufgrund ihrer Form Krankheitserreger, die sie daraufhin markieren. Diese Markierung ist für andere Zellen des Abwehrsystems das Signal, die eigentlichen Eindringlinge zu bekämpfen. Daher bilden Antikörper die Basis vieler Medikamente, müssen aber bisher aufwendig mithilfe von Bakterien oder tierischen Zellen produziert werden. Entsprechend teuer ist die Herstellung von Medikamenten, die solche Antikörper enthalten. Gentechnisch veränderte Pflanzen sollen die Produktion zehn- bis hundertmal billiger machen, schreibt van Droogenbroeck, der unter anderem mit seinen Kollegen Colanesi, Hillmer und Robinson von der Uni Heidelberg Antikörper gegen das Hepatitis A-Virus (Gelbsucht) in den Samen der Ackerschmalwand angereichert hat.

Die pflanzlichen Antikörper, sogenannten Plantibodies, unterscheiden sich zwar in einigen Details vom Original, erklären die Autoren. Etwa seien die Antikörper weniger lang als normale Antikörper. Die gegen das Hepatitis A-Virus gerichteten Moleküle aus der Pflanze hätten den Erreger aber ebenso gut erkannt und neutralisiert wie die herkömmlich hergestellten Antikörper.

Weltweit arbeiten zahlreiche Gruppen daran, die aufwendige Produktion von Antikörpern von der kostspieligen Zellkultur im Labor in Pflanzen hinein zu verlagern. Im Oktober 2006 hatte ein Unternehmen aus Halle ebenfalls in den "PNAS" berichtet, Antikörper gleich grammweise in Pflanzen produziert zu haben. Zuvor hatten US-Forscher unter anderem das Wachstum menschlicher Krebszellen mit Antikörpern aus Pflanzen unterdrückt.

Quelle: dpa am 16.01.2007

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