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    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
    Dresdner Straße 46
    09526 Dittmansdorf
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Deutsch-Russischer Jugendaustausch
Russische Praktikanten wollen nach Sachsen
Pressemitteilung vom 20.01.2005


Der VDL Sachsen e.V. hat eine Anfrage von russischen Studenten der Agrar-Universität Orjol erhalten, die im Sommer 2005 (Juli bis September) bei privaten Landwirten in Sachsen ein Praktikum absolvieren möchten. Die Studenten sind im 2. bis 4. Studienjahr, haben Führerscheine für PKW und Traktor und beginnen Anfang Dezember 2004 intensiv Deutsch zu lernen.
Unterkunft und Verpflegung sowie ein Tagesgeld sind erforderlich. Zu versichern sind die jungen Leute über die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft MOD in Hönow.

Interessierte Landwirtschaftsbetriebe melden sich bitte beim: VDL Sachsen e.V., Dresdner Straße 46, 09526 Pfaffroda-Dittmannsdorf, Telefon: 037360/6344, Telefax: 6366.

Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte im Dezember 2004 mit Präsident Wladimir Putin ein Abkommen über die verbesserte jugendpolitische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Rußland unterzeichnet.
Mit dem Abkommen soll der Jugendaustausch zwischen den beiden Ländern einen festen rechtlichen Rahmen und eine organisatorische Struktur bekommen, die dabei hilft, die großen bürokratischen Hürden aus dem Weg zu räumen, von denen der Austausch oft gebremst wird.

Zu diesem Zweck soll in Deutschland eine "Stiftung deutsch-russischer Jugendaustausch" gegründet werden, der nach dem Willen ihrer Initiatoren eine ähnliche Funktion und Bedeutung zukommen soll wie dem 1963 gegründeten deutsch-französischen und dem 1991 gegründeten deutsch-polnischen Jugendwerk.
Anders als die rein staatlichen Jugendwerke entsteht die Stiftung aber in Zusammenarbeit von Staat und privaten Organisationen. Ihre Mittel von zunächst vier Millionen Euro im Jahr erhält sie je zur Hälfte von privaten Geldgebern - der Robert-Bosch-Stiftung und Unternehmen aus dem Ostausschuß der deutschen Wirtschaft - und der Bundesregierung.

Diese Konstruktion, die auf Initiative der Bosch-Stiftung zustande kam, soll einen Schüleraustausch, wie er etwa in den Beziehungen zu Frankreich üblich ist, auch zwischen deutschen und russischen Schulen möglich machen. Bisher scheiterte dies an den Finanzen und Kompetenzgerangel: Bundesmittel dürfen dafür wegen der Schulhoheit der Länder nicht verwendet werden, doch die Länder haben die Gelder für Jugendbegegnung in den vergangenen Jahren drastisch reduziert oder gar gestrichen.

Nach Ansicht der Bosch-Stiftung ist aber der Schüleraustausch, der nun aus dem privaten Anteil der "Stiftung deutsch-russischer Jugendaustausch" gefördert werden soll, von besonderer Bedeutung: Das Erlernen der Sprachen spielt dabei eine größere Rolle als bei anderen Formen des Jugendaustauschs - und sowohl die Zahl der Russischschüler in Deutschland als auch die der Deutschschüler in Rußland geht zurück.

Vor allem aber werde beim Austausch ganzer Schulklassen die in Rußland wieder stärker werdende Tendenz unterlaufen, die Zusammensetzung von Jugendgruppen, die an Begegnungen teilnehmen, staatlich zu kontrollieren. Um zu verhindern, daß deutsche Schüler nur handverlesenen russischen Jugendlichen aus Moskau und der Präsidentenstadt Petersburg begegnen, wird in dem Abkommen zudem festgelegt, daß bei den Austauschprogrammen Schulen aus allen russischen Regionen berücksichtigt werden müssen.

Bei Bundeskanzler Schröder habe man mit dem Vorschlag einer öffentlich-privaten Partnerschaft für den deutsch-russischen Jugendaustausch offene Türen eingerannt, war aus Geschäftsführung der Robert-Bosch-Stiftung zu erfahren. Doch wie andere gesellschaftliche Organisationen zur Förderung der Kontakte zwischen Deutschland und Rußland - zum Beispiel das Deutsch-Russische Forum – habe die "Stiftung für den deutsch-russischen Jugendaustausch" kein russisches Gegenüber. Die Funktionen, die in Deutschland das Büro der Stiftung übernehmen wird, werden in Rußland bei einer Behörde innerhalb des Bildungsministeriums angesiedelt sein.

Wie die F.A.Z. am 20.12.2004 berichtete, stieß in dessen Apparat die Beteiligung privater Organisationen und Geldgeber an der deutschen Stiftung auf eine starke Ablehnung, die nach Einschätzung deutscher Teilnehmer an den Verhandlungen über das Abkommen nur überwunden werden konnte, weil ein schneller Abschluß im Kreml an allerhöchster Stelle gewünscht wurde. Der Widerstand im russischen Bildungsministerium zeugt indes davon, daß dort eine weitere Intention der Bosch-Stiftung richtig verstanden wurde: Über die von der "Stiftung für deutsch-russischen Jugendaustausch" getragene Zusammenarbeit sollen auch in Rußland zivilgesellschaftliche Organisationen gestärkt werden.

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