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    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
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Energiewende auf dem Bauernhof
Pressemitteilung vom 23.01.2003


Ob es nun eine Photovoltaikanlage auf dem Scheunendach, ein Brennholzofen, eine Biogasanlage oder Rapsöl für den Tank - von einer Energiewende auf dem Bauernhof kann nicht nur die Umwelt, sondern auch der Geldbeutel des Landwirtes profitieren.

Biogasanlagen
Mit einer Biogasanlage auf dem Hof kann man eigene Gülle und Grünabfälle rentabel und CO²-arm in Wärme umsetzen. Oder aber man verwertet gleich in großem Maßstab Biomüll und Kompostabfälle - z.B. des Landkreises - und verkauft gewinnbringend das entstehende Methangas zur Stromgewinnung. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz garantiert derzeit für jede ins Netz eingespeiste Kilowattstunde 10,1 Cent. Allerdings werden Bioabfälle wegen der steigenden Zahl von Anlagen knapper und deshalb auch geringer vergütet als noch vor gut einem Jahr. Eine Entspannung könnte jetzt eintreten. Ab 1. November 2002 ist es verboten, Speisereste an Schweine zu verfüttern. Und diese Reste werden dann aller Voraussicht nach in Biogasanlagen wandern.
Informationen über die Förderprogramme von Land und Bund erteilen die Landwirtschaftsämter, der Bayerische Bauernverband in München und C.A.R.M.E.N., das Centrale Agrar-Rohstoff-Marketing- und Entwicklungs-Netzwerk in Straubing.

Energieträger Holz
Eine andere Möglichkeit umweltfreundlich Energie zu gewinnen ist die Verwertung des nachwachsenden Rohstoffs Nummer Eins: Holz. Rund ein Zehntel des bayerischen Primärenergieverbrauchs könnte durch Holz gedeckt werden - verbrannt in modernen Heizungsanlagen.

Scheitholzkessel und Hackschnitzelheizung
Sowohl die technisch einfachen Scheitholzkessel als auch die etwas aufwendigeren und teureren Hackschnitzelheizungen sind etwa zwei bis dreimal so teuer wie eine herkömmliche Gas- oder Ölheizung. Dennoch können sie sich rentieren: Zweieinhalb Kilo trockenes Holz oder Hackschnitzel entsprechen dem Heizwert von einem Liter Öl. Sobald sich der Preis für einen Liter Heizöl zwischen 20 und 25 Cent bewegt, zahlt sich eine Scheitholzfeuerung bereits aus. Die Hackschnitzelheizung rechnet sich ab einem Preis zwischen 25 und 30 Cent für den Liter Heizöl.

Pelletfeuerung: problemlos, umweltfreundlich aber teuer
45 bis 50 Cent muss ein Liter Heizöl allerdings schon kosten, bevor sich eine Pelletfeuerung rentiert. Pellets, Presslinge aus getrocknetem und naturbelassenem Restholz, werden ohne Bindemittel hergestellt und haben einen weit höheren Heizwert als Scheitholz.
Pellets lagern wie Öl im Tank und werden genauso problemlos verheizt. Bei der Verbrennung erzeugen sie jedoch nur etwa ein Fünftel soviel CO² wie Heizöl. Verbrannt werden sie in Einzelöfen und in Zentralheizungen. Pelletheizungen sind wegen ihrer relativ hohen Kosten für den Landwirt zwar eher uninteressant, die Herstellung der Pellets könnte sich aber langfristig lohnen. Denn in der Stadt finden Pelletöfen immer mehr Anklang. Das Marktanreizprogramm des Bundes fördert Hackschnitzel- und Pelletheizungen, nicht aber Scheitholzanlagen.

Energieträger Getreide
Während man Holz guten Gewissens verheizt, scheiden sich bei Getreide die Geister. Einerseits ist es ein Grundnahrungsmittel und es als solches zu verbrennen erscheint unethisch. Andererseits hat Getreide einen hohen Brennwert und in den letzten Jahren sind die Preise für Roggen, Hafer oder Gerste so gesunken, dass sich ihr Einsatz für die Energiegewinnung durchaus lohnen kann. Abfallgetreide minderer Qualität kostet zur Zeit ab Hof nur noch rund 50 Euro pro Tonne. Rechnet man über den Heizölpreis, kostet Getreide gegenwärtig nur noch halb soviel wie Heizöl. Da sein Heizwert in der Nähe desjenigen von Holz liegt, machen sich viele Landwirte jetzt über seine Nutzung als Energieträger Gedanken. Doch noch ist Getreide nicht als Regelbrennstoff freigegeben und der Landwirt braucht für das Verheizen eine Sondergenehmigung vom Landratsamt. Ein weiteres Problem ist die Asche. Während Holzpellets bei ihrer Verbrennung nur 0,5 Prozent Asche hinterlassen, bleibt beim verbrannten Getreidekorn etwa fünf mal so viel übrig
- das kann die Anlage blockieren! Dennoch ergänzt Getreide als Brennstoff mittlerweile schon die Pellets in Einzelöfen. Denn in Lagerhäusern kostet Abputzgetreide nur noch 40 Euro die Tonne. Die gleiche Menge Pellets dagegen mehr als dreimal so viel. Und wenn man bereit ist, die Brennschale alle zwei bis drei Tage zu entleeren und die Asche abzuklopfen, kann man Pellets und Getreide durchaus zu gleichen Teilen verheizen.

Diesel aus Pflanzenöl
Die Energiewende auf dem Bauernhof ist auch möglich, wenn Landwirte die Rohstoffe für ihre Mobilität selbst produzieren, z.B. Raps. Rapsöl kann man entweder kaltgepresst belassen oder aber zu Biodiesel umestern und dann in jedem Dieselmotor fahren. Biodiesel ist chemisch zwar aggressiver als das gewöhnliche Diesel, viele Hersteller bieten aber schon serienmäßig und ohne Aufpreis Motoren an, die Biodiesel vertragen. Mittlerweile gibt es allein in Bayern rund dreihundert Tankstellen, die auch Biodiesel anbieten. Der Preisvorteil gegenüber dem üblichen Diesel beträgt etwas weniger als 10 Cent. Für den normalen Dieselfahrer ist dieser Preisunterschied interessant, für den Landwirt jedoch nicht. Er bekommt normalen Diesel, als so genannter "Agradiesel" staatlich gefördert, um 15 bis 20 Cent günstiger.

Kaltgepresstes Rapsöl
Will ein Landwirt seinen Traktor oder PKW dennoch mit Kraftstoff vom eigenen Feld antreiben, entscheidet er sich eher für das kaltgepresste, naturbelassene Rapsöl. Das ist nicht nur für das Klima günstig, sondern auch für den Geldbeutel - vorausgesetzt in einer Region wird so viel Raps angebaut, dass sich für seine Veredelung auch die Anschaffung einer Rapspresse lohnt. Da Rapsöl zähflüssiger als normaler Diesel ist, muss allerdings der Motor umgerüstet werden. Mit einem umgerüsteten Motor kann man dann zwischen Rapsöl und Diesel wechseln. Was die Landwirte zur Zeit noch zurückhält, ihre Traktoren auf Rapsöl umzustellen, sind vielleicht die Umrüstungskosten. Diese betragen rund 5.000 Euro für einen durchschnittlich starken Schlepper. Dabei kann ein Landwirt am so genannten "Hundert Schlepper-Programm" der Bundesregierung teilnehmen: der Staat übernimmt die Hälfte der Umrüstungskosten, bezahlt den Bau einer Rapsöltankstelle auf dem Hof und vergütet die Führung eines Protokolls mit 750 Euro. Im Gegenzug verpflichtet sich der Landwirt zu einer Fahrleistung pro Jahr von mindestens 800 Betriebsstunden.

Wassernutzung
Eine andere umweltfreundliche Energiequelle für einen Bauernhof ist das Wasser. Liegt der Hof an einem Bach oder an einem kleinen Fluss und ist sein Wasserrecht noch nicht erloschen, dann lohnt es, sich Gedanken über die Anschaffung einer Turbine zu machen. Mit einer Turbine, die im Jahr durchschnittlich 30.000 Kilowattstunden Strom erzeugt, kann man problemlos Wohnhaus, Landwirtschaft und zusätzliche Einrichtungen auf dem Hof mit Strom versorgen. Überschüssiger Strom fließt ins öffentliche Netz und wird über das Erneuerbare Energien Gesetz mit 7,6 Cent pro Kilowattstunde vergütet. Zwar bedeutet die Pflege einer Turbine auch Arbeitseinsatz, doch langfristig kann man mit so einem Mini Wasserkraftwerk Gewinn machen.

Quelle: www.br-online.de

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