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    Bundesverband
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CDU-Brandenburg für Roggenförderung
Von Rudolf Heckel, Dr. Ing. für Getreidetechnologie
Pressemitteilung vom 23.01.2003


Der Bedeutung des Roggens für die Bauern und des Roggenbrotes für die Verbraucher in der märkischen Landwirtschaft für die gesunde, zusatzstofffreie Ernährung der Menschen, wird die derzeitige EU-Landwirtschaftspolitik nicht gerecht. Den bäuerlichen Betrieben (Wiedereinrichter und auch Agrargesellschaften) werden durch den geplanten Wegfall der Roggenintervention auf den leichten Sandböden die Existenzgrundlagen entzogen. Die CDU Brandenburg setzt sich dafür ein, dass die Landwirtschaft nicht weiter als 5. Rad am Wagen des Verbraucherministeriums hängt, sondern beide Gruppen, die privaten Bauern und die Agrargenossenschaften, gleichberechtigt ministeriell von Landwirten geführt werden. In der CDU-Politik spielte die Landwirtschaft seit Jahren eine untergeordnete, fast vernachlässigte Rolle, was sich auch nachteilig auf die Wiedereinrichter – die seit Generationen mit dem Land verbundenen Bauern – auswirkte. Wer will heute schon Bauer werden? Es gibt fast keinen Nachwuchs mehr! Auch die Kollektivierung zu DDR-Zeiten hat junge Menschen – den bodenständigen Nachwuchs – von den Höfen vertrieben. Bei dem bevorstehenden weiteren Subventionsabbau, auch für brach liegende Ackerflächen, wird der Niedergang förmlich festgeschrieben. Seit vielen Jahrhunderten gedeiht der Winterroggen als unser ursprünglichstes Brotgetreide auf unseren kargen Böden gut und bringt immer relativ sichere Erträge auch dort, wo andere Kulturen (auch die Kartoffeln) versagen. Im Land Brandenburg werden z.Zt. noch ca. 250 000 ha Ackerfläche mit Roggen bestellt, ein unverzichtbares Standbein unserer Bauern, das es zu erhalten gilt. Wenn lt. Statistik bereits infolge von Witterungsbedingungen ein Ertragsrückgang von 6 Dezitonnen im Vergleich zum Vorjahr eine komplizierte Lage mit sich bringt und existenzgefährdend wirkt, müssen langfristige und weitreichende Maßnahmen getroffen werden, um die Stabilität unserer bäuerlichen Betriebe zu sichern; denn auch Polen wird mit seinen großen Roggenanbaugebieten in unseren Agrarmarkt einziehen! Laut EU-Kommissar Fischler soll die Roggenintervention (EU-staatlich kreditierter Aufkauf und Einlagerung zu festgesetzten Preisen und begrenzten Mengen) wegfallen, d.h. es wird noch weniger Absatz (Verkauf) von Roggen geben – die Bauern produzieren ins Leere bzw. für einen Hungerlohn. Was ist die Ursache für immer weniger Bedarf an Roggenmehl für das Roggenbrot? Bis vor ca. 50 Jahren wurde in jeder Bäckerei Roggenbrot aus reinem Roggenmehl der Type 997, das „helle“ Brot und aus Roggenvollkornmehl das „dunkle“ Brot, Roggenvollkornbrot, gebacken (Sauerteigführung!). -2- -2- Infolge von Roggenknappheit Mitte der fünfziger Jahre, die auf dem Gebiet der DDR zu echten Engpässen in der Brotversorgung führte, wurde ein sogenanntes Mischbrot eingeführt. Roggenmehle der Type 997 wurde mit 20 – 30 % Weizenmehl, das ist Mehl nach dem Vorwegzug des „weißen“ Weizenmehles der Type 405, also dunklerem Weizenmehl gemischt und demzufolge die reine Sauerteigführung des Teiges durch zusätzliche Hefezugaben verändert. Das reine Roggenbrot aus Mehl der Type 997 wurde so im Laufe der Jahre fast völlig verdrängt. Das Argument, unsere Verzehrungsgewohnheiten hätten sich geändert, ist ziemlich billig; die Bevölkerung kennt das gute, hervorragend schmeckende und sich bedeutend länger frischhaltende helle Roggenbrot kaum noch (Weizenmehlbrote und Mischbrote werden im Vergleich dazu sehr schnell altbacken). Was ist zu tun? Um unseren Bauernstand wieder mehr Existenzsicherheit zu bieten, müssen wir werbewirksam und langfristig geplant, die Medien und die Bevölkerung für das traditionelle, sauerteiggeführte Roggenbrot interessieren, und so im doppelten Sinne ökologisch zur Erhaltung unserer Umwelt (weniger Brache) und unserer ureigensten typischen Landwirtschaft beitragen. Es muss ein Roggenbrot marktfähig gemacht werden, das mit seinen ganz natürlichen Vorzügen, ohne Zusatzstoffe und ohne Frischhaltemittel wieder „unser täglich Brot“ wird. Die beiden Institute in unserem Kreis, das Institut für Getreideverarbeitung und das Deutsche Institut für Ernährung müssen für die Aktion gewonnen werden, ebenso „Pro Agro“ und selbstverständlich die Bäckereien. Die Entwicklungsarbeiten der Institute für Getreideverarbeitung auf dem Gebiet der Roggenverwertung, der Schaumstoff-, Dämmstoff- und Bodenabdeckplatten-Industrie, sowie der Landschaftsschutzbehörden tragen nur wenig zur Existenzsicherung unserer Bauern bei und sind angesichts der riesigen Welternährungsprobleme eine fatale Unterlassung. Gegen den Abbau der Roggenintervention mobil machen Die Bevölkerung ist über das reine Roggenbrot aufzuklären und zu interessieren (Grüne Woche). In die Lehrlings- und Meisterausbildung der Bäcker ist die Sauerteigführung für die Roggenbrotherstellung wieder stärker einbeziehen. Einen etwas höheren Preis für das reine Roggenbrot wird akzeptiert werden, weil ein geringfügig höherer Zeitaufwand und mehr Geschick und Einfühlungsvermögen für dieses reine sauerteiggeführte Roggenbrot erforderlich sind. Die Einbeziehung der IHK und der Getreideinstitute in Detmold und Berlin ist mit zu erwägen. Deutsche Landwirte Pressestelle

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