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Europa fällt in der Biotechnik zurück
Soja, Raps und Mais – der Anbau transgener Sorten wächst deutlich
Aus einem Bericht der Internationalen Landwirtschaftsagentur ISAAA
Pressemitteilung vom 23.01.2003


Das größer werdende Europa mag sich auf der internationalen Bühne als politischer und ökonomischer Machtfaktor immer öfter zu profilieren versuchen, in einer Hinsicht ist es im Wettstreit mit der Konkurrenz aus Übersee längst hoffnungslos zurückgefallen: Die Nutzung der grünen Gentechnik spielt in der Alten Welt keine Rolle. Lediglich in Spanien werden auf einem kleinen Teil der Ackerflächen gentechnisch veränderte Kulturpflanzen – ausschließlich insektenresistenter Mais – angebaut. Auf gerade einmal 25.000 Hektar beläuft sich die seit 1998 mit transgenen Sorten bepflanzte Fläche. In der weltweiten Statistik taucht Europa damit nur noch als Fußnote auf. Eine solche Erhebung – die einzige, die aktuelle internationale Vergleichsdaten zusammenstellt – präsentiert jedes Jahr die internationale Landwirtschaftsagentur ISAAA. Ihr jetzt veröffentlichtes neues Zahlenwerk macht deutlich, dass zwar viele Länder auch außerhalb Europas weiterhin zurückhaltend bleiben, was die Nutzung der grünen Gentechnik angeht. Insgesamt aber, und in einigen Regionen wie China und den Vereinigten Staaten im besonderen Maße, erobern die biotechnisch erzeugten Kultursorten seit der Markteinführung des ersten transgenen Saatguts vor sechs Jahren weiter rasch neues Terrain.
Im vergangenen Jahr ist die Anbaufläche der transgenen Nutzpflanzen weltweit um zwölf Prozent auf jetzt insgesamt 58,7 Millionen Hektar gestiegen. Fast 99 Prozent davon findet man in vier Ländern: die Vereinigten Staaten, wo bereits fast vierzig Millionen Hektar angebaut werden, Argentinien mit knapp zwölf Millionen Hektar sowie Kanada und China. In China war der relative Zuwachs am größten: Innerhalb eines Jahres ist dort der Anbau vor allem von transgener Baumwolle um vierzig Prozent angestiegen. Mehr als die Hälfte der von den chinesischen Bauern geernteten Baumwolle stammt inzwischen von genveränderten Sorten. Außer in den vier Hauptanbauländern wurde die grüne Gentechnik von zwölf weiteren Nationen genutzt. Indien, Kolumbien und Honduras haben zum erstenmal den Anbau der neuen Sorten – hauptsächlich insektenresistente Baumwolle und Mais – genehmigt.
Auch wenn man die einzelnen Nutzpflanzenarten ansieht, hat sich im vergangenen Jahr gezeigt, dass sich die Landwirte offenbar von der Gentechnik einiges versprechen – in den meisten Fällen jedenfalls. Die Flächen mit den drei wichtigsten gentechnisch modifizierten Sorten Soja, Mais und Raps sind jedenfalls deutlich gewachsen. Demgegenüber ist die insektenresistente Baumwolle, während sie in China mächtig an Boden gewonnen hat, in den Vereinigten Staaten rückläufig.
Weltweit gesehen wurden freilich wie im Jahr davor knapp sieben Millionen Hektar Ackerfläche mit transgener Baumwolle bepflanzt.
Bei den genannten vier Pflanzenarten ist der Anteil der gentechnisch erzeugten Sorten am gesamten Saatgut auf knapp ein Viertel gestiegen. Bei Sojabohnen ist der Anteil im Vergleich zum Vorjahr am deutlichsten, er ist um rund zehn Prozent auf 36,5 Millionen Hektar gestiegen. Weltweit werden damit fast schon ein Drittel der Sojabohnen mit biotechnologisch hergestelltem Ausgangsmaterial erzeugt. Auf dem argentinischen Markt sind die alten Sorten praktisch vollständig verschwunden.
Wie sich das auch hierzulande auswirkt, hatte unlängst eine Erhebung der bayerischen Lebensmittelbehörden gezeigt. Dort hat man bei einer Stichprobe in jeder zehnten, mit Soja versetzten Lebensmittelprobe Spuren von transgenem Material gefunden. In einigen Fällen war auch der von den europäischen Ministern im Dezember verabschiedete Schwellenwert überschritten worden. Als gentechnisch verändert war keines der Lebensmittel gekennzeichnet.
In den Vereinigten Staaten und China werden seit vorigem Jahr auf allerdings kleinen Flächen neue Nutzpflanzenarten wie Papayas, Zucchini oder Chili angebaut. Wie bei den älteren transgenen Sorten handelt es sich auch dabei um Gentechnikgewächse der „ersten Generation“, deren Widerstandskräfte gegen Unkrautvernichtungsmittel und Schädlingsfraß man künstlich, durch den Einbau fremder Gene erhöht hat. Neue Sorten der „zweiten Generation“, die mit gentechnischen Eingriffen qualitativ verbessert werden sollen oder die vor Trockenheit oder Versalzung besser gefeit wären, sind noch immer nicht auf dem Markt.

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