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Klimawandel
Der Klimawandel macht auch Obst und Gemüse zu schaffen. Experten fürchten, dass einige traditionelle Sorten bald nicht mehr in Deutschland wachsen werden. Zugleich eröffnen sich neue Chancen für die Landwirtschaft.
Pressemitteilung vom 18.01.2007


Der norddeutsche Apfel Holsteiner Cox könnte ein Opfer des Klimawandels werden, der aus Neuseeland eingewanderte Braeburn ein Profiteur. Auch wenn die Erwärmung weiter voranschreitet, können deutsche Verbraucher wohl nie Bananen und Zitronen, aber vielleicht verstärkt Tomaten und Gurken aus heimischem Anbau kaufen.
Noch ist vieles Spekulation und die Forschung nicht weit genug. Agrar- und Klima-Experten sind sich aber bereits einig: Der Klimawandel wird Auswirkungen auf die deutsche Landwirtschaft haben und zu Sortenverschiebungen führen. Das Potsdamer Institut für Klimawandelforschung rechnet damit, dass die Landwirtschaft in ganz Deutschland vom Klimawandel betroffen sein wird, allerdings mit regionalen Unterschieden. "Im Westen wird es wärmer und wahrscheinlich feuchter, im Osten hingegen wärmer und im ungünstigsten Fall trockener", sagte Projektleiter Frank Wechsung.

Mehr frisches Obst für deutsche Verbraucher
Wechsung hält es für möglich, dass die deutsche Obst- und Gemüseproduktion insgesamt von einem Klimawandel profitiert. Teilweise sei schon jetzt ein verbessertes Wachstum von wärmeliebenden Kulturen, wie beispielsweise dem Mais, zu erkennen. "Damit verbessern sich langfristig gesehen vielleicht die Möglichkeiten für deutsche Verbraucher, frisches Obst und Gemüse aus dem Umland zu erwerben", sagte Wechsung.

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Der Deutsche Bauernverband glaubt jedoch nicht daran, dass irgendwann in größerem Maße Bananen, Ananas oder Zitrusfrüchte in Deutschland angebaut werden können. "Das verhindern die Winterfröste", sagte der Fachreferent für Obst und Gemüse, Hans-Dieter Stallknecht. "Lediglich im Hobbyanbau werden in Freiburg oder Rheinhessen schon heute Kiwis oder Feigen reif", sagte Stallknecht. Aber für den gewerbsmäßigen Anbau werde es wohl nie reichen. Stallknecht betonte, dass ohnehin noch vieles im Bereich der Spekulation liege. "Uns fehlen einfach die Erfahrungswerte, um einschätzen zu können, welche Folgen beispielsweise ein milder Winter wie dieser hat", sagte Stallknecht. Schließlich sei dasselbe Wetter immer für einige Pflanzen gut und für andere schlecht.

Einige Sorten verschwinden, andere kommen hinzu
Einig sind sich die meisten Experten, dass es zu einer Verschiebung der Sorten kommen wird. Einige werden verschwinden, andere hinzukommen. "Manche Apfelsorten reagieren schon auf einen Temperaturunterschied von ein bis zwei Grad", sagte der Leiter der vom Land Niedersachsen betriebenen Obstbauversuchsanstalt, Karsten Klopp.
So könnten beispielsweise etablierte norddeutsche Sorten wie der Holsteiner Cox, die mit höheren Temperaturen nicht so gut klar kommen, irgendwann ganz verschwinden.
Profitieren könnte hingegen der aus Neuseeland stammende Braeburn, der seit zirka zehn Jahren in Norddeutschland angebaut wird und längere Reifezeit braucht.

Neue Getreidesorten züchten
Der Bauernverband appelliert an die Forschung, Sorten zu entwickeln, die den veränderten klimatischen Anforderungen gewachsen und wetterfest sind, sagte Pressesprecherin Agnes Scharl. Dies sei vor allem im Getreideanbau wichtig, für den extrem heiße Sommer wie der im Jahr 2003 fatale Folgen haben, ergänzte Scharl. Im Gemüseanbau sei das Problem nicht ganz so groß, da dort ohnehin viel mit künstlicher Bewässerung gearbeitet werde. Voraussichtlich werde das auch weiter zunehmen. "Dann muss man sich unter Umständen irgendwann fragen, ob das noch wirtschaftlich ist", sagte Scharl.
Auch das Institut für Klimawandelforschung misst der Entwicklung von neuen Sorten große Bedeutung bei. "Das gehört zu den wenigen Dingen, die man tun kann", sagte Wechsung. Die Länder dürften bei den Sortenversuchen nicht sparen. Außerdem müssten sie für die zunehmende Bewässerung ihren Wasserhaushalt im Blick halten.

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