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Agrarrohstoffe mit steigender Wertschätzung
Von Dietrich Ellies
Pressemitteilung vom 18.01.2007


Die Mehrheit der Bauern schätzt ihre wirtschaftliche Lage positiv ein und blickt zuversichtlich in die Zukunft. Es herrscht eine regelrechte Aufbruchstimmung. Deutschland hat mit 40 Milliarden Euro gerade ein Rekordergebnis im Agrarexport erzielt. Im Inland boomt die Nachfrage nach Bio-Produkten. Und immer mehr Landwirte bauen nachwachsende Rohstoffe an oder steigen als Energiewirte in die Produktion von Bioenergie ein.

Seit langem haben Bauern eine solche Situation nicht erlebt. Die Preisentwicklung für Feldfrüchte und Fleisch kannte bisher nur eine Richtung: Abwärts! Das hat sich seit Jahresfrist geändert. Agrarrohstoffe genießen nun auch eine weltweite Wertschätzung wie Öl, Gas oder Metalle.

4,5 Milliarden Euro geben die Deutschen mittlerweile für kontrolliert angebaute Lebensmittel aus. Das jährliche Wachstum des Marktes beträgt 15 Prozent. Die 17.000 Öko-Erzeuger kommen da nicht mehr mit. Die Nachfrage kann kaum befriedigt werden, meldet der Biogroßhandel. Schon muß im Ausland zugekauft werden. Der Aufwärtstrend hat längst auch die konventionelle Landwirtschaft erfaßt. Um Deutschlands Äcker ist ein regelrechter Konkurrenzkampf entbrannt. Wo früher die EU mit üppigen Subventionen düngte, finden die Bauern heute lukrative Absatzfelder abseits der EU-Quoten. Ob Biodiesel oder Biogas, Schweinemast oder Getreideproduktion: Jetzt ernährt der Markt die Bauern und nicht mehr der Zuschuss aus Brüssel. Landwirtschaft lohnt sich wieder.

Fast jeder zweite deutsche Landwirt will in naher Zukunft wieder investieren, die Zahl der geschlachteten Schweine ist im Vorjahr um drei Prozent gestiegen, für Milch und Getreide werden stabile bis steigende Preise erwartet. Wenn sich in früheren Jahren der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) an die Öffentlichkeit wandte, konnten die Journalisten entspannt einnicken und später die eigenen alten Texte aus dem Archiv ziehen. Die Preise, das Ausland, und dann die strengen Umweltauflagen: Kein Wunder, dass kein Bauer mehr einen Hofnachfolger finde. In diesem Jahr hatte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner überraschend einen neuen Text parat, als er über die Perspektiven für 2007 sprach: "Der Export von deutschen Agrargütern boomt." Deutscher Edelkäse, Fleisch- und Ölsaatprodukte seien wahre Exportschlager.

Zunächst gibt es die weltweit steigende Nachfrage. Das Wirtschaftswachstum in Indien und China führt dazu, dass auch dort zunehmend qualitativ hochwertige Lebensmittel nachgefragt werden. Schwache Ernten verstärkten den Nachfrageüberhang. Zum sechsten Mal in Folge hat der Getreideverbrauch im vergangenen Jahr die Erntemengen überstiegen. Die Vorräte sind zusammengeschmolzen. Die Verbraucher merken das an den Ladenkasse: Die Erzeugerpreise für Schweinefleisch sind im letzten Jahr um etwa 20 Prozent gestiegen. Allerdings werden die steigenden Getreidepreise für viele Bauern auch zum Problem, denn damit steigen auch die Futtermittelkosten - teilweise um bis zu 40 Prozent. Das Futter macht in der Mast die Hälfte der Kosten aus.

Silage ist zum begehrten Rohstoff auf dem wachstumsstärksten Ertragsfeld der Landwirte geworden, der Produktion von Energie: Immer mehr Landwirte werden mittlerweile zu Energiewirten.

Die rasant steigenden Energiepreise für Strom, Gas und Öl führen zu einer rasant wachsenden Nachfrage nach praktisch allem, was brennt. Selbst Holz ist heute wieder gefragt und erzielt Rekordpreise. Zwei Millionen Hektar nachwachsende Rohstoffe werden mittlerweile angebaut - mehr als irgendwo sonstwo auf der Welt. Neben dem Biodiesel aus Rapsöl produzieren neuerdings immer mehr Landwirte auch Wärme und Strom aus Feldfrüchten, mit Biogasanlagen.

Die Grundstoffe vergären in einem sechs mal zwölf Meter großen Silo bei 40 Grad Celsius, dabei wird Methangas frei. Dieses wird in einem umgebauten Dieselmotor verbrannt und treibt einen Stromgenerator an. Envia M zahlt pro Kilowattstunde 18,3 Cent. Und das Energie-Einspeise-Gesetz (EEG) schreibt fest, dass dies auch die nächsten 20 Jahre so bleibt.

Das Marktgesetz von Angebot und Nachfrage hat Einzug gehalten
Über so viel gute Laune können die Verbraucher zunächst einmal nur staunen. Schließlich waren sie seit Jahrzehnten daran gewöhnt, die Bauern klagen zu hören: über schlechtes Wetter, schlechte Ernten, schlechte Preise und die Brüsseler Bürokraten. Europäische Agrarpolitik galt als Synonym für gigantische Subventionen und eine zügellose Überproduktion, die Milchseen und Butterberge anwachsen ließ. Diese Vorstellung entspricht längst nicht mehr der Realität. Inzwischen hat das Marktgesetz von Angebot und Nachfrage Einzug in die Landwirtschaft gehalten. Immer mehr Bauern verstehen sich als Unternehmer und Manager. Sie sehen ihre Branche als einen Wachstumsmotor für den Standort Deutschland. Die Zahl der Auszubildenden in diesem Bereich ist allein im vergangenen Jahr immerhin um sieben Prozent gestiegen.

Rinderwahnsinn, Vogelgrippe und vor allem die jüngsten Gammelfleisch-Skandale haben das Interesse an Bio-Lebensmitteln in den vergangenen Jahren kontinuierlich ansteigen lassen. Längst werden Bio-Möhren und Bio-Marmelade nicht mehr nur in Bio-Läden verkauft. Immer mehr Supermärkte und Discounter werben mit Produkten aus ökologischem Anbau.

Es ist vor allem die Sorge um die Gesundheit, die immer mehr Deutsche zu Bio-Produkten greifen lässt. Die Entscheidung, ökologisch produzierte Lebensmittel zu kaufen, ist aber auch ein Beitrag zum Umweltschutz, denn der Einsatz von Pestiziden ist im Ökolandbau deutlich geringer als in der konventionellen Landwirtschaft. Und es ist ein Beitrag zur Sicherung von Arbeitsplätzen in der Region: Im Ökolandbau werden fünf Arbeitskräfte benötigt, um etwa 50 Hektar zu bestellen, während in der konventionellen Landwirtschaft im Durchschnitt eine Arbeitskraft genügt, um etwa 400 Hektar zu bewirtschaften. Daher erscheint es durchaus sinnvoll, wie von den Grünen im Europaparlament gefordert, bei den Zuwendungen aus dem Brüsseler Agrartopf künftig auch die Zahl der Arbeitskräfte pro Betrieb zu berücksichtigen.

Ganz ohne Subventionen geht es nicht
Allein unter ökonomischen Gesichtspunkten wäre es derzeit preiswerter, sämtliche Lebensmittel auf dem Weltmarkt einzukaufen. Landwirtschaft ist eben mehr als die kostengünstige Produktion von Nahrungsmitteln, sie muss auch einen Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft leisten. Seit der EU-Agrarreform von 2005 werden die Bauern nicht mehr für die produzierte Menge belohnt. Die Prämien sind statt dessen an Auflagen zum Tier-, Umwelt- und Verbraucherschutz gebunden. Das schafft Freiheit, die Produktion am Markt zu orientieren. Wenn die Preise weiter steigen werden die Prämien aus Brüssel nicht mehr lange sprudeln. Das werden die Verbraucher auf Dauer nicht akzeptieren. Wenn sich die Leistung der Bauern über höhere Preise direkt honorieren läßt, wird die steuerliche Subventionierung über die Prämien mit Sicherheit zurückgefahren. Ein funktionierender Markt, der ein gutes Auskommen gewährleistet, macht Subventionen überflüssig, so verlautet aus Berlin und Brüssel.

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