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Der Anonymus hat sich gemeldet!
Doch kein Klassenkampf per Stasi-Fax?
Pressemitteilung vom 10.01.2008


Man denkt, es ist ein Leserbrief eines Nichtmitglieds. Die LANDPOST hat im Osten jedenfalls mehr Leser als der Verband Deutscher Landwirte (VDL) Mitglieder hat. Und das nicht von ungefähr. Keine Agrar-Postille bringt die aktuellen Themen derart kontrovers auf den Punkt, wie die LANDPOST mit ihren 4 wöchentlichen Ostseiten. Wäre der Absender ein streitbarer Zeitgenosse, wie es der erste Anschein des in gefälligem Stil und zugespitzter Kontroverse geschriebenen Brief vermuten läßt, könnte man daraus eine öffentliche Diskussion der angestoßenen agrarpolitischen Themen beginnen. Aber weit gefehlt. Den angegebenen Fax-Absender gibt es wohl so gar nicht. Obwohl die Fax-Kennung eine Nummer, die 036967/595955 – angibt, ist weder diese real noch ist sie eine Telefonnummer. Auch die Adresse ist in der Gemeinde Schleid unter „A. Goebel“ unbekannt. Und deshalb veröffentlicht der VDL den „Leserbrief“ unter Bezug auf dessen letzten Satz: „Über ein Antwortschreiben Ihrerseits wäre ich sehr gespannt! Sie können dieses Fax gerne veröffentlichen, wenn nicht, ich kann´s auch!“.
Lieber A.Goebel, bitte melden Sie sich! Oder versteckt sich hinter dem Anonymus ein ganz gewöhnliches Stasi-Fax im ostdeutschen Klassenkampf?

Sehr geehrter VDL-Vorstand,
mit Verlaub, wenn ich Ihre populistischen Äußerungen gegenüber landwirtschaftlichen Großbetrieben lese, wird mir ziemlich schnell schlecht! Bei Ihren favorisierten Familienbetrieben handelt es sich schlichtweg um ein (Europa-)weites Auslaufmodell.
Wie ich dazu komme??? Ganz einfach: Was sich schon vor Jahrzehnten in der Industrie abspielte, läuft in der Landwirtschaft jetzt erst an: Der Übergang von Einzelmanufakturen (Einzelbauern) in gewerbliche Lohnarbeitsbetriebe (Agrargenossenschaften, Großfarmen usw.) mit selektierten Arbeitsabläufen, Lohnarbeitserfassung und geregelten Arbeitszeiten! Ihre Familienbetriebe in Ost- und vor allem in Westeuropa sind zur Zeit noch (motorisierte) Einzelmanufakturen, welche sich vom nichtagrarischen Rest der Wirtschaft weitgehend (dank EU-Überlebenshilfe!) abgekoppelt haben! Mit drastischen Folgen für die betroffenen Bauern. 13.000 sogenannte Betriebe haben letztes Jahr in Deutschland wieder mal alles in den Sand gesetzt (aufgegeben); trotz Direktzahlungen. Warum wohl? Weil diese das NON-PLUS-ULTRA in der Agrarproduktion sind?
Nicht nur Ihre berühmten „LPG-Barone“ werden mittelfristig den westeuropäischen Agraranachronismus ein jähes Ende setzen:
Haben Sie sich schon mal in den 10 größten Flächenstaaten (USA, Kanada, Australien, Russland, Argentinien, Brasilien usw.) umgeschaut? Wie sind denn da die Agrarunternehmen organisiert?
Ist es dort etwa so, dass ein Einzelbauer noch „Hans Dampf“ in allen Gassen spielt? Mitnichten! Ja, ich habe mir schon Agrarfirmen in Flächenstaaten angeschaut:
Sie haben eine erstaunliche (betriebsstrukturelle) Ähnlichkeit mit Ihren so verhassten LPG-Nachfolgern, und in diesen Ländern durchaus ihre Akzeptanz und Daseinsberechtigung!
Übrigens, hätte man in Westeuropa schon in der Zeit große Agrarbetriebe gegründet, wo sie in Osteuropa und Asien entstanden sind, hätte sich die EU-Agrarkommission Billionenbeträge an Beihilfen sparen können! Stellen Sie sich vor, man hätte den gleichen Subventionsaufwand bei industriellen Betrieben getätigt und gleichzeitig Manufakturen gepredigt, weil diese keinen Fabrikschornstein besitzen, vermeintlich „umweltfreundlicher“ produzieren und die „Wertschöpfung“ in der Familie bleibt! Eine Katastrophe für die Weltwirtschaft, ohne Frage!
Nein, bei Ihrem „Verein“ handelt es sich um ein paar Hundert Anachronisten, die nicht mal ansatzweise in der Lage sind, über Ihre eigene Scholle hinaus zu schauen und wenn doch, dann nur soweit wie man anderen den Produktionsfaktor Boden streitig machen kann!
Leute wie Sie haben die Landwirtschaft in (West) Europa ökonomisch und moralisch in die Peripherie gedrängt und tun dies immer noch!
Wenn in einigen Jahren die Beihilfen für die kleinen (Folklore-, Pseudo,- und Hobbybauern) abschmelzen, wird es für 95 % der „Betriebe“ ein böses Erwachen geben, dann hat diese nämlich die Zukunft eingeholt, welche in den oben genannten Ländern schon längst begonnen hat!
Über ein Antwortschreiben Ihrerseits wäre ich sehr gespannt! Sie können dieses Fax gerne veröffentlichen, wenn nicht, ich kann´s auch!

Mit freundlichen Grüßen
A. Goebel, Schleid, den 07.12.2007
FAX: 036967/595955


2. Brief

Schleid den 06.01.2008

Sehr geehrte Damen und Herren des VDL,

bezugnehmend auf Ihre Veröffentlichung „Klassenkampf per Stasi-Fax“, möchte ich ganz klar zu meinem Fax an Sie Stellung beziehen. Zum ersten kann ich grundlegend ausschließen Stasimitglied gewesen zu sein, da ich Jahrgang 1976 bin. Zweitens bin ich auch nicht „linksverseucht“.
Um es mal krass zu formulieren:
Es spielt sich zur Zeit in der Landwirtschaft ein Wandel ab, der weder aufzuhalten noch schlecht zu reden ist! Nun zu meiner Motivation: Da ich 5 Jahre in einem hessischen Dorf gewohnt habe, weiß ich sehr genau, wie sich ein bäuerlich geprägtes Dorf auf sein direktes Wohnumfeld (Mischgebiet) auswirkt! Vorwiegend ist der allgemeine Wohnwert in diesen Dörfern als sehr gering einzustufen!
Zum einen werden durch die Vielzahl der ökonomisch vorwiegend grenzwertigen „Betriebe“ keine (notwendigen) Investitionen in den Hofstellen der Ortskerne getätigt, damit ist die sogenannte „bauliche Verödung der Dörfer“ zu begründen, denn in den dörflichen Neubausiedlungen existiert dieses Übel faktisch nicht! Das war aber auch vor 20 Jahren schon so:
Das Dorf verödet nicht nur aufgrund des Wegfalls der Landwirtschaft, sondern eben auch aufgrund deren Erhalts gegen jegliche ökonomische und kommerzielle Vernunft zu Lasten von Investitionen!
Für die jüngeren Generationen lohnt sich schon wegen des Investitionsstaus auf diesen Hofstellen eine Sanierung bzw. Bewohnung nicht.
Auch Verkauf oder Vermietung gestalten sich aufgrund des allgemeinen hohen Wohnungsangebotes und des geringen Nutz- und Wohnwertes der Altanlagen mehr als schwierig.
Die schlimmsten Auswüchse konnten nur durch umfangreiche und teure Dorferneuerungsprogramme verhindert werden!
Man muss auch sagen, das die (noch!) ca. 2-3 bäuerlichen Haupterwerbsbetriebe in einem 700-Einwohner-Durchschnitts-Dorf weder den ländlichen Raum erhalten, noch das jene außerhalb ihrer Familie Arbeitsplätze schaffen. Die absteigenden Nebenerwerbsbetriebe sind ohnehin von marginaler Bedeutung, da die nachfolgende Generation mehrheitlich ihre Lebensplanung nicht an einer Nebenerwerbslandwirtschaft orientiert! Auch die zunehmende Entvölkerung macht sich schon breit, läuft nur etwas zögerlicher an, als in ostdeutschen Dörfern!
Das hessische Dorf ist zweigeteilt: Einmal in den alten Dorfkern (Hofstellen) und einmal in die reinen Wohngebiete mit eher städtischen Charakter. Ein mentaler und baulicher Separatismus der seines gleichen sucht: Wenn sich mal ein Traktor in das Wohngebiet verirrt hatte, wurde hier auch nur bestenfalls geschimpft oder mit dem Kopf geschüttelt! Der bäuerliche Raum ist im „Nicht-LPG-Land“ Hessen keinesfalls intakt, wie sich das so manches ostdeutsches VDL-Mitglied vorstellt!
Man kann festhalten: Es besteht ein großes gepflegtes Wohngebiet (meist in Randlage) mit vorwiegend junger Wohnbevölkerung und ein innovationsschwacher, überalteter Ortskern mit Hofstellen, wo entweder noch eine 50+Generation wohnt oder Gebäude teils schon seit Jahren leer stehen!
Untersucht habe ich dabei drei Dörfer: Langenschwarz, Hechelmannskirchen und Grossenmoor. Ich kann Ihnen sagen, dort möchte ich nicht mal tot über dem Zaun hängen! Ein freiwilliger Zusammenschluss jener grenzwertigen Höfe zu einer überlebensfähigen Betriebseinheit hätte sich somit sicherlich nicht negativer ausgewirkt, als der ewige Kampf des Einzelnen. Aber Individualismus und Neid haben außer Bauernsterben auch hier keine nennenswerten Erfolge gebracht.
Ich möchte damit nur sagen, das in jenen Gebieten ohne Zwangskollektivierung die „Erfolge“ des ländlichen Raumes keineswegs zu loben sind. Ich bin grundlegend der Meinung, Ihre Ausführungen in der „Landpost“ könnten in verschiedenen Themenkreisen etwas relativierter sein!

Ich stelle hiermit meine Darlegungen der Öffentlichkeit ausdrücklich zur Verfügung!

Mit freundlichen Grüßen
A. Göbel, Schleid

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