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Ökologisch produzierte Lebensmittel werden knapp
Pressemitteilung vom 12.01.2007


Seit Anfang des Jahres sind ökologisch produziertes Obst und Gemüse Mangelware. Das Angebot kann die vor allem durch den Einstieg von Discountern in das Trendgeschäft stark gewachsene Nachfrage, die 2006 wieder für Rekordumsätze sorgte, nicht befriedigen. Zwar würden viele Produkte importiert, doch das reiche nicht aus, berichtet Agrarexperte Ulrich Hamm von der Universität Kassel. Seit Jahren steige der Anteil der Importe, weil der heimische Markt die Nachfrage etwa bei Milch, Gemüse und Getreide nicht mehr decken könne.

Schon vor Weihnachten war es für viele Verbraucher schwierig, noch an eine Biogans oder ökologisch korrekte Schweinesteaks heranzukommen. Was angesichts des Kaufrausches verständlich schien, wird nun zu einem akuten Problem: Bioprodukte werden in Deutschland knapp. Schon vor Wochen sendete die Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle Notsignale und sprach von einem „chaotischen Markt“ mit steigenden Preisen.

Betroffen waren zunächst die Fleisch- und Getreideproduktion; damit einher ging eine Futtermittelknappheit. „Seit die neue Bundesregierung im Amt ist, hat sich die Stimmungslage für Bio verschlechtert“, meint Hamm. Unter Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) hätten fast alle Bundesländer die Umstellungsprämien, die ein Landwirt erhält, wenn er auf Bio umstellt, drastisch zurückgefahren. Einige Länder hätten zwar wieder zurückgerudert, aber ein Stimmungsumschwung sei nicht in Sicht. Hamm schätzt den Marktanteil von Bio-Lebensmitteln in der Bundesrepublik auf rund drei Prozent.

Sollte sich die Förderpolitik nicht ändern, dürfte der Mangel andauern. Immerhin braucht ein konventioneller Landwirt bis zu drei Jahre, bis er nach der Umstellung seine Produkte als Bio verkaufen darf. Und Importe sind auf Dauer kaum eine Alternative. Reine Biogeschäfte wollen meist keine weit gereiste Ware verkaufen. Regionale Kooperation ist für sie Teil des ökologischen Handelns. Das bestätigt Stefanie Neumann, Sprecherin des Verbandes der Biosupermärkte. Seit Wochen machten die Versorgungsengpässe vielen Filialen zu schaffen, besonders bei Karotten, Äpfeln, Getreide und Kartoffeln. Ihre Kollegen müssten jetzt mehr aber auf den Großhandel zurückgreifen. Es gebe einfach zu wenig deutsche Biobauern. Neumann sieht die Politik in der Pflicht.

Unsicherheiten wie der Schlingerkurs bei der Grünen Gentechnik, die wechselhafte Förderpolitik oder die Revision der EU-Ökoverordnung hemmten viele Bauern, sich für eine Biowirtschaft zu entscheiden.

Als Folge ziehen die Preise kräftig an. Doch nicht nur die Verbraucher müssen die Zeche rückwärtsgewandter Agrarpolitik zahlen, sondern auch die Biobauern selbst. Agrarexperte Hamm verweist auf den Anstieg der Futtermittelpreise um bis zu 45 Prozent, den Landwirte kaum weitergeben könnten. Dadurch werde die Fleischproduktion unrentabel. Auch Biosupermarkt Sprecherin Neumann versichert, dass die Endverbraucherpreise nicht steigen werden.

Verlierer des Nachfragebooms sind also letztendlich die Biobauern. Daher werden es wohl kaum viele Landwirte riskieren, auf Bio umzustellen. Die Engpässe werden also bleiben.

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