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In der Magdeburger Börde wird nach Kohle gesucht
Pressemitteilung vom 12.01.2007


76 Quadratkilometer groß ist die »Egelner Südmulde« westlich von Magdeburg. Darunter liegt Braunkohle - mit einer Milliarde Tonnen eines der größten zusammenhängenden Vorkommen Deutschlands. Die Flöze liegen in 330 Metern Tiefe. Den Kohleförderer Mibrag will ab Sommer 2007 die Lagerstätten mit Probebohrungen erkunden. 2010 soll entschieden werden, ob ein Tagebau aufgefahren wird. Die Äcker gehören zu den fruchtbarsten in Deutschland.

Die Mibrag informierte zunächst die Bürgermeister und dann die Landwirte der Gegend von ihren Bohrplänen. Die Aufregung ist groß.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Erkundungspläne hat sich eine Bürgerinitiative gebildet. Landwirte fürchten um ihre Existenz und Anwohner um den Wert ihrer Häuser. Egeln ist Musterstandort der Windenergie-Branche; ein Magdeburger Hersteller betreibt hier Referenzanlagen. Auch die Landwirte erzeugen regenerative Energien drei Biogasanlagen.

Dass die Mibrag auch einst abgeschriebene Lagerstätten wie in der Egelner Südmulde wieder ins Visier nimmt, ist nicht nur Fortschritten in der Kraftwerkstechnologie geschuldet, sondern vor allem Indiz einer Renaissance der Braunkohle. Der heimische Brennstoff deckt derzeit ein Viertel des deutschen Energiebedarfs. Angesichts explodierender Preise für Öl und Gas schwärmt die Mibrag von einem »unverzichtbaren Energieträger, der kontinuierlich und preisstabil gewonnen werden kann«.

Entsprechend ambitionierte Pläne hegen die Unternehmen: Die Mibrag will gemeinsam mit EnBW ein neues Kraftwerk in Profen bauen. Weil die beiden bisherigen Gruben Vereinigtes Schleenhain und Profen etwa 2040 erschöpft sind, werden zudem neue Lagerstätten erkundet, so bei Lützen, im mecklenburgischen Lübtheen und eben in Egeln.

In der Lausitz will Vattenfall die Tagebaue Welzow-Süd und Nochten erweitern. Das Kraftwerk Boxberg erhält einen vierten Block. Wie diese Vorhaben mit Plänen der Bundesregierung in Übereinstimmung zu bringen sind, den Ausstoß von Kohlendioxid stark zu reduzieren, ist nicht zu erkennen. Sachsens Grüne rechnen vor, dass allein im Freistaat derzeit 52 Millionen Tonnen des Klimagases erzeugt werden, mehr als die Hälfte davon in den Kraftwerken Lippendorf und Boxberg. Nach dessen Erweiterung kämen noch einmal fünf Millionen Tonnen dazu. Sachsen wäre dann drittgrößter CO2-Emittent der Welt - gleich hinter den USA und Kanada.

Obwohl die Entscheidung über einen Abbau der Kohle noch in weiter Ferne steht, will die Bürgerinitiative für politischen Druck sorgen. Über 1000 Unterschriften seien bereits gesammelt, sagt deren Sprecher Michael Stöhr. Für Januar ist ein Aktionstag geplant. Zudem wollen Vertreter der Initiative demnächst nach Garzweiler fahren. Dort gibt einen ähnlich tiefen Kohlenpott - und eine äußerst widerborstige Bürgerinitiative.

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