• Kontakt
    Fon 0 37360 63 44
    Fax 0 37360 63 66
  • Anschrift:
    Bundesverband
    Deutscher Landwirte e.V.
    Dresdner Straße 46
    09526 Dittmansdorf
zurück

„Eine völlig unzureichende Agentur…“
Agrarpolitik, Kollektivierung und Staatssicherheit in der DDR
Pressemitteilung vom 12.01.2006


9. Februar 2006
Vortrag mit Diskussion
Der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen


Bis heute ist die Debatte über die Rolle der „roten Barone“, der Genossenschaftsvorsitzenden, während der Kollektivierung und nach der friedlichen Revolution in der DDR umstritten. Jüngste Studien zeigen, dass es bei zwei Dritteln der Umgründungen von Agrargenossenschaften zu rechtlichen Auffälligkeiten kam. Mit der Umgründung sollte eigentlich ein Interessenausgleich herbeigeführt und jenes Unrecht, das den Bauern zu DDR-Zeiten widerfahren war, juristisch und finanziell aufgearbeitet werden. Der noch immer währende Streit in den ostdeutschen Dörfern wirft auch die Frage nach der Entstehung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) und ihren Folgen auf.

Mit der Kollektivierung der Landwirtschaft versuchte die SED-Führung, wichtige Voraussetzungen für die Durchsetzung ihres Machtmonopols und ihrer Vorstellung von Agrarpolitik in den Dörfern der DDR zu schaffen. In zwei Schüben wurde daher der Versuch unternommen, die mehr als 800.000 Einzelbauern in die sozialistische Großraumwirtschaft zu integrieren und die Überführung ihrer Betriebe in Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften durchzusetzen. Dies erfolgte unter anderem durch Überredung, durch penetrante Propaganda, schließlich mit Hilfe von Zwang.

Der Preis dafür war zunächst jedoch hoch, denn beide Kollektivierungsabschnitte endeten in existentiellen Herrschaftskrisen. Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 und der Mauerbau vom 13. August 1961 waren Folge bzw. Reaktion auf diese Krisen.

Welchen Beitrag aber leisteten die Fehlentwicklungen in der Agrarwirtschaft tatsächlich zu den bedrohlichen Krisen? Resultierte die „Vergenossenschaftlichung“ aus der ungebrochenen Übernahme des sowjetischen Modells? Und: Wie verhielten sich Freiwilligkeit und Zwang, Einvernehmen und Widerstand im Verlauf der Kollektivierung? Diese Fragen werden bis heute äußerst konträr diskutiert.

Dr. Jens Schöne, ein ausgewiesener Kenner der agrarhistorischen Entwicklung der DDR, wird darauf Antworten geben. Beleuchtet wird dabei erstmals auch die Rolle des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Immer wieder kam es zum Einsatz, wenn es galt, die Zielstellungen der Partei in der Praxis umzusetzen. Seine Aufgaben, Zielstellungen und Handlungsmöglichkeiten variierten jedoch deutlich. Diesem Phänomen wird im Vortrag ebenso nachzugehen sein wie den vielfältigen Missverständnissen, welche die Diskussion um die Kollektivierung bis heute bestimmen.

Mit einem Vortrag führt Jens Schöne in die Thematik ein. In dem anschließenden Gespräch mit Christian Booß, BStU, stellt er seine Thesen zur Diskussion.

Vortrag: Dr. Jens Schöne, Historiker Gesprächsleitung: Christian Booß, BStU

Zeit: 9.Februar 19 Uhr
Ort: Thüringische Landesvertretung, Mohrenstraße 64, 10 117 Berlin, U-Bahnhof Mohrenstraße

zurück