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Aufkeimender Widerstand gegen biologischen Patentschutz
Pressemitteilung vom 12.01.2006


Gentechnik, die Saatgut unfruchtbar macht, ermöglicht einen »biologischen Patentschutz« für Zuchtunternehmen. Wegen möglicher gefährlicher Folgen setzten sich nun Teile der westdeutschen Kleinbauern und grüne Globalisierungskritiker mit der Kampagne »Freie Saat statt tote Ernte« zur Wehr.

Vor einem »fundamentalen Angriff auf das Nachbaurecht der Bauern« warnte in der PDS-nahen Zeitung Neues Deutschland Georg Janßen von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Es drohe, dass »eine Handvoll multinationaler Saatgut-Unternehmen« bestimmen könne, »was angebaut und gegessen wird«. Konzerne wie Monsanto, Bayer oder BASF arbeiten seit Ende der 90er an der »Terminator-Technologie«, die durch Genmanipulation der Saat die Ernte unfruchtbar für eine folgende Aussaat macht. Ob die Technik schon marktreif ist, ist unbekannt.

Gegen diesen »Kopierschutz für Saatgut« starteten kurz vor der Grünen Woche über 30 Nichtregierungsorganisationen, darunter Attac, der evangelische Entwicklungsdienst und die BUKO, in Berlin die Kampagne »Freie Saat statt tote Ernte«.

So sollen Unterschriften für ein Positionspapier gesammelt werden, um Druck auf die Bundesregierung auszuüben. Von den Politikern wird gefordert, sich für eine weltweite Ächtung der Terminatortechnologie einzusetzen und ein Verbot derselben im Gentechnikgesetz zu verankern. Ob die neue Bundesregierung daran interessiert ist, ist allerdings unklar. Denn im Koalitionsvertrag von SPD und Union wurde vereinbart, die »Forschung und Anwendung« von Gentechnik zu befördern. Nun hofft die Kampagne, Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) dazu bewegen zu können, in Sachen Saatgut eindeutig Position zu beziehen.

Schon im März tritt in Brasilien die Vertragsstaatenkonferenz der »Konvention über Biologische Vielfalt« zusammen, die 160 Staaten, aber nicht die USA, unterzeichnet haben. Dieses Vertragswerk der Vereinten Nationen liegt von deutscher Seite aus in Gabriels Verantwortungsbereich. Derzeit gilt seit 2000 ein Moratorium, das empfiehlt, die »Terminator-Technologie« nicht anzuwenden, da sie zu ökologischen Katastrophen und Gefährdung der Ernährungssicherheit führen kann. Würden sich etwa durch Pollenflug die Eigenschaften der gentechnisch sterilisierten Saat auf unmanipulierte Pflanzen ausbreiten, könnte es besonders in Entwicklungsländern zu schwerwiegenden Folgen kommen. Während in Deutschland rund 40 Prozent der Bauern Nachbau betreiben, sind in der Dritten Welt über 80 Prozent der Bauern auf die Verwendung eines Teils ihrer Ernte als Saatgut angewiesen – insgesamt werden so 1,4 Milliarden Menschen versorgt.

Beobacher befürchten nun, dass auf der Konferenz in Brasilien auf Druck der Regierung von Kanada, unterstützt von Neuseeland und Australien, das Moratorium aufgehoben werden soll.

Immerhin geht es bei dem Saatgut-Weltmarkt um einen jährlichen Umsatz von über 40 Milliarden Euro. Agro- und Chemiekonzerne haben ein großes Interesse daran, einen »biologischen Patentschutz« in das Saatgut einbauen zu können. Denn vor allem in den Entwicklungsländern lässt sich schwer das Recht auf geistiges Eigentum durchsetzten.

Um Zweifel an der »Terminator-Technologie zu zerstreuen, wird sie seitens der Konzerne neuerdings nicht mehr als Patentschutzsystem angepriesen, sondern als Verfahren der biologischen Sicherheit, da sie etwa Auskreuzungen verhindern würden. Doch wird dabei beflissentlich das Problem des Pollenfluges verschwiegen.

Quelle: AbL / taz / ND

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