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Thalheim stellt Mehrgefahrenversicherung in Zweifel
Tanneberger: VDL sieht sich in seiner Haltung bestätigt
Pressemitteilung vom 16.01.2003


„Die Eignung von staatlich unterstützten Mehrgefahrenversicherungen für das Risikomanagement in der Landwirtschaft muss sehr genau geprüft werden.“ Darauf wies Dr. Gerald Thalheim, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverbraucherministerium, auf einer Diskussionsveranstaltung des Sächsischen Staatsministeriums für Landwirtschaft in Berlin hin. Die Bundesregierung halte es nicht für sinnvoll, zum jetzigen Zeitpunkt eine mit Subventionen finanzierte nationale Mehrgefahrenversicherung für die Landwirtschaft aufzubauen. Sie sei aber bereit, diese Idee als eine von mehreren Optionen für die Weiterentwicklung der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik nach dem Jahr 2006 zu prüfen.

Vor- und Nachteile müssten dabei sehr genau abgewogen werden, so Thalheim. Er machte darauf aufmerksam, dass das heutige agrarpolitische Instrumentarium – insbesondere die Flächenprämie – bereits risikomindernd wirke. Hinzu komme, dass eine Vielzahl weiterer rechtlicher, inhaltlicher und finanzieller Fragen auf nationaler wie europäischer Ebene noch nicht geklärt sei. Insbesondere sei zu vermuten, dass nur ein Teil der Landwirte die Risikovorsorge in Anspruch nehmen werde. Wegen fehlender Versicherungspflicht wäre dann weiterhin Ad-hoc-Katastrophenhilfe für nicht versicherte Landwirte erforderlich. Zudem sei zu bedenken, dass wichtige Risiken, wie etwa Hochwasserschäden, nach den Vorstellungen der Versicherungswirtschaft nicht erfasst und damit weiter nicht versicherbar wären.

Keine staatliche Versicherung
Der VDL war mit mehreren Vorstandsmitgliedern in der Podiumsdiskussion vergangenen Donnerstag am Rande der Grünen Woche vertreten. Das VDL-Präsidium hatte vorher in Freiberg erklärt, die vom sächsischen Umwelt- und Landwirtschaftsminister Flath (CDU) befürwortete „staatliche Assekuranz“ habe nur den Zweck gehabt, die absehbaren wirtschaftlichen Gefahren aus Missernten und Tierverlusten für die großstrukturierten Agrarbetriebe abzumindern. Dabei sollten die Strukturmängel in den LPG-Nachfolgebetrieben durch den Staat, einem Erstversicherer (Hagel) und einem internationalen Rückversicherer (Allianz) abgesichert werden. Agrar-Holdings, die tausende Hektar Ackerland unter dem Pflug haben, mit oft nur 3 Fruchtfolgegliedern, bewirtschafteten Monokulturen mit Hunderten von Hektar in einem Schlag, ohne Beachtung des natürlichen Reliefs.

Der Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Landwirte (VDL) Rudolf Heimer betonte, dass die derzeit gültige Richtlinie, die ca. 12.000 EURO an Entschädigungsleistung je Betrieb bei Erntekatastrophen vorsieht, für bäuerliche Familienbetriebe ausreiche. Auch in der industriellen Tierproduktion, wie sie aus DDR-Zeiten übernommen und weitergeführt wurde, seien die Gefahren von Totalverlusten in Fällen von Schweinepest und Maul- und Klauenseuche strukturbedingt. Man müsse diese Strukturen ändern, statt sie sich staatlich absichern zu lassen, so Heimer.

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