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Energie vom Acker
"Zweieinhalb Kilo Getreide ersetzen ein Kilo Heizöl"
Pressemitteilung vom 05.01.2006


Die Verbrennung von Getreide zur Energiegewinnung fordert der hessische Bauernverband. Die Landwirtschaft könnte sogar in mehrfacher Hinsicht als alternativer Energielieferant dienen. Dadurch würde sich auch die Einkommensbasis der Landwirte verbreitern.
In Deutschland müssen die Menschen schon seit vielen Jahren keinen kalten Winter mehr fürchten. Wohlige Wärme kommt aus der Gasleitung oder dem Öltank. Wer noch mit Holz heizt, tut dies nur zur Ergänzung oder aus ästhetischen Gründen. Doch der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine hat in Erinnerung gerufen, wie abhängig Deutschland von Gas und Erdöl aus dem Ausland ist. Aber was passiert, wenn der Druckabfall in den Pipelines einmal nicht nur temporär ist?

Heizkraft vom Acker
Während in der Politik über einen Ausstieg vom Ausstieg aus der Kernenergie nachgedacht wird, wollen Hessens Bauern verstärkt alternative Wege bei der Energiegewinnung gehen. Der hessische Bauernverband fordert, die Verbrennung von Getreide zur Energiegewinnung für Landwirte ohne Einschränkungen zuzulassen. Bislang ist das Verfeuern von Getreide in Anlagen mit einer Leistung von bis zu 100 Kilowatt nicht gestattet. "Zweieinhalb Kilo Getreide ersetzen ein Kilo Heizöl", sagte der Präsident des hessischen Bauernverbandes, Heinz Christian Bär, am Dienstag bei der landwirtschaftlichen Woche in Baunatal.

Vom Bauer zum Rapsölmagnat?
Energie aus dem eigenen Land scheint in einer Zeit hoher Rohstoffpreise und zunehmender Sicherheitsrisiken in den ölreichen Ländern am persischen Golf attraktiv. Für die Landwirte verbirgt sich hinter der Bioenergie aber vor allem die Hoffnung auf sichere Einkommen. Energie vom Acker statt hoch subventionierter Lebensmittel scheint für die Landwirte eine viel versprechende Alternative zu sein.

Die klassischen Felder ihrer Arbeit machen derzeit wenig Freude: Die Getreideernte fiel im vergangenen Jahr nur durchschnittlich aus, die Qualität war wegen feuchten Wetters während der Ernte vielerorts schlecht, die Milchpreise sind unverändert im Keller, und für die Zuckerrüben laufen die Subventionen aus. Hinzu belasten immer wieder Tierseuchen - wie zuletzt die Vogelgrippe - die Nerven und die Verdienstmöglichkeiten.

Vielfältiges Potenzial - Ist alles geeignet was wächst?
Also auf zu neuen Ufern. Das Potenzial sei vielfältig. "Große Energie-Ressourcen liegen brach", sagt Peter Voss-Fels, Generalsekretär des hessischen Bauernverbandes. Geeignet sei alles, was in Feld und Wald wächst. Biodiesel aus Raps wird bereits normalem Diesel beigemischt und ist an 20 Tankstellen in Hessen auch pur zu haben. Getreide könnte nach den Worten von Generalsekretär Voss-Fels teures Heizöl ersetzen. "Ein Drittel der hessischen Getreideernte, rund 700.000 Tonnen jährlich, könnte dafür verwendet werden."

Für diese Mengen gebe es in Hessen sonst keine Abnehmer. 100.000 Haushalte in Hessen ließen sich so versorgen. "Für 20 Cents können wir einen Liter Heizöl ersetzen", rechnet Voss-Fels vor.

Noch steht Berlin der Bioenergie im Weg
Voraussetzung ist allerdings eine Änderung der Bundesimmissionsschutzverordnung, die bisher die Verbrennung von Getreide in Kleinanlagen nicht erlaubt. Hessens Landwirtschaftsminister Wilhelm Dietzel (CDU) kündigte diese Woche an, sich in Bundesrat und Bundestag für die Zulassung von Getreide als Brennstoff einzusetzen. Die hessische Landesregierung hatte zunächst Mitte 2005 eine Bundesratsinitiative gestartet, um Landwirten das Verwerten von Getreide zur Energiegewinnung zu erlauben, die Initiative aber später wieder zurück gezogen.

Quelle: Hessischer Bauernverband

"Riesenchance für die Landwirte"
Bauernverband verteidigt Getreideverbrennung
Der Kreisbauernverband wehrt sich gegen den Vorwurf der Grünen-Kreistagsfraktion, die Verbrennung von Getreide sei eine Provokation der hungernden Menschen in der Dritten Welt. Erst heiße es, die Bauern sollten weniger Zucker produzieren, damit Drittländer nicht unter den Exporten leiden. "Wenn die Bauern ihre Produkte nicht exportieren, sondern einer anderen Nutzung zuzuführen, verweisen die Grünen wieder auf die Hungernden in der Dritten Welt", beklagen Thomas Kunz und Bernd Großmann vom Vorstand des Kreisbauernverbandes.

"Gerade die Landwirte nehmen, aufgrund ihrer Kirchennähe, die ethische Bedeutung sehr ernst", so Kunz und Großmann. Doch solange eine Gesellschaft für die Entsorgung einer Tonne Müll zwei- bis dreimal so viel bezahle wie für den Erwerb einer Tonne Getreide und ein Liter fossile Kraftstoffe doppelt so viel koste wie ein Liter Milch, "braucht man über ethische Bedeutung nicht zu diskutieren".

"Die Verbrennung von Getreide ist eine Chance, um aus dem Preistief herauszukommen", so Kunz. Da ein Kilo Getreide 0,4 Liter Heizöl (rund 55 bis 60 Cent) ersetze, entspreche dies einem Kilopreis von 22 bis 24 Cent. Dies würde Flächenbeihilfen überflüssig machen, so der Kreisbauernverband. "Es ist also eine Riesenchance für die Landwirtschaft, aber auch für die gesamte Volkswirtschaft." Was könne daran falsch sein, wenn die heimische Landwirtschaft neben Nahrungsmitteln auch konkurrenzfähige Energieträger von den heimischen Flächen liefere, fragt Großmann.

Wenig hilfreich sei auch der Hinweis der Grünen, den Tieren Getreide, statt Tiermehl zu verfüttern. Letzteres werde seit BSE in Deutschland nicht mehr verfüttert. Der Getreideanteil an den Futterrationen selbst in den industriell hergestellten Futtermitteln sei so hoch wie noch nie. Auch der Rat, den Weg in den ökologischen Anbau einzuschlagen, um bessere Preise zu erzielen, sei wenig viel versprechend. Die Preise für Ökogetreide seien enorm zurückgegangen, da in der Vergangenheit die Umstellung auf diese Anbauform gefördert worden sei, ohne auf den Markt zu achten. "Hier muss erst der Kuchen größer werden", bekräftigte Großmann.

Quelle: Wiesbadener Kurier

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