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2005 – Schmerzliche Änderungen
Steuersätze sinken - Höhere Belastungen für Kinderlose – Abschied vom Bankgeheimnis
Pressemitteilung vom 31.12.2004


Steuer

Sätze: Am 1. Januar tritt die letzte Stufe der Steuerreform in Kraft. Damit sinkt der Eingangssteuersatz von 16 auf 15 Prozent. Das heißt: Wird der Grundfreibetrag von 7664 (Ehepaare: 15 328) Euro überschritten, beginnt die Besteuerung mit 15 Prozent. Stärker fällt der Spitzensteuersatz - nämlich von 45 auf 42 Prozent. Unter dem Strich wird die Abgabenlast damit für alle Steuerzahler leichter - allerdings in einem sehr unterschiedlichen Ausmaß. Muß beispielsweise ein verheirateter Alleinverdiener mit einem Kind 2004 bei einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 40 000 Euro noch 4606 Euro Steuern zahlen, sind es 2005 rund 80 Euro weniger. Ein Single mit einem Bruttoeinkommen von 70 000 Euro hat dagegen unter dem Strich 1457 Euro mehr zur Verfügung.

-Vorsorgeaufwendungen: Beiträge zu Arbeitslosen-, Kranken- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen sind ab 2005 nur noch bis zu einer Summe von 1500 Euro je Arbeitnehmer absetzbar. Bei Selbständigen liegt der neue Höchstwert bei 2400 Euro. Als Ausgleich zur bisherigen, günstigeren Regelung führen die Finanzbehörden bis 2019 allerdings automatisch eine Günstigerprüfung durch - ist also die alte Regelung für den Steuerzahler vorteilhafter, kommt sie auch noch zum Tragen.

- Kfz-Steuer: Zumindest einen Teil der Einbußen bei der Einkommenssteuer holt sich der Staat an anderer Stelle wieder herein. So steigt zum 1. Januar die Kfz-Steuer für Fahrzeuge, die nur geringe Schadstoffnormen erfüllen. Für Autos der Schadstoffklasse Euro 1 werden so rund vier Euro pro 100 Kubikzentimeter Hubraum mehr fällig. Konkret: Bei Benzinern steigt die Steuer von 10,84 auf 15,13 Euro; bei Dieselfahrzeugen von 23,06 auf 27,35 Euro. Aber auch die Besitzer trendiger Spaßmobile werden zur Kasse gebeten. Denn ab dem 1. Mai fällt das Steuerprivileg für schwere Geländewagen mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 2,8 Tonnen. Privat genutzte Edeljeeps werden dann nicht mehr als Nutzfahrzeuge besteuert, sondern normal nach Hubraum und Emissionen.

Private Vorsorge

Systemwechsel: In der privaten Altersvorsorge bleibt 2005 praktisch nichts wie es war. Der Gesetzgeber vollzieht mit dem Alterseinkünftegesetz ab dem Jahreswechsel schrittweise den Wechsel von der vor- auf die nachgelagerte Besteuerung. Das heißt: Alterseinkommen werden sukzessive höher besteuert, während Erwerbstätige im Gegenzug von höheren Freibeträgen für Vorsorgeaufwendungen profitieren.

Allerdings werden auf diese Weise nur Leibrenten steuerlich gefördert, die einer sehr engen Vorsorgedefinition genügen. Im Jahr 2005 werden zunächst 60 Prozent dieser Vorsorgeaufwendungen (einschließlich des Arbeitgeberanteils zur Rentenversicherung) steuerlich freigestellt. Dies gilt allerdings nur bis zu einer Höchstgrenze von 12 000 Euro. Laut Bundesfinanzministerium hat ein Single mit 30 000 Euro Bruttoeinkommen dadurch im kommenden Jahr eine Steuerersparnis von 27 Euro. Bei einem Einkommen von 60 000 Euro wären es 296 Euro.

- Rürup-Rente: Diesen Förderkriterien genügt beispielsweise die neue Rürup-Rente, die von der Versicherungswirtschaft unter dem Namen Basisrente angepriesen werden wird. Im Kern handelt es sich hier um eine private Rentenpolice, die aber weitgehend den Kriterien der gesetzlichen Rentenversicherung entspricht. Sie verspricht eine lebenslange, monatliche Auszahlung; eine einmalige Kapitalauszahlung ist ausgeschlossen. Die Zusatzrente ist zudem auch nicht vererbbar, beleihbar oder übertragbar.

- Betriebliche Altersvorsorge: Hier gibt es jetzt mehr Spielraum. Arbeitnehmer dürfen ab dem Jahreswechsel jährlich bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze steuerfrei in einen Altersvorsorge-Vertrag einzahlen. Im Jahr 2005 sind dies maximal also 2496 Euro. Weitere 1800 Euro bleiben steuerfrei, wenn die Beiträge aus einer Entgeltumwandlung stammen. Im Gegenzug sind die späteren Renten allerdings voll zu versteuern. Bei alten Direktversicherungen mit Rentenzahlung haben die Sparer bis zum 30. Juni 2005 ein Wahlrecht: Wollen sie das System der Pauschalbesteuerung beibehalten und dafür die spätere Rente nur mit dem Ertragsanteil versteuern, müssen sie ihren Arbeitgeber bis zu diesem Datum entsprechend informieren.

- Riester-Rente: Das bisher ungeliebte Altersvorsorgeinstrument wird deutlich einfacher handhabbar. So muß der Antrag auf die staatlichen Zulagen nur noch einmal statt bisher jährlich gestellt werden. Nur Änderungen beim Familienstand oder dem Sozialversicherungsstatus müssen der Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) weiterhin mitgeteilt werden. Zudem können künftig zu Beginn der Auszahlungsphase 30 Prozent des angesparten Kapitals ohne Verlust an Fördergeldern auf einen Schlag entnommen werden. Ein Wermutstropfen: Die Versicherer müssen die Kosten der Riester-Police nicht mehr auf zehn, sondern nur noch auf fünf Jahre verteilen. Ein rascher Anbieterwechsel wird damit teurer für den Sparer.

- Lebensversicherungen: Lebenspolicen, die ab dem 1. Januar abgeschlossen werden, verlieren ihr Steuerprivileg. Verträge, die vor dem 60. Lebensjahr auslaufen, müssen künftig voll mit dem persönlichen Steuersatz versteuert werden. Hat die Police eine mindestens zwölfjährige Laufzeit und wird sie erst nach dem 60. Lebensjahr fällig, muß nur der halbe Ertrag mit dem Fiskus geteilt werden. Günstiger wird die steuerliche Situation bei privaten Rentenversicherungen. Hier sinkt etwa bei Renten, die ab dem 65. Lebensjahr gezahlt werden, der steuerpflichtige Anteil von 27 auf 18 Prozent.

Sozialversicherungen

Rechengrößen: Pünktlich zu jedem Jahresbeginn steigen die Grenzwerte in der Sozialversicherung. Besserverdienende müssen also auf einen größeren Teil ihres Einkommens Sozialabgaben zahlen. 2005 fällt die Erhöhung allerdings vergleichsweise moderat aus. So klettern die Beitragsbemessungsgrenzen in der Renten- und Arbeitslosenversicherung um jeweils 50 auf 5200 Euro (West) beziehungsweise 4400 Euro (Ost).

In der Krankenversicherung wird nun auf maximal 3525 (vorher: 3487,50) Euro des Monatseinkommens Beitrag erhoben. Die für die Versicherungspflicht maßgebliche Jahresarbeitsentgelt-Grenze klettert auf 3900 (3862,50) Euro.

- Beitragszuschlag in der Krankenversicherung: Trotz aller Diskussionen um sinkende Beiträge in den gesetzlichen Kassen wird es für die Versicherten ab 1. Juli teurer. Denn ab diesem Zeitpunkt gilt die paritätische Beitragszahlung von Arbeitnehmer und Arbeitgeber de facto nicht mehr. Vielmehr müssen die gesetzlich Versicherten für Zahnersatz und Krankengeld einen zusätzlichen, einkommensabhängigen Beitrag in Höhe von 0,9 Prozentpunkten zahlen, an dem sich der Arbeitgeber nicht beteiligt. Die gesetzlichen Krankenkassen sind zwar verpflichtet, ihre Beitragssätze dementsprechend um 0,9 Prozentpunkte zu senken. Da diese Minderung hälftig aber auch dem Arbeitgeber zugute kommt, müssen die Versicherten selbst unter dem Strich 0,45 Prozentpunkte mehr zahlen. Ausgenommen von dem Beitragszuschlag sind mitversicherte Familienangehörige sowie Bezieher des Arbeitslosengeldes II.

- Festbeträge für Zahnersatz: Positiv für die Versicherten ist hingegen die Neuregelung der Zuschüsse beim Zahnersatz. Ab dem 1. Januar zahlen die gesetzlichen Kassen nicht mehr einen prozentualen Anteil an den Kosten eines Zahnersatzes, sondern einen befundbezogenen Festzuschuß. Wenn ein Patient künftig also beispielsweise statt einer Brücke eine aufwendigere Versorgung - etwa mit einem implantatgetragenen Zahnersatz - wünscht, zahlt die Kasse auf jeden Fall den Festbetrag für die Regelversorgung. Bisher mußte der Patient bei einer höherwertigen Versorgung die gesamten Kosten aus der eigenen Tasche bezahlen. Regelmäßige Zahnarztbesuche, dokumentiert im Zahnpaß, lohnen sich übrigens weiterhin: Hierfür gibt es einen Bonus auf den Festzuschuß.

- Pflegeversicherung: Kinderlose müssen ab Jahresbeginn in der Pflegeversicherung einen Beitragszuschlag von 0,25 Prozentpunkten zahlen. Ihr Arbeitnehmeranteil steigt damit von 0,85 auf 1,1 Prozent. Ausgenommen hiervon sind Versicherte unter 23 Jahre, Familienversicherte, Wehr- und Zivildienstleistende, Bezieher des Arbeitslosengeldes II sowie Senioren.

Rentner

Besteuerung: Deutlich mehr Rentner als bisher werden sich wieder mit dem Thema Steuererklärung beschäftigen müssen. Für alle Bestandsrentner sowie die Neurentner des Jahres 2005 gilt: Der steuerfreie Anteil der Alterseinkünfte beläuft sich auf 50 Prozent. Dieser Freibetrag gilt für die betroffenen Rentner lebenslang - allerdings nicht als prozentuale Größe, sondern als in Euro ausgedrückter Wert. Das heißt: Alle künftigen Rentenerhöhungen müssen zu 100 Prozent versteuert werden. Ein Beispiel: Ein Ruheständler, der eine Jahresbruttorente von 22 000 Euro jedoch keine weiteren steuerpflichtigen Einkünfte hat, erhält einen Freibetrag von 11 000 Euro. Würde die Rente 2006 auf 22 440 Euro klettern, müßten 11 440 Euro versteuert werden. Die Mehrzahl der insgesamt 14,2 Mio. Rentner bleibt zunächst aber weiterhin abgabenfrei. Nach Angaben der Rentenversicherer fällt bei Alleinstehenden mit einer monatlichen Rente von bis zu rund 1570 Euro brutto 2005 keine Steuer an. Bei Verheirateten verdoppelt sich dieser Freibetrag auf rund 3140 Euro im Monat.

- Krankenversicherung: Auch Rentner in der gesetzlichen Krankenversicherung müssen ab 1. Juli einen Sonderbeitrag in Höhe von 0,9 Prozent ihres Einkommens an die Krankenkassen zahlen. Trotz der gesetzlich vorgeschriebenen Beitragssenkung um 0,9 Prozentpunkte bleibt unter dem Strich eine Mehrbelastung von 0,45 Prozentpunkten.

- Pflegeversicherung: Prinzipiell gilt der ab Januar geltende Kinderlosenzuschlag in der Pflegeversicherung auch für Ruheständler. Für Senioren, die über 64 Jahre alt sind, gibt es jedoch eine Ausnahmeregelung: Rentner ohne Kinder, die vor dem 1. Januar 1940 geboren wurden, müssen nur den bisherigen Beitragssatz zahlen.

Anleger

Fondsbesteuerung: Genau ein Jahr lang wurden Zwischengewinne bei Fondsanteilen nicht mehr besteuert. Doch was die Bundesregierung zu Jahresbeginn 2004 abschaffte, führt sie 2005 wieder ein. Ab Januar müssen Anleger also die im Jahresverlauf bei Renten- und Geldmarktfonds auflaufenden Zinsen, die in der Regel einmal jährlich von der Fondsgesellschaft ausgeschüttet werden, als Kapitalerträge versteuern.

- Bankgeheimnis: Ab dem 1. April besteht das von den Bundesbürgern geschätzte Bankgeheimnis endgültig nur noch auf dem Papier. Denn mit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Förderung der Steuerehrlichkeit können Finanzbeamte aber auch die Träger der Sozialversicherung über das Bundesamt für Finanzen auf eine so genannte Kontenevidenzzentrale zugreifen und auch ohne Verdachtsmomente sämtliche inländische Kontoverbindungen eines Steuerbürgers abrufen. Die so zu erlangenden Daten (Name des Kunden, Geburtsdatum, Verfügungsberechtigung sowie Einrichtungs- und Auflösungsdatum) verraten zwar nichts über den Kontostand und eventuelle Buchungen - sie reichen aber aus, um Lücken in den Steuererklärungen aufzudecken und dann gezielt beim Steuerpflichtigen nachzufragen oder entsprechende Auskunftsersuchen bei den Banken zu stellen. Da die Banken zudem seit Anfang 2004 jedem Kunden Jahresbescheinigungen über seine Kapitalerträge und Spekulationsgeschäfte ausstellen müssen, ist der "gläserne Sparer" fast schon Realität.

- Neuer Markt: Das ehemalige Aushängeschild des deutschen Aktienmarktes ist mit dem Jahreswechsel endgültig Geschichte. Am 30. Dezember wird der Nemax-50, der zuletzt ohne nur noch als Basis für ältere Zertifikate eine gewisse Bedeutung hatte, letztmals berechnet. Der Neue Markt spielt nun nur noch in Prozessen von sich geprellt fühlenden Anlegern eine Rolle. tex.

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