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Die verheerende Kraft des Wassers
Vor der Gewalt des Meeres steht der Mensch bei allem technologischen Fortschritt noch immer hilflos. Aber wie wird ein grandioses Naturschauspiel zur tödlichen Katastrophe?
von Norbert Lossau
Die WELT beantwortet die wichigsten Fragen zu der Katastrophe rund um das Seebeben in Asien:

Pressemitteilung vom 31.12.2004


1.Was ist ein Tsunami?
Das japanische Wort Tsunami setzt sich aus tsu (Hafen) und nami (Welle) zusammen und bezeichnet bis zu 30 Meter hohe Wellen, die plötzlich über eine Küste hereinbrechen und bis weit ins Landesinnere Zerstörungspotential haben. Ganze Strände, Bäume und Siedlungen können von diesen Killerwellen weggerissen werden. Menschen, die von einer solchen Wasserwand erfaßt werden, haben praktisch keine Überlebenschance.

2.Welche Ursachen können einen Tsunami auslösen?
Unterschiedliche. Der Auslöser für die ungewöhnlich hohen Wellen können Seebeben, also ein Erdbeben auf dem Grund eines Ozeans sein. Aber auch unterseeische Hangabrutschungen, Vulkanausbrüche am Meeresboden, Bombenexplosionen oder Asteroiden-Einschläge. In jedem Fall handelt es sich um eine schlagartige, vertikale Erschütterung, von der große Wassermassen betroffen sind. Wenn sich große Flächen auf dem Meeresboden nach oben bewegen, was an den Grenzen zwischen verschiedenen tektonischen Platten der Fall sein kann, kann dadurch ein Tsunami ausgelöst werden.

3.Was unterscheidet einen Tsunami von einer gewöhnlichen Welle?
Eine vom Wind erzeugte Meereswelle hat eine typische Wellenlänge von rund 150 Metern und eine Periode von zehn Sekunden. Das Besondere am Tsunami ist seine extrem große Wellenlänge und Periode. Die Wellenlänge eines Tsunami kann 100 Kilometer und mehr betragen, die Periode im Stundenbereich liegen. Konsequenz: Aufgrund der großen Wellenlänge verhält sich ein Tsunami auch in einem mehrere tausend Meter tiefen Ozean physikalisch wie eine Flachwasserwelle - und diese breitet sich mit einer sehr hohen Geschwindigkeit aus.

4.Welche Geschwindigkeit erreichen Tsunamis?
Das ist nach folgender Formel berechenbar: Geschwindigkeit = Wurzel aus Meerestiefe x Erdbeschleunigung (9,81 m/s2). Das heißt für einen 4000 Meter tiefen Ozean, daß sich der Tsunami mit einer Geschwindigkeit von 700 Kilometern pro Stunde ausbreitet - 200 Metern in der Sekunde. Mit dieser hohen Geschwindigkeit kann sich die in der Welle steckende Energie fast ungedämpft über große Distanzen ausbreiten. Der Energieverlust einer Welle ist umgekehrt proportional zur Wellenlänge. Also: Große Wellenlänge bedeutet kleinen Energieverlust.

5.Was passiert, wenn der Tsunami die Küste erreicht?
Wenn das Meer flacher wird, verlangsamt sich die Geschwindigkeit des Tsunamis. Die Energie der Welle steckt in Geschwindigkeit und Höhe des Wellenberges. Da die Energie des Tsunamis bei der Annäherung an die Küste nicht oder nur unwesentlich geringer wird, muß die geringere Ausbreitungsgeschwindigkeit durch eine größere Wellenhöhe ausgeglichen werden. Aus physikalischen Gründen wächst also die Wellenhöhe kurz vor der Küste um etliche, meist auf 20 oder 30 Meter an. Theoretisch kann sie gar 60 Meter betragen.

6.Kann man Tsunamis nicht vorhersehen und davor warnen?
Das ist bislang kaum möglich. Meßbar ist die Ursache nur, wenn es sich dabei um ein starkes Seebeben handelt. Vom Registrieren eines solchen Bebens bis zum Aufprall des Tsunamis vergeht aufgrund der hohen Ausbreitungsgeschwindigkeit nur wenig Zeit. In den gefährdeten Regionen müßten sowohl die notwendigen Kommunikationsstrukturen, als auch entsprechende Schutzvorkehrungen getroffen werden. In der Vergangenheit wurden mehrmals Warnungen vor drohenden Seebeben ausgesprochen - meist Fehlalarme.

7.Hat die Entstehung von Tsunamis etwas mit den globalen Klimaveränderungen zu tun?
Nein. Die Seebeben, die für das Entstehen von Tsunamis verantwortlich sind, sind in keiner Weise eine Folge menschlicher Aktivitäten. Hier geht es um die Verschiebung tektonischer Platten, also großer physikalischer Kräfte, die letztlich durch Energien aus dem Inneren der Erde gesteuert werden. Darauf hat der Mensch keinerlei Einfluß. Allerdings dürften die Auswirkungen von Tsunamis noch katastrophaler werden, wenn der Meeresspiegel - infolge der Klimaerwärmung - weltweit weiter steigen sollte.

8. Wie gefährlich sind Tsunamis durch Asteroideneinschläge?
Je nach Gewicht und Geschwindigkeit eines mit der Erde kollidierenden Asteroiden können die dadurch ausgelösten Tsunamis noch viel größer ausfallen, als nach einem Seebeben. Forscher haben errechnet, daß vor rund 200 Millionen Jahren nach einem Asteroiodeneinschlag Meereswellen mit einer Höhe von tausend Metern ausgelöst worden sein sollen. Damals stand das Leben auf diesem Planeten kurz vor der Vernichtung. Tatsächlich sind durch dieses weit zurückliegende Ereignis zahlreiche Tierarten ausgestorben - mehr als durch jede menschliche Aktivität heute.

9.Können Tsunamis auch in Europa oder den USA auftreten?
Im Prinzip ja. Zwar ist das Risiko von Seebeben im Atlantik deutlich geringer als im Pazifik, doch könnte hier ein Tsunami etwa durch eine unterseeische Hangabrutschung ausgelöst werden. So droht auf der Kanareninsel La Palma die instabile Westflanke eines Vulkans in den Atlantik abzugleiten. Sollte dies passieren, so zeigen Computersimulationen, muß selbst New York mit 25 Meter hohen Wellen rechnen. Europa, im Wellenschatten der Insel gelegen, müßte immerhin noch mit drei bis sieben Meter hohen Wellen rechnen.

10.War dies der verheerenste Tsunami in der Geschichte?
Nein. 1883 raste nach der Explosion des Vulkans Krakatau eine Wasserwand auf Indonesien zu, 36 000 Menschen starben. 1896 ertranken in Japan in einer Wasserwand von 23 Metern Höhe 26 000 Menschen. 1976 kostete ein Tsunami auf den Philippinen 5000 Menschen das Leben. 1998 tötet eine Flutwelle in Papua-Neuguinea 2000 Menschen. Bis zu 1500 Opfer forderte 1906 eine Flutwelle an den Küsten Ecuadors und Kolumbiens. 1960 tötete eine elf Meter hohe Welle in Chile 1000 Menschen, 61 weitere sterben in Hawaii.

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